Pass-Wucher: Wer den Perso  verbummelt, spart Geld

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Frankfurts Bürgeramtsleiter Rainer Orell zeigt, wie ein neuer Personalausweis und ein neuer Reisepass aussehen. Beide besitzen Chips mit biometrischen Daten, die als digitaler Ausweis im Internet funktionieren sollen. Die Kosten für beide: Knapp 90 Euro.

Region Rhein-Main – Deutsch sein ist teuer. Ab November werden für den neuen Personalausweis 28.80 Euro fällig. Wer einen Reisepass haben will, legt noch einmal 59 Euro drauf. Wer jetzt noch einen Personalausweis beantragt, spart kräftig. Von Christian Reinartz

„28,80 bitte!“ heißt es ab ersten November an den Ausweis-Ausgabestellen der Bürgerbüros in Offenbach, Frankfurt und Umgebung. Damit kostet das Pflicht-Dokument eines jeden Deutschen satte 20 Euro mehr als bisher.

Warum die neue Ausweiskarte so teuer ist, weiß Rainer Orell, Leiter des Bürgeramts in Frankfurt: „Die Herstellungskosten sind an der Preissteigerung schuld.“ Allein 22,70 kostet die Herstellung der Scheckkarte. Teuer wird sie, laut Innenministerium, durch den eingebauten Chip, der in Zukunft biometrische Daten wie Fingerabdrücke und Foto speichern soll. Darüber hinaus soll man sich im Internet mit diesem Chip ausweisen können. „Wenn es denn irgendwann einmal angeboten wird“, sagt Rainer Orell.

Auch wenn den meisten Experten die Herstellungskosten reichlich hoch erscheinen, ist man sich am Institut für Informatik der Uni Darmstadt sicher: „Dieser Chip ist ein Hightech-Chip, der sozusagen eine Maßanfertigung für die Deutschen ist.“ Über die Herstellungskosten könne man allerdings nur mutmaßen. Grundsätzlich gelte: Je mehr davon hergestellt werden, desto günstiger werden die Chips. Bei den ungefähr anvisierten 80 Millionen Stück, die in Deutschland benötigt werden, erscheine der hohe Preis allerdings fragwürdig, meinen Experten.

Erst verbummeln, dann sparen

Die restlichen sechs Euro sind reine Verwaltungsgebühr. „Die brauchen wir auch“, erklärt Martina Fuchs, Leiterin des zuständigen Bürgerbüros in Offenbach. Der Verwaltungsaufwand habe sich nämlich verdreifacht. Statt bisher acht veranschlagten Minuten, benötigten die Mitarbeiter nun 23 Minuten. „Und das ist nur das Minimum, wenn keine speziellen Rückfragen kommen“, erklärt Orell. Für die Kommunen ist der neue Personalausweis deshalb ein Minusgeschäft. Orell: „Wir zahlen da nur drauf.“ Beim Reisepass ist das Problem ähnlich. Die Herstellungskosten betragen dafür knapp 40 Euro. Die restlichen 19 Euro sind Verwaltungsgebühr. Doch nicht nur wegen des hohen Preises steht der neue Ausweis in der Kritik. „Vielen ist die Speicherung der Daten auf dem Chip nicht geheuer“, sagt Orell: „Da werden wir Überzeugungsarbeit leisten müssen.“

Einzige Chance, dem Biometrie-Ausweis zu entgehen: Wer bis Ende Oktober einen neuen beantragt, obwohl der eigene noch nicht abgelaufen ist, erhält einen Perso der alten Art. Das dürfe man aber nur, wenn der alte verloren gegangen ist oder unabsichtlich zerstört wurde, warnt Fuchs: „Täuscht man etwas vor, begeht man eine Ordnungswidrigkeit.“

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