Vierter Verhandlungstag  

Perverser Vorlese-Onkel hortet Spielzeug in seiner Wohnung

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Dreieich/Darmstadt – Nach nur zwei Stunden ist der Prozess gegen Matthias P. vertagt worden. Ein Gutachter war erkrankt. Dafür schilderten Polizisten Details aus dem Leben des wegen des Besitzes von hunderttausend Kinderpornos angeklagten Mannes aus Dreieich-Offenthal. Von Norman Körtge

Am 21. Juli 2010 um zehn Uhr standen erneut Polizeibeamte vor der Wohnungstür von Matthias P. in Offenthal. Mit dabei hatten sie einen Durchsuchungsbefehl. Auslöser dafür war, dass bei einer präventiven DSL-Überwachung des Internetanschlusses des 49-Jährigen festgestellt worden war, dass er wieder einen Kinderporno heruntergeladen haben soll.

In diesem ist zu sehen, wie 26 Mädchen – etwa im Alter zwischen acht und 15 Jahren – nacheinander nur mit einer Unterhose bekleidet in einen Raum geführt werden, die Unterhose ausziehen, sich auf einen Stuhl setzen und die Beine spreizen müssen. Dann beginnt ein nicht zu erkennenden Mann damit, an ihrem „Geschlechtsteil zu manipulieren“, wie es im Juristen-deutsch heißt.

Erste Hausdurchsuchung im Februar 2009

Bereits im Februar 2009 hatten Polizisten bei dem Offenthaler, der seit Geburt contergangeschädigt ist, hunderttausende Fotos und Videos mit Kinderpornografie sichergestellt. Daraufhin war Anklage erhoben worden und seit Februar wird ihm vor dem Landgericht Darmstadt der Prozess gemacht. Besondere Brisanz erhält das Verfahren, da P. bereits wegen mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern 1999 zu einer Haftstrafe verurteilt worden war und er von 2007 bis zum Bekanntwerden der aktuellen Vorwürfe im Februar 2009 als Vorlese-Onkel in der Bücherei an der Wingertschule in Offenthal ehrenamtlich tätig war.

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Als auffällig bezeichnet ein bei der Hausdurchsuchung im vergangenen Jahr anwesender Polizist, dass in der als unordentlich empfundenen Dreizimmer-Wohnung viele Gegenstände für und von Kindern zu finden waren. Zum Beispiel viele Spiele, Zeitschriften und DVDs für Kinder, zahlreiche Plüschtiere und ein Magazin für Kinderbekleidung. An den Wänden hingen Bilder von und mit Kindern. Beschlagnahmt wurden zwei Wäschekörbe voll mit Datenträgern. Die Auswertung erbrachte, dass sich zum Teil auch darauf kinderpornografisches Material befand.

Am Spielplatz im Offenbacher Büsingpark

Ein weiterer Kripo-Beamter berichtete, dass Matthias P. im September 2010 von einem verdeckten Ermittler dabei beobachtet wurde, wie er am Spielplatz im Offenbacher Büsingpark Kinder beobachtete und versuchte, Blickkontakt mit den spielenden Kindern aufzunehmen. Im Juni 2010 bereits hatte er in einem Eiscafé im Frankfurter Nordwestzentrum Kontakt zu einer Mutter mit Kind aufgenommen. Ob er jetzt im Februar in Darmstadt-Kranichstein und am 9. März in Offenthal mit Kindern gesprochen hat, ist unklar. P. behauptet, er sei etwa Anfang März nachweisbar in Wien gewesen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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