Paket-Terror an der Tür: Frau stirbt vor Aufregung

Von Christian ReinartzHainburg - Als am Dienstag, 14. Juli, um 13.38 Uhr das Telefon klingelt, hat Elisabeth Müller aus Hainburg noch eine Stunde zu leben. Seit einem halben Jahr rufen Firmen an, um die 77-Jährige zu mahnen. Der Vorwurf: Sie habe Waren bestellt und nicht angenommen.

Doch Müller ist unschuldig. Sie wird fast täglich mit Paketen terrorisiert, die Unbekannte auf ihren Namen bestellt haben. Nur wenige Minuten nach dem Gespräch ist die Hainburgerin tot. Herzinfarkt. Tochter und Ehemann haben jetzt eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt, um die Täter zu fassen. "Diese Leute sind Schuld am Tod meiner Frau", sagt Karl Müller: "Ich will, dass sie zur Rechenschaft gezogen werden."

Alles fängt an einem Wintermorgen im Februar an. Eine Bäckerei aus Seligenstadt will 300 Brötchen bei den Müllers abliefern. "Wir haben sofort gemerkt, dass uns jemand einen Streich spielen wollte", erinnert sich Tochter Margitta Massing. Doch dabei bleibt es nicht. Fast täglich kommen ungebetene Pakete und Päckchen an. Der Inhalt: Kleidung, Schuhe, Gartengeräte. Alles aus Versandhaus-Katalogen. Eines Morgens werden sogar frische Blumen aus Holland geliefert. "Und dann erklären sie mal der Firma, dass das alles nur ein schlechter Scherz ist", sagt Massing. Sie blättert hilflos in dem dicken Leitz-Ordner voller Bestellzettel, die mit "E. Müller" unterschrieben sind. Die schwungvolle Unterschrift ist immer dieselbe. "Aber sie gehört nicht meiner Mutter", sagt Massing. Ihr Vater sitzt mit Tränen in den Augen daneben. Auch Elisabeth Müllers Schäferhund Elgar vermisst sein Frauchen. Seit sie tot ist, frisst der zwölfjährige Rüde nicht mehr. Auf dem geschmacklosen Höhepunkt des Bestell-Terrors schließen die Unbekannten eine Sterbegeld-Versicherung auf Elisabeth Müllers Namen und den ihres Mannes ab.

"Das alles hat meine Mutter kaputt gemacht", sagt Margitta Massing. Die alte Frau sei jedesmal zusammengezuckt, wenn der Postbote geklingelt hat. Und er hat oft geklingelt. Über 15.000 Euro Waren sind bestellt worden. Bis zum 14. Juli. Nach einem Telefonat mit einer Schuh-Firma wegen einer nicht angenommenen Lieferung, legt sich Elisabeth Müller ins Bett. Nur wenige Minuten später bekommt sie einen Herzinfarkt. Sie ist tot. "Seitdem ist kein Päckchen mehr gekommen. Es ist so, als ob irgend jemand sie ins Grab bringen wollte", sagt Massing.

Die Polizei hat die Familie schon im Februar eingeschaltet. Die Ermittlungen dauern an. "Aber wir werden bei einem Verdacht alle Register ziehen", sagt Josef Michael Rösch, Pressesprecher der Polizei in Offenbach: "Wenn es sein muss DNA-Spuren und Fingerabdrücken inklusive."

Massing ist sicher, dass die Täter aus dem Umfeld der Familie kommen. Deshalb hat sie jetzt eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise, die zur Ergreifung führen, ausgesetzt. "Ich hoffe, dass da jemand plaudert", sagt sie.

Laut Polizei ist ein solcher Bestell-Terror kein Kavaliersdelikt. Es geht um Urkundenfälschung und Kreditbetrug. Massing geht weiter: "Ich werde die Täter wegen fahrlässiger Tötung anzeigen."

Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

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