Pferdebesitzer in Angst: Wer ist der Tierhasser?

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Meike Hoß steht in Wallau an der Koppel, auf der ihr Bokito so schwer verletzt wurde, dass er eingeschläfert werden musste.

Taunus – Bokitos erster Geburtstag am vergangenen Wochenende war sein letzter. Das gerade erst ein Jahr alt gewordene Fohlen musste eingeschläfert werden, nachdem ein brutaler Pferdehasser das Tier auf seiner Hofheimer Koppel schwer verletzt hatte. Die Pferdebesitzer leben jetzt in Angst. Von Norman Körtge

Gefasst steht Meike Hoß an der Koppel, direkt neben dem Aldi an der Hessenstraße in Wallau. Der Elktrozaun ist abgeschaltet. Denn die vorher dort abgestellten Pferde Apache, Kentucky und Ebby sind von ihren Besitzern in Sicherheit gebracht worden. Dorthin, wo sie der Tierquäler nicht finden kann, der Bokito auf dem Gewissen hat. „Ich hoffe, dass er geschnappt und bestraft wird“, sagt die 22-Jährige.

Die Schnittwunden an den Fesseln von Vollblut-Araber Jasim sind mittlerweile verheilt.

Als Hoß am vergangenen Sonntag an der Koppel ankam, konnte sich Bokito nur noch auf drei Beinen halten. „Das eine Bein war dick angeschwollen. Es war fast doppelt so dick wie normal“, berichtet die Hofheimerin, die das Pferd im vergangenen Jahr von einem belgischen Schlachthof vor dem sicheren Tod gerettet hatte. Aufgrund der schweren Verletzung wurde Bokito in eine Tierklinik gebracht. Dort wurde festgestellt, dass die Sehne des Hinterlaufs durchtrennt worden war. Das Todesurteil für Bokito. Er wurde eingeschläfert.

Neben der Trauer hat Hoß jetzt auch noch einen kleinen Schuldenberg. 1076 Euro muss sie an die Klinik zahlen. Die erst vor kurzem abgeschlossene Versicherung wird wohl nicht zahlen. „Irgendwie wird es weitergehen“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. Für ein neues Pferd jedenfalls hat sie in absehbarer Zeit kein Geld.

Die Pferdebesitzer im Taunus jedenfalls sind alarmiert. Denn Bokito ist nicht das erste Tier, das attackiert wurde. Am Sonntag, 3. Juni, gegen 23 Uhr schlugen der oder die Tierhasser im nur wenige Kilometer entfernten Kelkheim-Münster zu. Dort war Vollblut-Araber Jasim das Opfer eines unglaublich brutalen Menschen. „Ein Nachbar hörte so etwas wie einen Schrei und rief uns an“, berichtet Besitzerin Julia Köth. Ob der „Schrei“ von dem Vollblutaraber kam, kann sie nicht beurteilen. Auf jeden Fall fuhr ihr Mann zur Koppel an der Königsteiner Straße und fand den aufgeregten Jasim und Bjarai, einen Isländer, vor. Die blutverkrusteten und eitrigen Verletzungen an gleich drei Fesseln bemerkte das Ehepaar erst später – ging aber zunächst von Mauke aus, einer Hautentzündung. Doch schnell war klar: Irgend jemand hat mit einem Messer oder einer Drahtschlinge Jasim schwer verletzt. Zur Sicherheit werden Jasim und Bjarai seit der Tat jetzt jeden Abend in den Stall gebracht.

Sei auf der Hut, wir werden Dich kriegen!“, steht auf dem Schild an Jasims Koppel – eine Aussage, die alle Pferdebesitzer im Taunus teilen.

Die Polizei prüft Zusammenhänge zwischen den Taten und bittet die Bevölkerung um Hinweise. Wer am Sonntag, 3. Juni, gegen 23 Uhr in Kelkheim-Münster oder in der Nacht vom 16. auf den 17. Juni in Hofheim-Wallau etwas beobachtet hat, soll sich an die Kripo Hofheim unter Telefon (06192) 20790 wenden.

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