Peinlicher Fehler: Mainarbeit verspricht Kundin 5000 Euro

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Tanja Rüger würde ihren Kühlschrank gerne füllen. Aber sie hat nur noch 30 Euro.

Offenbach - Erst bekommt Hartz-IV-Empfängerin Tanja Rüger über Monate zu wenig Geld, jetzt gibt es Probleme bei der Nachzahlung durch die Mainarbeit. Von Christian Reinartz

Tanja Rüger sieht fertig aus. Ein Blick in den Kühlschrank der jungen Frau zeigt, warum. „Der ist so gut wie leer“, sagt sie mit erstickter Stimme. Wie sie ihren Mann, einem Landschaftsgärtner im Praktikum, abends das Essen kochen soll, weiß sie nicht. „Ohne Freunde und meine Familie, würden wir nicht über die Runden kommen.“ Das Problem: Tanja Rüger hat offenbar über Monate hinweg zu wenig Geld von der Mainarbeit bekommen. „Weil mein Mann seine monatlichen Gehaltszahlungen nur unregelmäßig erhalten hat, wurde manchmal einfach zu wenig von der Mainarbeit überwiesen“, sagt Rüger. Irgendwann sei es ihr aufgefallen. „Da hat mir meine Sachbearbeiterin gesagt, dass ich noch über 5.000 Euro zurückbekomme“, sagt Rüger. Als Rüger dann das Geld zum vereinbarten Zeitpunkt abholen will, rudert die Mainarbeit zurück. „Die haben mir gesagt, dass jetzt erst nochmal alles geprüft werden müsse“, sagt Rüger. Was darauf folgt, beschreibt Rüger als ein ständiges Hin und Her. Sie wird ins Amt bestellt, um einen Barscheck abzuholen, vor Ort will die Sachberarbeiterin dann aber doch nochmal alles überprüfen. Erst soll Rüger fehlende Kontoauszüge nachreichen, dann plötzlich noch einmal die, des ganzen Jahres. So geht es hin und her. Nur Geld gibt es nicht! Zwischendrin bekommt sie einen Barscheck, um wenigstens Essen kaufen zu können. „Ich habe nur noch 30 Euro, mehr nicht“, sagt Rüger. Trotzdem will man bei der Mainarbeit weiterprüfen.

Von den 5000 Euro ist längst keine Rede mehr. Dabei hat Rüger sogar eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, dass ihr diese Summer von der Sachbearbeiterin zugesichert worden sei.

Liegt die Schuld nicht bei der Mainarbeit?

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Mainarbeits-Geschäftsführer Matthias Schulze-Böing sieht die Schuld nicht bei der Mainarbeit. Zu einem Hin und Her sei es nur gekommen, weil immer wieder neue Fakten aufgetaucht seien, die eine weitere Prüfung erforderlich gemacht hätten. Das sei der ganz normale Prozess in einem solchen Fall. „Für uns ist das eine riesige Arbeit“, erklärt Schulze-Böing. Wie es dazu gekommen sei, dass seine Sachbearbeiterin einen Nachzahlungsbetrag von 5000 Euro genannt habe, könne er sich nicht erklären. „Da wurde möglicherweise ein Fehler gemacht. Aber letztendlich könne ein Fehler auch bei einem schriftlichen Bescheid vorkommen“, sagt der Geschäftsführer. „Und auch dann ändern wir das ab. Ein Anspruch ergibt sich deswegen für Frau Rüger nicht.“ Aktuell prüfe man noch einmal genau die Unterlagen. Eines scheint aber schon festzustehen. „Heute haben die mir gesagt, dass es auf keinen Fall 5000 Euro sind“, sagt Tanja Rüger enttäuscht. „Aber eine Summe nennen, konnten sie mir immer noch nicht.“

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