Mutter gepflegt – Vermieter kündigt

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Ulrike Bui aus Frankfurt hält die Kündigung ihrer Wohnung in den Händen.

Frankfurt – Ulrike Bui aus Preungesheim ist verzweifelt: Der Vermieter kündigte ihr fristlos. Die Arbeitslose fürchtet die Obdachlosigkeit, nur weil ihre Unterlagen beim Jobcenter nicht ankamen. Von Angelika Pöppel

„Ich habe so viele Schicksalsschläge hinter mir, dass ist zu viel“, sagt Ulrike Bui aus Frankfurt. Die 47-Jährige kümmert sich schon ihr ganzes Leben lang um ihre kranke Mutter. Mit ihrem Mann baute sie eine eigene Import und Export Firma auf. Nach einem Unfall lag ihr Mann im Koma und das Geschäft ging den Bach herunter. Vor zwei Jahren zog sie dann von Dresden nach Frankfurt, um endlich Arbeit zu finden – bisher war die Suche vergeblich. Und jetzt flatterte auch noch eine fristlose Kündigung in ihren Briefkasten: Schon im Februar muss sie aus ihrer Wohnung raus.

„Als ich die Kündigung bekam, war ich geschockt“, sagt Bui. Das Jobcenter zahlte in den letzten zwei Monaten nur die Hälfte ihrer Miete. Der Vermieter zog die Konsequenz. Sechs Monate nahm Bui ihre pflegebedürftige Mutter bei sich auf. Ihre Mutter und das Jobcenter zahlten jeweils die Hälfte der Miete. Doch auch nach dem Auszug der Mutter im November überwies das Jobcenter weiterhin nur die Hälfte der Miete an den Vermieter – obwohl Bui schon Anfang Dezember das Jobcenter schriftlich informierte. „Ich habe die Unterlagen sogar zweimal geschickt, weil sie nicht angekommen waren“, sagt Bui. Sie meldete ihre Mutter aus der Wohnung ab und auch das Heim schickte ihr eine schriftliche Bestätigung. Als die Miete auch im Januar nicht voll gezahlt wurde, vereinbarte Bui einen Termin. „Mir wurde versichert, dass die Unterlagen an meine Sachbearbeiterin weitergegeben werden“, sagt die 47-Jährige. Doch wieder kamen die Papiere nicht an.

Auf Nachfrage des EXTRA TIPPs bestätigt Iris Nagler vom Jobcenter in Frankfurt, dass die Unterlagen noch immer nicht da seien. „Ich kann nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass bei uns nichts fehlgelaufen ist“, sagt Nagler.

Der Vermieter – der Volks- Bau- und Sparverein Frankfurt – wollte mit der Kündigung das Jobcenter unter Druck setzen, sagt Karin Lenz vom Vorstand gegenüber dem EXTRA TIPP. „Die Mitarbeiter im Jobcenter haben viel zu tun. Eine Kündigung führt häufig dazu, dass der Fall vorrangig behandelt wird“, sagt Lenz. Doch sobald das Jobcenter das Geld nachzahlt, wird auch die Kündigung wieder aufgehoben: „Wir wollen die Leute nicht auf die Straße setzen, wir wollen nur, dass sie bezahlen.“ Das Jobcenter hat jetzt reagiert und einen weiteren Termin mit Ulrike Bui vereinbart. Nachdem endlich alle Unterlagen eingesehen worden sind, steht der Nachzahlung der Miete nichts mehr im Weg und die Frankfurterin ist erleichtert: „Ich wusste einfach nicht mehr weiter und muss mich beim EXTRA TIPP bedanken.“

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