Endstation Notunterkunft

Offenbach: Junge Familie lebt seit Monaten auf 14 Quadratmetern

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Übersichtlich: Elvira Schneeberger und Thomas Schmidt leben in diesem Zimmer mit ihrer Tochter Mila – an Privatsphäre ist nicht zudenken

Offenbach - Elvira Schneeberger, Thomas Schmidt und Tochter Mila leben seit vier Monaten auf 14 Quadratmetern. Alle Versuche, eine Wohnung zu bekommen, schlagen fehl. Die Familie ist am Limit. Beim Jobcenter heißt es: „Die Notunterkunft ist angemessen.“ Von Franziska Jäger

Bestimmt hundert Absagen hätten sie schon auf ihre Wohnungsanfragen erhalten, sagen Elvira Schneeberger und Thomas Schmidt. Die beiden arbeitslosen Offenbacher sind ratlos. Sie wollen so schnell wie möglich raus aus der Notunterkunft. Die hat ihnen das Jobcenter Main-Arbeit vermittelt. Seit vier Monaten leben sie in der Marienstraße. Zu dritt in einem 14 Quadratmeter großen Zimmer. Gemeinsam mit Schneebergers sechs Jahre alten Tochter Mila. Die Drei-Zimmer-Wohnung teilen sie sich mit einer fünfköpfigen afrikanischen Familie. Die Sprachbarriere macht es unmöglich, Streitigkeiten zu klären. Bad und Küche sind ständig blockiert. Im Spülbecken der Küche reinigen die anderen ihre Unterwäsche.

Sechsjährige Mila braucht ein eigenes Zimmer

Wer der jungen Familie eine Miet-Wohnung anbieten kann, schreibt mit Betreff „Not“ an redaktion@extratipp.com.

Die sechsjährige Mila geht zur Schule, bekommt danach noch Sprachheilunterricht. Sie leidet am meisten unter der beengten Wohnsituation. „Sie braucht unbedingt ein eigenes Zimmer“, sagt die 25-jährige Mutter. Mila schläft schlecht ein, wenn die Eltern abends noch wach bleiben. Muss sie dringend die Toilette benutzen, ist diese oft blockiert. Und auch das Umfeld ist, laut Schneeberger und Schmidt, alles andere als kindgerecht. Das Paar vermutet, dass im Haus Drogen verkauft werden. Das Mädchen lassen sie deshalb ungern draußen spielen. „Mila weint oft und sagt, dass sie hier raus möchte“, sagt Elvira Schneeberger. Aufgrund eines Herzfehlers ist die junge Mutter derzeit arbeitsunfähig. Ihr 36 Jahre alter Partner kann seit einer Knochenentzündung im Arm seinen früheren Beruf als Schlosser nicht mehr ausüben, ist seither arbeitssuchend. „Die Vermieter wollen keine Leute von der Main-Arbeit, und auch das Kind ist für viele ein Problem“, sagt Schneeberger.

Die Main-Arbeit selbst vermittelt keine Wohnungen. Und die Notunterkünfte sind voll. „Die Familie hatte Glück, dass sie überhaupt in einer Gemeinschaftswohnung untergebracht werden konnte“, sagt Susanne Pfau, Leiterin des Bereichs „Leistung“ der Main-Arbeit. Unterkünfte in Hotels seien noch knapper ausgestattet. Pfau stellt klar: „Das Zimmer ist angemessen, weil es ja nur als Übergangslösung gedacht ist.“

Auf Anfrage wird Gespräch angeboten

Der Main-Arbeit ist das Problem der Familie bekannt. Nicht zuletzt durch einen Brief, den Schneeberger vor ein paar Wochen aus Verzweiflung an Oberbürgermeister Horst Schneider gerichtet hat. Eine Antwort erhielt sie nicht. Die Stadt leitete den Fall stattdessen wortlos an das Jobcenter weiter. Doch das empfiehlt, wie schon viele Male zuvor, eine Beratung bei der Cari-Job von der Caritas. Dort werden Langzeitarbeitslose beratend unterstützt. „Aber diese Beratungen haben bisher noch nie geholfen“, sagt Schneeberger. Und auch Gespräche mit der Zentralen Vermittlung von Unterkünften (ZVU), die die Notunterkünfte betreut, brächten keine Lösung, sagt Schneeberger. Nachdem der EXTRA TIPP nachfragt, bietet die ZVU zumindest ein klärendes Gespräch beider Parteien in der Gemeinschaftswohnung an. Ansonsten solle sich die Familie weiter nach Wohnungen im Umkreis umschauen, heißt es weiter.

Für Schneeberger und Schmidt kein echter Hoffnungsschimmer. „Wir haben doch längst auch schon außerhalb Offenbachs gesucht. Mir ist mittlerweile egal, wo ich hinziehe“, sagt Schmidt.

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