Frankfurter Ehepaar wird zum Opfer

Neue Masche: Trickdiebstahl vor der eigenen Haustür

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Klaus-Peter Müller mit dem Muster des wertvollen Anhängers, den seine Frau jahrelang in Gold um den Hals trug.

Frankfurt – Trickbetrüger werden immer dreister und tauchen mittlerweile auch dort auf, wo man sie am wenigsten erwartet. Am Dienstag wurden Klaus-Peter und Monika Müller direkt vor ihrer Haustür in einer ruhigen Wohngegend im Frankfurter Osten bestohlen. Von Fabienne Seibel

„Wir sind sehr geknickt. Die Kette hat meiner Frau viel bedeutet und hat 2000 D-Mark gekostet. Sie hat einen großen Seltenheitswert, da es sich um einen asiatischen Feuerdämon handelt, den es so in Deutschland nicht gibt. Es war eine Sonderanfertigung in Gold“, sagt Klaus-Peter Müller. Der 59-Jährige und seine Frau Monika wurden am Dienstag Opfer eines miesen Trickdiebstahls.

Autofahrer fragt nach dem nächsten Krankenhaus

Als das Ehepaar gemeinsam nach einem Gespräch mit den Nachbarn vor seinem Hauseingang steht, hält plötzlich ein schwarzer BMW neben ihnen. Die Insassen, zwei Männer und eine Frau, fragen den Frankfurter nach dem Weg zum nächsten Krankenhaus, da angeblich die Mutter einer der Männer dringend ärztliche Hilfe benötigt. Da Müller selbst seit Jahren unter starken gesundheitlichen Beschwerden leidet, gibt er Auskunft. Er ahnt nicht, dass die Gruppe nichts Gutes im Schilde führt und seine Gutmütigkeit ausnutzen wird. „Als ich das Wort Krankenhaus gehört habe, war ich sofort bereit zu helfen. Jetzt im Nachhinein weiß ich, dass alles nur eine miese Masche war.“

Betrüger trennen die Eheleute

Um sich den Weg zum nächsten Krankenhaus zeigen zu lassen, steigt der Fahrer aus dem Wagen und winkt Klaus-Peter Müller herbei. „Das war schon der erste Trick von diesen Gaunern. Sie haben meine Frau und mich bewusst getrennt“, sagt Müller.

Nachdem Müller Auskunft gegeben hat, will sich der Fahrer bedanken und legt ihm eine Kette um den Hals. Der 59-Jährige geht auf Abstand, doch der Mann lässt nicht locker. „Ich wollte bewusst keinen Körperkontakt und habe ihm gesagt er soll das lassen, doch er ließ nicht locker.“

Betrüger legen Kette um seinen Hals

Während Müller mit dem Fahrer diskutiert, steigt gleichzeitig die Frau aus dem Auto, betritt den Hofeingang des Paares und will sich bei Monika Müller ebenfalls mit einer Kette bedanken. „Die Frau hat behauptet, dass es bei ihnen Brauch sei, sich mit Schmuck zu bedanken.“ Auch der Einwand, dass sie keine Geschenke will, wird ignoriert. „Die Frau hat mir, ohne mich überhaupt zu berühren, eine Kette um den Hals geworfen. Auf einmal rannte sie zurück zum Auto und die Leute verschwanden mit quietschenden Reifen“, sagt Monika Müller. Ihr Mann ergänzt: „Erst als wir in der Wohnung waren, hat meine Frau gemerkt, dass der Anhänger mit der Goldkette, die sie um den Hals trug, weg war.“ Direkt im Anschluss fährt das Frankfurter Ehepaar zur Polizei und erstattet Anzeige. „Ich kann wirklich nicht glauben, dass uns das passiert ist. Eigentlich bin ich ein sehr aufmerksamer Mensch, deswegen ärgert es mich umso mehr, dass wir hier vor unserer eigenen Haustür beklaut werden.“

Manfred Füllhardt, Pressesprecher bei der Polizei Frankfurt, weiß dass Trickdiebe immer dreister werden und diese Masche bereits mehrfach angewandt wurde, um vor allem ältere Leute zu bestehlen.

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Am Mittwoch ereignete sich in Darmstadt ein Trickbetrug, der nach genau dem gleichen Schema ablief. Das 55-jährige Opfer bemerkte jedoch noch an Ort und Stelle den Diebstahl und erhielt ihre gestohlene Goldkette wieder zurück. Füllhardt sagt: „Man muss bei fremden Leuten auf Distanz gehen und Körperkontakt möglichst vermeiden. Je näher man die Täter an sich heran lässt, desto größer ist die Gefahr, unbemerkt bestohlen zu werden.“

Klaus-Peter und Monika Müller glauben nicht daran, die wertvolle Kette je zurück zu bekommen. Doch Müller sagt: „Die Leute müssen gewarnt werden, damit diese Gauner keine Chance mehr haben.“

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