Wer hier umsteigt, zahlt drauf

+

Offenbach – Groß ist das blau-weiße Schild, das an der S-Bahn-Station Offenbach Ost auf den Park&Ride-Parkplatz hinweist. Und groß scheint auch der Ärger und der Frust, der an und auf dieser Stellfläche entsteht. Von Norman Körtge

Claudia Fritsch aus Neu-Isenburg hatte den Einkaufstrip nach Frankfurt am Samstag vor einer Woche genau geplant. Mit dem Auto nach Offenbach fahren, die in der Spießstraße wohnende Freundin abholen, das Auto auf dem Park&Ride-Platz an der S-Bahnstation Ost abstellen und dann ab auf die Zeil nach Frankfurt. „Meine Freundin hat eine Monatskarte und kann am Wochenende eine zweite Person umsonst mitnehmen“, erzählt Fritsch. Und natürlich wollen die beiden die Parkhausgebühren sparen. Doch als sie von der Unteren Grenzstraße auf den Parkplatz einbiegen, folgt die Ernüchterung: „Privatparkplatz gebührenpflichtig“ steht dort auf kleinen Schildern an jeder Ecke. „Ich kenne nur kostenlose P&R-Plätze. Die Bahn und die Städte wollen doch, dass wir umsteigen“, meint Fritsch, die ihr Auto dann in der gegenüberliegenden Hebestraße parkte – ohne zu bezahlen.

Früher 300, heute 30 geparkte Autos

Dass der P&R-Parkplatz im Offenbacher Osten tatsächlich eine Ausnahme darstellt, zeigt die Suche auf dem vom Hessischen Verkehrsministerium ins Internet gestellten Seite www.pundr.hessen.de. Kein anderer Parkplatz an den S-Bahn-Stationen in Stadt und Kreis Offenbach sind demnach gebührenpflichtig. „Der Park&Ride-Parkplatz am Hanauer Hauptbahnhof kostet auch Geld“, wehrt sich Stadtsprecher Matthias Müller gegen das stigmatisierende Alleinstellungsmerkmal. Er macht aber auch keinen Hehl daraus, dass es ihn ärgert, dass Umsteiger hier Geld bezahlen müssen. Als der Park&Ride-Parkplatz noch von der Deutschen Bahn betrieben wurde, habe es kein Geld gekostet. „Da standen dort auch 300 Autos“, berichtet Müller. Heute seien es nur noch 30.

Dass auf dem Parkplatz meist ausreichend Platz ist, weiß auch Thomas Tanzberger vom Erlangener Unternehmen Kneuer, das den Parkplatz seit 2005 betreibt. „Wir arbeiten hier gerade so kostendeckend“, sagt Tanzberger. Gerade in der Anfangszeiten hätten sie hier viele Probleme mit Drogendealern und illegalen Müllablagerungen gehabt, berichtet er. Für ihn ist die Fläche auch kein klassischer Park&Ride-Parkplatz, da er innerstädtisch liegt. Vielmehr ist es ein ganz normaler gebührenpflichtiger Parkplatz, wie anderswo ein Parkhaus. „Und das mit einem Tagessatz von 3,50 Euro zu einem guten Preis“, sagt er. Die Ausschilderung als Park&Ride-Parkplatz sei hingegen Sache der Stadt, meint er. Die hat eine klare Einstellung dazu: Da man dort auf die S-Bahn umsteigen kann, ist es Park&Ride, so Matthias Müller.

Kommentare