Party auf Pump: Kommt nach dem Hessentag das böse Erwachen?

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Geld für die Tonne? Der Bund der Steuerzahler warnt vor zu hohen Hessentagsschulden.

Oberursel – Der Hessen liebste Sause ist und bleibt der Hessentag – koste es, was es wolle. Während in Oberursel die Verantwortlichen eine knappe Woche vor Festbeginn mit 3,1 Millionen Schulden für die Stadtkasse rechnen, spricht der Hessische Bund der Steuerzahler von Schön-Rechnerei. Clemens Knobloch: „In den vergangenen Jahren ist es immer teurer geworden, als ursprünglich angenommen.“ Für Oberursel rechnet er sogar mit bis zu fünf Millionen Miesen. Von Christian Reinartz

Butzbach, Homberg-Efze, Langenselbold und Stadtallendorf haben es vorgemacht. Trotz millionenschwerer Landeszuschüsse haben diese Städte ihr Schulden-Waterloo schon erlebt und kämpfen jetzt mit den Folgen. Bei allen waren am Ende die tatsächlich gemachten Schulden höher, als zuvor geplant, weiß Clemens Knobloch vom Bund der Steuerzahler in Hessen. Auch in Oberursel rechnet er mit langen Gesichtern in den Wochen und Monaten nach dem Hessentag.

Doch warum verkalkulieren sich die Planer offenbar jedes Jahr aufs Neue? Das Problem: Der aktuelle Hessentag soll immer den vorangegangenen an Größe und Angebot übertreffen. Schließlich ist das Landesfest im Grunde auch eine Werbeveranstaltung für die Landesregierung samt Verwaltungsapparat.

So türmen sich Kosten auf, die die meisten Kommunen kaum bewältigen können. Und dieser Gigantismus ist offenbar staatlich verordnet, denn der Hessentagsbeauftragte des Landes, Heinrich Kaletsch, der seit 1988 das Fest organisiert und „Mr. Hessentag“ genannt wird, gilt als nicht zimperlich, wenn es um die Festplanung geht. Hinter vorgehaltener Hand verrät ein hochrangiger Politiker, der einige Erfahrung mit Hessentagen hat: „Herr Kaletsch bestellt viel, aber zahlt am Ende nicht alles.“ Das heißt: Das Land Hessen stellt eine gewisse Erwartungshaltung an die ausführende Kommune. Kaletsch soll dafür sorgen, dass diese auch durchgesetzt wird. Wehre sich eine Kommune nicht frühzeitig, habe sie nach dem Hessentag ein großes Loch in der Stadtkasse, heißt es weiter. Diese Ansicht bestätigt auch Knobloch.

Teurer Spaß: Der Hessentag

Ob sich Oberursel gewehrt hat? Mr. Hessentag ist jedenfalls zufrieden mit der Planung. Alles, was er habe verwirklichen wollen, sei gelungen, sagt Heinrich Kaletsch: „Alles läuft prima.“ Regierungssprecher Michael Bußer sieht in der Rolle von Heinrich Kaletsch gar ein Korrektiv, dass die Städte vor allzu utopischen Investitionen bewahren soll: „Wir beim Land haben ja viel mehr Erfahrung in der Durchführung eines Hessentages und können so dafür sorgen, dass vor Ort keine Wolkenkuckucksheime gebaut werden.“

Im Oberurseler Rathaus gibt sich Kämmerer Thorsten Schorr deshalb entspannt. „Wir gehen davon aus, dass wir mit den Schulden in dem von uns angepeilten Bereich landen werden.“ Er verweist zudem auf die vielen Fördermittel, die Oberursel vom Land erhalten habe und den Imagegewinn für die Stadt. Er gibt aber zu: „Es kann bei so einem Fest immer vorkommen, dass Kosten auftreten, die nicht einkalkuliert sind.“

Für Clemens Knobloch eine typische Reaktion. „Da rechnen sich Stadtverwaltungen etwas schön, um dieses Fest auf die Beine zu stellen“, kritisiert er. Mit einer realistischen Einschätzung habe das allerdings wenig zu tun. Das zeige die Geschichte des Hessentags.

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