Nach Spaltdaumen-Drama: Beiß-Bestie immer noch frei!

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Klaus Bourguignons Daumennagel ist zwar nachgewachsen, wird aber nach der Beiß-Attacke zweigeteilt bleiben.

Neu-Isenburg – In einer Explosion des Schmerzes ist Klaus Bourguignons heile Welt kaputt gebissen worden. Weil ein aggressiver Border-Collie seine Hand zerfleischte, muss er jetzt mit einem Spalt-Daumen leben. Der Hund läuft immer noch ohne Maulkorb herum. Bourguignon fordert daher den Hundeführerschein für alle Hundehalter im Rhein-Main-Gebiet. Von Christian Reinartz

Alles beginnt, als Klaus Bourguignon gegen 23 Uhr mit seinem Schäferhund vor die Tür des Hochhauses Am Trieb tritt. Er hört noch, wie ein Hund um die Ecke rennt. Bourguignon stellt sich schützend vor seinen Rüden. Der angreifende Border-Collie springt ihn an, verbeißt sich in seine Hand und zerfleischt den Daumen. Das Blut sprudelt, aber das ist ihm egal. Er befreit sich aus den Fängen der Bestie, die sich daraufhin in seinen Schäferhund verbeißt. „Nur mit Fußtritten hab ich den Hund in die Flucht schlagen können“, erinnert sich der Versicherungsfachmann an die Nacht die sein Leben veränderte. Seitdem ist sein Daumennagel dauerhaft in zwei Hälften geteilt.

Beiß-Bestie noch immer ohne Maulkorb

So sah der Daumen kurz nach der Hunde-Attacke.

Unterdessen läuft die Beiß-Bestie immer noch frei herum. Und das, obwohl Bourguignon den Vorfall dem Isenburger Ordnungsamt gemeldet hat. Das war vor einem Jahr. Einen Maulkorb trägt der Hund bis heute nicht. Stattdessen gehen seine Halter, ein älteres Ehepaar, mit dem Hund weiterhin ungeniert spazieren. Dass derselbe Hund schon zwei weitere Nachbarn angefallen haben soll, bringt im Rathaus offensichtlich niemanden aus der Ruhe. „Das Verfahren ist zur Zeit noch nicht abgeschlossen. Die Sachkundeprüfung des Halters liegt bereits vor, die Wesensprüfung des Hundes erfolgt in Kürze“, erklärt Cornelia Doebel, Pressesprecherin der Stadt Neu-Isenburg. Bis zum Abschluss des Verfahrens darf der gefährliche Hund offenbar weiterhin ohne Maulkorb durch die Stadt laufen.

Bourguignon fordert Schmerzensgeld

Auch, wenn Klaus Bourguignon Strafanzeige gegen den Hundehalter gestellt hat und Schmerzensgeld für seinen Spalt-Daumen fordert, den Schaden an seiner Seele kann keiner bezahlen. „Ich bin seit diesem Angriff sehr ängstlich und gehe nur noch mit Pfefferspray und Klappmesser in der Tasche vor die Tür“, sagt er: „Ich fordere einen Hundeführerschein für alle Hundehalter im Rhein-Main-Gebiet. Sonst wird irgendwann noch ein Kind zerfleischt.

68 Hunde-Attacken in Frankfurt

Solch ein Border-Collie griff Klaus Bourguignon an.

Eine Forderung, die Experten als sinnvoll erachten. Tanja Irnersberger, vom Frankfurter Ordnungsamt hat allein in Frankfurt im vergangenen Jahr 68 Vorfälle verzeichnet. Doch die Dunkelziffer liegt wesentlich höher. „Viele zeigen so etwas gar nicht an, sondern regeln das gleich mit der Versicherung“, so Irnersberger. Deswegen sei eine solche Prüfung wünschenswert und könne die Sicherheit auf den Straßen erhöhen. Sie beurteilt die Beiß-Attacke anders als ihre Isenburger Kollegen: „Bei uns hätte der Hund ganz sicher Leinen- und Maulkorbzwang bekommen.

Hundeführerschein soll Beiß-Attacken verhindern

Auch Bernd Pfeiffer vom Verein für Schutz und Gebrauchshunde im Frankfurter Stadtteil Sossenheim ist sicher: „Wenn ein Border-Collie einen Menschen so zurichtet, dann ist bei der Erziehung etwas extrem schief gelaufen. Aber der Hund ist immer nur so gefährlich, wie das Ende der Leine. Und das könnte man mit der Einführung eines Hundeführerscheins sehr gut kontrollieren.“ Bis dahin vertraut Klaus Bourguignon auf sein Klappmesser.

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