Priestermangel: Katholische Kirche holt Geistliche aus dem Ausland

Multi-Kulti auf der Kanzel

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Pater Gaspar Minja an der Eppsteiner Kirche. Seit knapp zwei Jahren arbeitet der gebürtige Afrikaner im Main-Taunus-Kreis.

Taunus – Die Aussprache mancher Wörter fällt ihm schwer und wenn das Mikro im Gottesdienst nicht richtig funktioniert, verstehen ihn vor allem die Schwerhörigen nicht sehr gut. Darüber haben sich einige auch schon bei dem Eppsteiner Pater Gaspar Minja beschwert. Von Julia Renner

Die Akzeptanz,“ sagt der Hochtaunus-Bezirksdekan Paul Lawatsch, „misst sich daran, wie gut die Priester die deutsche Sprache beherrschen. “.

Deutsch ist eine schwere Sprache, hat der gebürtige Afrikaner Gaspar Minja festgestellt. Gleich nachdem er im Jahr 2000 nach Deutschland kam, hat er einen Sprachkurs besucht. Doch manchmal holpert es noch ein wenig. Seit gut zwei Jahren arbeitet der Pater aus Tansania in der Gemeinde in Eppstein. Und abgesehen von einigen wenigen, die sich über die Aussprache beschwerten, gab es bisher keine Probleme. „Vorurteile habe ich nicht erlebt“, sagt der 52-Jährige. Im Gegenteil: Als er noch keinen gültigen Führerschein hatte, fuhren ihn die Gemeindemitglieder sogar von einem Gottesdienst zum nächsten in den Nachbarorten.

Nach Deutschland war Pater Gaspar gekommen, weil das Bistum Limburg beim Orden Opus Spiritus Sancti angefragt hatte. Denn im Bistum fehlten die Nachwuchs-Priester. Der Orden, der eine Niederlassung in Königstein-Mammolshain hat, schickte daraufhin Gaspar Minja.

Der machte einen Sprachkurs und war zunächst als Kaplan und priesterlicher Mitarbeiter in einigen anderen Städten im Einsatz, bevor er nach Eppstein kam. Für ihn ist die Stadt mittlerweile „ein zweites Zuhause“ geworden. Trotzdem steht fest: In einigen Jahren wird er wieder in seine Heimat gehen.

Nachwuchs fehlt im gesamten Bistum

Seine Stelle in der Burgstadt könnte dann einige Zeit vakant sein, denn der Nachwuchs fehlt noch immer. Im gesamten Bistum, zu dem auch der Hochtaunuskreis, der Main-Taunus-Kreis und Frankfurt gehören, sind 21 ausländische Priester im Einsatz. Darunter allerdings nur ein Pfarrer, sagt Martin Wind, Sprecher des Bistums. Im gesamten Taunus gibt es sogar nur sechs Geistliche, die nicht deutsch sind.

Ob ein Priester aus dem Ausland in den Gemeinden arbeitet, werde auf dem kurzen Dienstweg geklärt, sagt Wind. Bischöfe würden dann ihre Kontakte zu Kollegen in anderen Ländern nutzen. „Allerdings darf das kein Eigenleben entwickeln und zur Bequemlichkeit führen“, sagt Martin Wind. Ausländische Geistliche in deutschen Gemeinden seien nur „zur Überbrückung von Schwierigkeiten“ gedacht. Ziel sei es nicht, dass noch mehr Katholiken aus dem Ausland in deutschen Gemeinden wirken.

Im Bezirk Hochtaunus arbeiten mittlerweile fünf Priester aus Indien und Afrika, sagt Bezirksdekan Paul Lawatsch, während es im Main-Taunus-Kreis nur Gaspar Minja ist. Anfangs sei es durchaus mühsam gewesen, auch im Team, sagt Lawatsch. Das habe nicht nur mit Sprachbarrieren zu tun gehabt, sondern auch mit unterschiedlichen Denkweisen. Während die einen liberaler sind bei der Umsetzung mancher Vorgaben, seien manche andere eben durchaus strenger.

Paul Lawatsch hat selbst schon mit einem polnischen Theologie-Studenten gearbeitet, der ein Praktikum im Hochtaunus machte. Dass der potenzielle Nachwuchs schon während der Studienzeit nach Deutschland kommt, findet der Bezirksdekan gut. So würden sie das Leben hier und die Arbeit der deutschen Pfarrer gleich kennenlernen. „Und es ist ein großer Unterschied, ob die Pastoral hier gelernt wird oder in einem anderen Land“, sagt Paul Lawatsch.

Dass sich manche an Sprachproblemen und einem anderen kulturellen Hintergrund der Priester stoßen, kann sich Paul Lawatsch durchaus vorstellen. Für ihn spielt das aber keine Rolle: „Auch an mir und meinen Macken stoßen sich die Leute“, sagt der Geistliche.

So sieht es in Frankfurt und im Kreis Offenbach aus

Pater Anto Batinic ist einer von 22 ausländischen Priestern im Bistum Mainz. Der Kroate leitet zwei Gemeinden in Frankfurt.

Probleme mit der Sprache kennt auch Pater Anto Batinic. Der Kroate leitet seit acht Jahren zwei Gemeinden in Frankfurt, die Allerheiligste Dreifaltigkeit am Frankfurter Berg und St. Christophorus in Preungesheim. Der damalige Bischof bat Batinic 2004, zu bleiben und die Gemeinden zu übernehmen. Den Grund für diese Bitte kennt der Pater: „Hier fehlen Priester an jeder Ecke“, sagt er. Deshalb blieb er.

Ein Sprachkurs wurde mir nicht angeboten“, erinnert er sich an die Anfangszeit. Einiges lernte er in der Schule in der Heimat, doch vieles brachte er sich schließlich selbst bei – über Bücher, das Fernsehen und in Gesprächen. Und trotzdem: „Sprachliche Probleme gibt es immer, aber nicht so heftig.“ Beschwert habe sich bislang niemand. Insgesamt sind von 60 katholischen Pfarrern in Frankfurt fünf nicht deutsch. Neben Batinic gibt es noch vier Inder in der Mainmetropole, die auch deutsche Gemeinden leiten.

Im Bistum Mainz, zu dem neben Offenbach und Dreieich auch Rodgau, Seligenstadt und Dieburg gehören, sind wesentlich mehr ausländische Geistliche im Einsatz: Insgesamt rund 50. Dass es insgesamt immer weniger Pfarrer und Priester gibt, weiß auch Tobias Blum, Sprecher des Mainzer Bistums. Eine Strategie, um dem entgegen zu wirken, hat das Bistum allerdings nicht, sagt er.

Für die Gemeinden ist vor allem eins wichtig: Die Priester müssen die deutsche Sprache beherrschen. „Als Seelsorger muss das so sein“, sagt Dekan Johannes Schmitt-Helfferich. In seinem Dekanat Rodgau gebe es beispielsweise einen indischen Sommerpfarrer, der seit Jahrzehnten kommt, und einen Slowaken. „Und mit den Gemeinden gab es nie Probleme.“ Beide würden sehr gut deutsch sprechen. Erhard Weilbächer, Dekan von Dieburg, ist trotzdem sicher, dass es in den ersten Wochen ein „Schock für die Gemeinde“ sei, wenn ein ausländischer Geistlicher in der Kirche stehe. „Aber das ist schnell überwunden wenn die Leute sehen, dass es klappt.“ In Reinheim, so sagt er, arbeite seit gut drei Jahren ein indischer Kaplan und es habe nie Probleme gegeben, alles laufe sehr gut.

Pater Anto Batinic aus Frankfurt hat sich an Menschen, Kultur und Arbeitsweise in Deutschland gewöhnt, trotzdem weiß er nicht, ob er den Rest seines Berufslebens hier verbringen wird. Irgendwann wird er zurück nach Kroatien gehen, sagt er. Ob es dann allerdings einen (deutschen) Nachfolger für ihn geben wird, ist fraglich.

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