500 Gäste, laute Musik

Nachbarn genervt: Türkische Hochzeiten sorgen für Streit

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Gerald Friedrich kann nicht mehr mit dem eigenen Fahrzeug auf den Hof fahren, wenn im Ela-Hochzeitssaal in Münster gefeiert wird. So wie dort sorgen orientalische Hochzeiten immer wieder für Ärger.
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Münster/Region Rhein-Main – Orientalische Hochzeiten gehen selten leise vonstatten: 500 Gäste, laute Musik und genervte Nachbarn – eine brisante Mischung. Jetzt droht der erste Fall zu eskalieren. Von Christian Reinartz

Es klingt abenteuerlich, wenn Gerald Friedrich von hunderten Autos spricht, die die Zufahrtsstraße zu seinem Messebaubetrieb in Münster-Altheim bei Dieburg zuparken. „Aber es ist die Wahrheit“, sagt Friedrich. Der Mann hat Mühe, seine Wut zu zügeln. „Die feiern hier seit Jahren Wochenende für Wochenende ihre Hochzeiten und machen die Straße unpassierbar.“

Die – das sind im Fall von Münster türkische Hochzeitsgesellschaften. Sie mieten einen mehrgeschossigen grell orange gestrichenen Bürokomplex mit dem Namen „Ela-Veranstaltungssaal“ und feiern dort ihr Fest. Jede Woche ein anderes Brautpaar. Nie dieselben Mieter. „Und genau da ist das Problem“, sagt Friedrich. „Die parken alles zu, schmeißen Windeln, Kippen und Müll in die Gegend und fahren wieder ab.“

Tanzsaal wird mit Stahlstützen abgesichert

Auch um die Sicherheit macht sich Friedrich Sorgen. Im Untergeschoss wird die Decke des Saals mit Baustützen aus Stahl abgestützt. „Sonst würde der Boden wegen der vielen Tänze und der Überfüllung der Räume wahrscheinlich einbrechen“, mutmaßt Friedrich. Genau darauf habe er die Stadt mehrfach hingewiesen. „Aber reagiert haben die nicht.“

Das Vermietungskonstrukt klingt, wenn man Friedrich folgt, durchdacht. Der Besitzer des Gebäudes hat es an türkische Geschäftsleute verpachtet. Die wiederum vermieten es an die Hochzeitsgesellschaften. „Und wenn dann Probleme auftreten, schieben die die Verantwortung auf die Familien der Brautpaare.“

Die Hoffnung, dass die Gemeinde Münster eingreift, hat Gerald Friedrich längst aufgegeben. „Die wissen von all diesen Vorgängen, aber unternehmen rein gar nichts.“ Zwar seien Halteverbotssschilder aufgestellt worden. „Aber die kontrolliert keiner“, sagt Friedrich. „Weil die beim Ordnungsamt am Wochenende grundsätzlich nicht arbeiten, haben die mir als Antwort gegeben.“

Und Friedrichs Eindruck scheint zu stimmen. Von Bürgermeister Gerald Frank (SPD) gab es trotz mehrmaliger Nachfrage kein Statement zu dem Fall.

Vermieterin einsichtig

Als der EXTRA TIPP Vermieterin Selda Yilmaz mit den Vorwürfen konfrontiert, zeigt die sich einsichtig. „Wir wollen niemanden verärgern und ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn.“ Allerdings stellt sie klar: „Der TÜV hat eine Begehung des Gebäudes vorgenommen. Das Gebäude ist für bis zu 500 Personen ausgelegt und für diese Anzahl an Gästen gibt es auch genug Parkplätze auf dem Grundstück. Das entspricht alles den Vorschriften.“ Sie räumt aber auch ein: „Es gibt Situationen, in denen unsere Mieter draußen parken und den Weg verstellen.“ Deswegen setze sie jetzt schon zwei Ordner ein. Diese will sie nun nochmal für die besondere Situation vor Ort sensibilisieren. Zudem sei in den nächsten Monaten eine Renovierung des Gebäudes und des Geländes geplant. In diesem Zusammenhang werde man auch die besondere Parkplatzsituation berücksichtigen.

Der Fall in Münster scheint nur die Spitze zu sein. Überall im Rhein-Main-Gebiet gibt es immer wieder Beschwerden über orientalische Hochzeitsfeiern, die dermaßen ausufern, dass Lärmgrenzen überschritten werden. „Wir haben im Jahr 2015 bisher acht Fälle von Hochzeitsfeiern gehabt, bei denen es Beschwerden gab“, sagt Ralph Rohr, Sprecher des Frankfurter Ordnungsamts. Aber nur einige davon seien eindeutig als orientalische oder türkische Hochzeit klassifiziert worden. Das liege daran, dass die genauen Umstände nicht immer dokumentiert werden.

Auch Frank Weber, stellvertretender Ordnungsamtsleiter in Offenbach, kennt das Problem: „Wir hatten eine Liegenschaft, bei der es immer wieder Beschwerden gab, wenn dort größere Hochzeitsgesellschaften stattfanden.“ Allerdings sei in diesem Jahr bisher nichts vorgefallen.

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Christian Reinartz

Christian Reinartz

E-Mail:christian.reinartz@extratipp.com

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