Offenbacher schauen in die Röhre: Stadt will Geld, Frankfurt macht's gratis

+
Alle 30 Jahren sollten Abwasserrohre überprüft werden. Ablagerungen (Foto), Wurzeln oder Risse machen das Material porös.

Offenbach – Hausbesitzer aufgepasst, bald wird's teuer! Bis zu drei Viertel aller Abwasserrohre die private Gebäude mit dem öffentlichen Kanalnetz verbinden sind marode. Bis 2015 müssen sie spätestens saniert werden. Zuvor ist eine teure Dichtigkeitsprüfung vorgeschrieben. Die Stadt Frankfurt kommt ihren Bürgern entgegen und führt diese Untersuchung kostenlos durch. Die Stadt Offenbach will dagegen abkassieren. Von Christian Reinartz

Christian Loose vom zuständigen Offenbacher Eigenbetrieb ESO: „Diese Untersuchung wird den Bürgern in Rechnung gestellt.“ Allerdings verweist er darauf, dass jeder die Möglichkeit habe, ein privates Unternehmen damit zu beauftragen. „Diese sollten allerdings seriös sein“, warnt er vor windigen Geschäftemachern. „Die ESO wird den Hausbesitzern aber ein günstiges Angebot machen“, kündigt Loose an. So sei es möglich einige Kanäle im Zuge von regulären Arbeiten am städtischen Kanalnetz einfach mit zu untersuchen.

Hintergrund ist eine Verordnung des Landes Hessen, die erst 2010 in Kraft treten soll. Demnach sind alle Hauseigentümer verpflichtet, den ordnungsgemäßen Zustand ihre Zuleitungskanäle zum öffentlichen Abwasserkanal bis spätestens 2015 fachmännisch überprüfen zu lassen.

Wer das nicht tut, riskiert ein Ordnungswidrigkeitsverfahren, so Oliver Gaksch, Pressesprecher der ESO. Andere Kommunen, etwa Dieburg und Neu-Isenburg, wissen dagegen noch nicht wie sie die Verordnung durchsetzen wollen. Sie warten bis das Gesetz verabschiedet ist.

Unklarheit herrscht unterdessen über die Prüfmethode. Die soll in der noch nicht verabschiedeten Eigenkontrollverordnung festgelegt werden. Wird dort eine Druckprüfung vorgesehen, können sich Hausbesitzer auf eine teure Sanierung gefasst machen. „Durch den Druck können alte, bis dahin intakte Rohre, zerstört werden“, warnt Gerold Happ, Umwelt-Referent der Eigentümerschutzgemeinschaft Haus und Grund.

Dieser Gefahr will sich die Stadt Frankfurt gar nicht erst aussetzen. „Wir machen eine Sichtüberprüfung mittels Kamera“, erklärt Ulrich Heidemann, Betriebsleiter der Frankfurter Stadtentwässerung. Seine Behörde zeigt sich im Gegensatz zur Offenbacher ESO großzügig. „Wir werden die privaten Kanäle in Frankfurt alle kostenlos untersuchen“, verspricht er. Stelle sich nämlich ein Abwasserkanal als kaputt heraus, werde die Sanierung sowieso teuer genug.

Kommentare