Nach Sozialfahnder-Doku: Ruf der Kreis-Verwaltung ruiniert

Seit die Beiden im Fernsehen ermitteln, ist im Dietzenbacher Kreishaus nichts mehr beim Alten. "Die haben doch unseren kompletten Ruf ruiniert", beschwert sich ein Kreishausmitarbeiter, der lieber anonym bleiben möchte. Viele Mitarbeiter seien aufgebracht.

"Die bekommen da irgendwelche Sonderpremien und unterstehen direkt dem Landrat. Und wir müssen uns Tag für Tag mit den Vorurteilen der Leute rumschlagen, die durch diese Sendung entstanden sind." Diese Leute brauchten sich gar nicht mehr blicken lassen.Kreistagsmitglied Andrea Wacker-Hempel (Grüne) kann den Unmut nachvollziehen: "Die Stimmung im Kreishaus ist seit den Sozialfahndern sehr schlecht", hat die Politikerin bemerkt. Einige Mitarbeiter seien an sie herangetreten und hätten von ihren Problemen berichtet. Wacker-Hempel: "Ich kann das verstehen. Ich würde mich selbst in Grund und Boden schämen, wenn meine Kollegen ein solches Bild in der Öffentlichkeit vermitteln." Sie wirft dem Landrat vor: "Das ist doch alles dieselbe Masche. Er gefällt sich in der Rolle des gnadenlosen und hammerharten Landrats." Das gipfele ins solchen Auswüchsen wie den "Sozialfahndern".Die explosive Mischung scheint nach hinten losgegangen zu sein. Politischer Widerstand regt sich auch in Walters eigenen Reihen. "Diese Darstellung war nicht in Ordnung. Da sind sich alle Parteien im Kreistag einig", sagt CDU-Fraktionschef Oliver Quilling. Er ist sich sicher: "So etwas wird in Zukunft nicht mehr passieren."Doch diese Erkenntnis könnte zu spät kommen. Denn auch weit jenseits seiner Grenzen hat der Landkreis nun traurige Berühmtheit erlangt, wie Martin Behrsing, Sprecher des Erwerbslosen-Forums Deutschland, einer Vereinigung von 13.000 Arbeitslosen mit Sitz in Bonn, berhauptet. Der Kreis Offenbach ist mittlerweile im gesamten Bundesgebiet dafür bekannt, dass er seine Hartz-IV-Empfänger regelrecht aus dem Landkreis mobt." Er höre von Mitgliedern immer wieder, dass Anträge verschleppt und Zahlungen zu spät getätigt werden. Dabei hätten die Leute manchmal nichts mehr zu beißen. Er wirft der Verwaltung vor: "Das hat alles System." Die Sozialfahnder hätten den ohnehin schon schlechten Ruf der Kreisverwaltung deutschlandweit endgültig zerstört, so Behrsing. Helge Hofmeister und Helena Fürst waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Beide seien vorerst krank gemeldet, so Cordula Egenolf, Pressesprecherin des Kreises. Eine Veränderung in der Stimmung ihrer Mitarbeiter habe sie bisher nicht bemerkt.

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