Unmengen landen falsch im Restmüll

Offenbach und Frankfurt: Zu dumm zum Mülltrennen?

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Organische Abfälle gehören ausnahmslos in die Biotonne.

Region Rhein-Main – Seit die Biotonne Pflicht ist, muss organischer Abfall vom Restmüll getrennt werden. Ein Auge darauf haben die Entsorger. Sie betonen gerne, wie vorbildlich die Kunden die Biotonne nutzen. Darüber, dass im Restmüll aber immer noch Unmengen an Bioabfall landen, spricht keiner. Von Christian Reinartz

Es sind Zahlen, die einen am Verstand der Menschen zweifeln lassen. Obwohl in Frankfurt Ende 1998 die Biotonne eingeführt wurde, haben es die Einwohner bis heute nicht geschafft, eine ordentliche Mülltrennung hinzubekommen. Die Folge: 46 Prozent des Restmülls bestehen nach wie vor aus Biomüll. Der Sprecher der Frankfurter Entsorgungs- und Service-Gesellschaft (FES) Michael Werner bekennt: „Da müssen wir ran. Keine Frage.“ Ursache für den hohen Anteil an Bioabfall im Restmüll ist meist Bequemlichkeit und Ignoranz. Ein typisches Beispiel sei, sagt Werner, etwa ein halbvoller Joghurtbecher oder vergammeltes Gemüse in der Folienverpackung. „Das werfen viele Leute dann eben schnell in den Restmüll, weil sie sich nicht die Hände schmutzig machen wollen.“

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Manchmal ist es offenbar aber auch Dummheit. Michael Werner drückt das so aus: „Es gibt aber auch sicherlich die, die eine ordentliche Mülltrennung trotz Bemühen einfach nicht hinbekommen.“

Schlecht getrennt wird auch in Offenbach. Dort ist die Biotonne allerdings erst vor gut einem Jahr eingeführt worden. Etwa 73 Prozent Bioabfall landen im Hausmüll. Oliver Gaksch, Sprecher der Offenbacher Dienstleistungsgesellschaft ESO, kennt das Problem. „In Offenbach schlummern etwa 8400 Tonnen Bioabfall, die wohl noch im Restabfall landen.“

Doch wie wollen die Entsorger den Anteil organischen Abfalls im Restmüll zukünftig eindämmen?

Über 53 Prozent organischer Müll im Restmüll im Rhein-Main-Gebiet

Erfahrungsgemäß sei es extrem schwierig, die Menschen von einer exakteren Trennung zu überzeugen, sagt Werner: „Wir können da nicht kontrollieren, sondern wir müssen Anreize schaffen.“

Zusammen mit dern Städten Offenbach, Darmstadt, Wiesbaden, Kassel und Marburg überlege man etwa die Einführung eines Biomülleimers für die Wohnung. „So könnten die Menschen ihren organischen Abfall bequemer nach draußen bringen“, sagt Werner. Auch einen häufigeren Leerungs-Rhythmus könne er sich vorstellen. „Wenn die Leute merken, dass ihr Kotelettknochen schneller abgeholt wird, wenn er in der Biotonne landet, dann bewirkt das vielleicht auch ein Umdenken“, sagt Werner. Auch Gaksch verrät: „Wir werden auch verschiedene Kampagnen für unterschiedliche Zielgruppen starten.“

In der Main-Taunus-Kreisstadt Hofheim beschäftigt man sich erst gar nicht mit dem Thema. Sprecherin Iris Bernardelli: „Wir kontrollieren nicht, was im Restmüll landet.“ Folglich könne auch niemand sagen, wie ordentlich die Hofheimer trennten.

Zahlen für nahezu das ganze Rhein-Main-Gebiet hat Constance Celten. Sie ist Geschäftsführerin der Rhein-Main Abfall Gesellschaft und stellt klar: Ohne flächendeckende Einführung der Biotonne habe ihr Unternehmen im Schnitt 53,4 Prozent Organikanteile im Restmüll gefunden. Flächendeckende Zahlen nach Einführung der Tonne gibt es noch nicht, da einige Kommunen, etwa wie Bad Homburg und Friedrichsdorf, die Biotonne immer noch nicht benutzen.

Michael Werner von der FES ist jedenfalls sicher: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwo im Rhein-Main-Gebiet Kommunen gibt, die viel bessere Zahlen haben.“

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