Neonazis sprechen aus, was viele denken 

Neonazis nutzen Angst vor Salafisten für sich

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Rechtsradikale machen sich öffentlich stark gegen Salafisten und könnten so neue Anhänger gewinnen.

Region Rhein-Main – Alle sind sich einig: Der Salafismus ist eine Gefahr. Doch rechte Gruppierungen nutzen die Angst für sich und schaffen scheinbar das Unglaubliche: Sie gewinnen immer mehr Zuspruch aus der breiten Masse. Von Angelika Pöppel 

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"Feind des Feindes ist kein Freund"

Bärtige Salafisten gegen nackte Glatzen: Vergangenes Wochenende haben sich bei einer Demonstration in Köln Salafisten und Rechstradikale auf offener Straße bekriegt. Viele bekannte Neonazis standen in der Menge und propagierten: „Wir wollen keine Salafisten-Schweine“. So gewalttätig die Reaktion auf die Salafisten-Demonstration auch war, sprechen diese Parolen der breiten Masse aus der Seele – glaubt Demonstrations-Experte und Autor Wolf Wetzel aus Frankfurt: „Neonazis sprechen das aus, was sich viele nicht trauen.“ Denn: Der Kampf gegen Salafismus bekomme von Seiten der Politik und auch der Allgemeinheit breite Zustimmung. Oder anders gesagt: Das Feindbild Salafismus ist gesellschaftlich anerkannt. Und so könnten die rassisitischen Parolen den richtigen Nerv treffen – auch bei Menschen, die sich selbst nicht als rechtsradikal einstufen würden.

In sozialen Netzwerk steigen rechte Parolen

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Viele denken: Wo soll das hinführen, wie weitergehen? Rechtsextreme haben den klaren Leitspruch: „Wir packen es an.“ Und das könne in unsicheren Zeiten Sicherheit geben, sagt Wetzel. Das zeigt auch ein Blick in die sozialen Netzwerke. Dort bekunden plötzlich unverdächtige Nachbarn und Freunde ihre Sympathien für die Schläger.

„Die rechte Anhängerschaft wird deshalb wachsen“, glaubt Wetzel, der aktuell auch ein Buch über die NSU-Morde verfasst hat. Der Salafismus, den der Experte mit Sicherheit nicht schön reden wolle, sei aber nicht der Hauptgrund für den Zuwachs. Denn auch die aktuelle, allgemeine Unsicherheit spiele den Rechtsextremen in die Karten: „Wegen immer mehr Kriegen, auch im Namen der Religion und den zahlreichen Flüchtlingen, die nach Europa kommen, sind die Menschen verunsichert und haben Angst.“

Ein Blick in die Vergangenheit bestätigt seinen Verdacht: Schon in den 90er Jahren machten rassistische Anschläge auf Flüchtlingslager in Rostock Schlagzeilen. An den Ausschreitungen beteiligten sich mehrere hundert teilweise rechtsextreme Randalierer und bis zu 3000 applaudierende Zuschauer, die den Einsatz der Polizei behinderten.

Gewaltbereite Demonstranten schrecken ab

„Extremisten geben in unsicheren Zeiten Antworten und eine klare Ideologie vor“, bestätigt auch Bildungsdezernentin Deborah Krieg vom Anne-Frank-Institut in Frankfurt, auch zuständig für den Bereich Beratungsnetzwerk gegen Rechts. Allerdings weiß sie aus Erfahrung, dass sich eher verunsicherte und auch gewaltbereite Jugendliche von radikalen Gruppierungen faszinieren lassen. „Ob Salafisten oder Neonazis – Radikale geben eine klare Richtung vor, die einigen jungen Menschen fehlt“, sagt Krieg. Andere werden von derartig gewaltbereiten Demonstranten abgeschreckt. Krieg: „Wie sich die Propaganda tatsächlich auswirkt, wird sich noch zeigen.“

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