Nachwuchs reagiert immer öfter mit Depressionen aufs Dauerpauken Jugend wird der  Karriere geopfert

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Zuviel Stoff und Leistungsdruck treiben Schüler in die Depression.

Region Rhein-Main – In Klassenzimmern und Hörsälen der Region herrscht mittlerweile ein Stress, wie auf dem Börsenparkett. Doch Turbo-Abitur und Bachelor-Master-Studiengänge haben gefährliche Nebenwirkungen: Depressionen. Laut Krankenkassen leidet mittlerweile fast jeder dritte Schüler und Student an der heimtückischen Krankheit. Von Christian Reinartz

Leistungsdruck lässt Kinder depressiv werden.

Seit das Turbo-Abitur eingeführt wurde, gehen die Schüler der Region auf dem Zahnfleisch. Erst sind sie am laufenden Band überfordert. Dann überkommt sie eine nicht enden wollende Traurigkeit, die Depression. Und an allem ist der immer stärker werdende Leistungsdruck schuld. „Was da passiert, ist echter Horror“, sagt der Geschäftsführer des Frankfurter Stadtschülerrats, Darius Shafiei: „Und wenn sie die Schule hinter sich haben geht es an der Uni verschärft weiter.“ Seine Beobachtungen werden von aktuellen Erhebungen der Krankenkassen bestätigt. So wird laut DAK fast jeder dritte Schüler von Depressionen geplagt. Schuld seien vermehrter „Schulstress und Leistungsdruck“, heißt es dort. Bei den Studenten sieht es nicht besser aus. Laut Techniker Krankenkasse sei die Lage in Hessen besonders schlimm. Demnach leiden hiesige Studenten häufiger unter Depressionen und müssen häufiger zur therapeutischen Behandlung als gleichaltrige Hochschüler im Bundesdurchschnitt.

Leistungsdruck macht Schüler krank

Das Problem: Immer mehr Stoff muss in immer kürzerer Zeit abgearbeitet werden. Es beginnt in der Schule und geht an der Uni verschärft fort. Diesen Druck halten nicht alle Schüler und Studenten aus und reagieren mit psychischen Problemen. „Mittlerweile ist es so schlimm, dass jede Schule ihren eigenen Psychologen hat“, sagt Shafiei: „Und der wird immer öfter aufgesucht.“ Auch bei den Uni-Seelsorgern quellen die Terminkalender über. Hochschulpfarrerin Ruth Habermann: „Wenn man früher während des Studiums Liebeskummer oder ein privates Problem hatte, konnte man mal eine freie Auszeit nehmen. Aber jetzt wird der Berg dann immer größer.“ Sehr viele Studenten müssten ihr Studium dazu noch finanzieren. Gepaart mit dem permanenten Leistungsdruck ergebe sich eine gefährliche Mischung, die viele Studenten in die Verzweiflung treibe.

Im Ministerium wollen die Verantwortlichen von den Problemen offenbar nichts wissen. Pressesprecher Horst-Günter Herold. „Wir haben keine Erkenntnisse darüber, dass Schüler wegen G8 Depressionen haben“, beteuert Ministeriumssprecher Horst-Günter Herold.

Für Darius Shafiei ist das eine typische Reaktion. „Das Problem ist doch nicht nur der Leistungsdruck, sondern auch die oft schlechte Ausbildung der Lehrer“, argumentiert er. Diese könnten durch pädagogisch versierteres Verhalten Druck von den Schülern nehmen. Aber das wolle niemand hören, sagt Shafiei. Sein Rat an die Regierung lautet: „Schafft G8 einfach wieder ab! Dann müssen auch nicht mehr so viele Kinder und Jugendliche mit Psychopharmaka vollgepumpt werden.“

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