Neue Zeil: Hübsch sieht anders aus

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Petra Rieth zeigt auf ein Teilstück des Flickenteppichs in der Frankfurter Einkaufsmeile.

Frankfurt – Drei Wochen liegt die feierliche Eröffnung der Zeil zurück. Doch vom neuen Glanz der Einkaufsmeile spüren vor allem Behinderte wenig. Schräge Platten, große Fugen, Asphaltflecken und ein fehlendes Blindenleitsystem machen den Gehandikapten das Leben schwer. Von Andreas Einbock

Wenn Petra Rieth über die Zeil fährt, gleicht das teilweise einem Slalom. „Da drüber ist auch noch ein Loch zu sehen“, sagt die Vertreterin der Behindertenarbeitsgemeinschaft der Stadt und fährt um eine der eingezäunten Baustellen. Ein paar Meter weiter weicht die Rollstuhlfahrerin einem der hässlichen und aus Asphalt bestehenden Flecken aus. Die werden in Richtung Konstablerwache immer zahlreicher und großflächiger.

Viele der Fugen spüre sie beim Überfahren durch den Rollstuhl hindurch, schildert Rieth ihr Fahrerlebnis. Zudem sind die Fugen alles andere als ein schöner Anblick. Zigarettenstummel, Kronkorken, Kaugummis und Trinkhalme quillen aus den fast einen Zentimeter breiten Vertiefungen hervor. „Hübsch sieht‘s aus“, kommentiert Rieth den Anblick mit ironischem Tonfall. Damit nicht genug. Einen weiteren Aspekt hält sie bei der Neugestaltung für ein Versäumnis. „Auf der ganzen Zeil fehlt ein Blindenleitsystem. Aber dagegen wehrt sich die Stadt nicht nur an dieser Stelle seit Jahren“, so Rieth.

An Pavillon fehlt WC-Hinweis für Behinderte

Lediglich den vier Pavillons im Innenbereich kann die Rollstuhlfahrerin etwas Positives abgewinnen: „Nach langem Kampf gibt‘s immerhin in einem Pavillon eine Behindertentoilette. Doch das muss man als Behinderter wissen, denn der Hinweis dafür fehlt von außen.“ Schön sei allerdings, dass die Auffahrrampen an den Pavillons realisiert wurden.

Beim Stadtplanungsamt sieht man die Vorwürfe gelassen. „Die Fugenbreite kommt durch die 18 Zentimeter dicken Platten zustande“, erklärt Zeil-Projektleiterin Angelika Kowalewsky. „Momentan arbeiten die Platten auch in der Höhe. Würden die Fugen schmaler sein, könnten sich die Platten verkeilen“, so Kowalewsky. Bisher wurde bereits zweimal mit Feinsplitt nachverfugt. Der Prozess würde etwa ein Jahr dauern, bis sich die Platten gesetzt haben.

Offene Kostenfrage als Ursache für Asphaltflecken

Zigarettenstummel und Müll liegen in den Fugen.

Für die Asphaltflecken sei ein Streit mit der Baufirma verantwortlich. „Der Mehrkostenaufwand für das exakte Beschneiden der Platten um die Hydrantendeckel und Schachtabdeckungen herum musste erst geprüft werden“, sagt die Projektleiterin. Inzwischen sei er genehmigt. Da diese Arbeiten aber nur nachts vorgenommen werden könnten, würden die Arbeiten noch bis Ende Januar andauern. Die anderen rührten von kürzlich entstandenen Leitungsschäden im Untergrund her, weshalb einige frisch verlegte Platten wieder angehoben werden mussten.

Der Hoffnung auf ein Blindenleitsystem erteilt Kowalewsky eine Abfuhr: „Das ist überhaupt nicht erforderlich, weil die Zeil keine Gefahrenstelle ist.“ Lediglich in den Zufahrten zum Asphaltbereich von Stiftstraße, Schäfergasse und Fahrgasse würden demnächst Rillenplatten verlegt werden.

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