Familie gibt ihre Existenz nicht auf

Offenbacher Familie kämpft um ihre Pizzeria

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Symbolfoto

Offenbach - Das Nordend in Offenbach befindet sich im Umbruch, soll attraktiver werden. eine Pizzaria ist seit 33 Jahren dort. Noch. Denn den neuen Hausbesitzern passt das Restaurant nicht ins Konzept. Von Norman Körtge

Betreiber G. geht es nicht gut. Zehn Kilo habe er bereits verloren. Die Sorgen fressen den Offenbacher Gastronomen auf. „Mir schlägt das alles auf den Magen“, erzählt er von den Auswirkungen des Rechtsstreits mit der Aveo Real Estate GmbH aus Eschborn, der neuen Besitzerin des Hauses im Offenbacher Nordend. Dort betreibt er seit 33 Jahren zusammen mit seiner Frau die Pizzeria. Doch damit soll bald Schluss sein – und damit die größten Befürchtungen der Familie wahr werden lassen.

Aus Herzlichkeit wurde Ernst

Vor zwei Jahren sei die Stimmung mit den neuen Hauseigentümern noch herzlich, gar überschwänglich gewesen, erzählt Frau G. „Wir haben uns in den Arm genommen, gedrückt und zusammen gefeiert“, erinnert sie sich. Die mehrfache Nachfrage der Betreiber, ob sie weiterhin ihre Pizzeria behalten dürfen, sei damals überhaupt kein Thema gewesen. Ganz im Gegenteil: Sie sind froh, so tolle und treue Mieter zu haben, sei die Aussage der Hausbesitzer gewesen, erinnert sich die Tochter. Doch dann kam alles anders. 

Plötzlich sei die Frage da gewesen, ob sie 100.000 Euro zur Verfügungen hätten, um es in die Pizzeria zu investieren. Ansonsten würde es andere Interessenten geben. Die Betreiber verneinten. Seitdem wird fast nur noch über Anwälte kommuniziert.

Mietvertrag wurde nicht schriftlich fixiert

Das größte Problem: Die Familie hat keinen Mietvertrag mehr. Ihr ehemaliger Anwalt hatte es versäumt, die vom alten Hausbesitzer schriftlich zugesagte Mietverlängerung um fünf Jahre bis 2017 auch vertraglich zu fixieren. Tobias Männche, Geschäftsführer der für das Haus zuständigen Hausverwaltung Männche-Immobilien, sind mündlich getätigte Zusagen nicht bekannt und bezeichnet die 100.000-Euro-Frage als „unwahr“. Außerdem stellt er klar: „Der Vertrag mit der Pizzeria ist ausgelaufen und wurde vom Eigentümer der Liegenschaft nicht verlängert. Dieses sogenannte Optionsrecht ist bei Gewerbemietverträgen nicht unüblich.“ 

Männche bestreitet, dass es bereits einen neuen Mieter für die Lokalität gibt. Allerdings viele Interessenten. „Hier wird von dem Eigentümer ein Mieter gesucht, der gut in das Viertel passt und das Viertel aufwertet. Voraussetzung ist hier, dass nicht wie bei der Pizzeria ein Teil des Ladenlokals zur Spielhalle umfunktioniert wird“, so der Hausverwalter. Er führt die bereits vom neuen Besitzer getätigten Investitionen an, wie den Einbau einer neuen Heizungsanlage und der Sanierung des Spielplatzes. Dass die neuen Eigentümer nichts persönlich gegen die Familie haben, beweise die Tatsache, dass die Mietverträge mit dem Wettbüro und dem Spielkasino ebenfalls nicht verlängert wurden.

Der Streit zwischen der Aveo Real Estate und der Familie wird im April vor Gericht seine Fortsetzung finden.

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