Im Netz der Internet-Mafia

Region Rhein-Main - Sarina aus Offenbach war 14 Jahre alt, als sie 2006 in das Netz der Ahnenforschungs-Mafia geriet. Sie war einfach nur neugierig, wollte wissen woher ihre Familie stammt, was der Name bedeutet.

Schnell klickte sie sich durch die Internetseite www.genealogie.de. Alles schien so einfach und vor allem umsonst. Doch jetzt flatterte zum wiederholten Male Post von der Anwaltskanzlei Katja Günther aus München ins Haus. Sie fordert mittlerweile 111,09 Euro von Sarina.

Katja Günther vertritt die Genealogie Ltd. mit Sitz im englischen Reading. Das Unternehmen ist der Meinung, dass es mit Sarina vor knapp zwei Jahren einen rechtsverbindlichen Dienstleistungsvertrag abgeschlossen hat. Als Beweise gelten das Anmeldedatum mit Uhrzeit (8. Oktober 2006 um 15.40 Uhr), die IP-Nummer und eine Rechnung vom 21. November 2006 über 60 Euro. Katja Günther hat nun zwei Mahnungen geschickt, eine am 30. März 2008 und eine am 27. Mai 2008. "Auf die Mahnschreiben habe ich nicht reagiert", sagt Sarinas Vater, der sich im Recht sieht

"Gut so", meint Michael Ridder von der Verbraucherzentrale Hessen. Er und seine Kollegen haben festgestellt, dass es im Internet viele unseriöse Anbieter gibt. Oftmals wissen Internetnutzer gar nicht, dass sie mit dem Klicken auf den Button "Bestätigen" oder "Absenden" einen Vertrag abschließen. Von dem vermeintlichen Vertragsabschluss erfährt der Seitenbesucher erst, wenn eine Rechnung kommt. Wird nicht bezahlt, kommen Schreiben von Rechtsanwälten und Inkassobüros. Viele Verbraucher lassen sich durch solche Drohgebärden einschüchtern und zahlen, weil sie die Kosten für einen Rechtsstreit nicht riskieren wollen. Doch in den meisten Fällen müssen die Rechnungen nicht bezahlt werden, meldet die Verbraucherzentrale.

"Es muss eine ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung gegeben haben, die in Textform zugestellt wurde", sagt Verbraucherschützer Ridder. Denn diese sei das tragende Argument, weshalb ein Vertrag beendet werden kann. Er bezweifelt außerdem, dass wie im Fall von Sarina, eine IP-Adresse aus dem Jahr 2006 als Beweis ausreicht. Ridder rät allen, die Post von zweifelhaften Internetanbietern bekommen: "Cool bleiben und nicht zahlen." Im Zweifel an die Verbraucherzentrale wenden. Weitere Infos im Internet unter www.verbraucher.de. nkö

Kommentare