Naherholungsgebiet in Frankfurt wird zur Mülldeponie

Eckenheimer Natur verkommt zur Müllhalde

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Anwohnerin Karin Gärtner hat schon 20 illegale Ablageplätze auf dem etwa 500 mal 500 Meter großen Areal entdeckt.

Frankfurt – Ein Naherholungsgebiet in Eckenheim wird  als Mülldeponie genutzt. Wer mit seinem Dreck nicht weiß, wohin, lädt ihn offenbar nachts dort ab. Allein 20 Müll- und Schrotthaufen liegen schon auf dem etwa 500 mal 500 Meter großen Areal. Und es werden immer mehr. Von Christian Reinartz

Alte Farbeimer, zerschlagene Asbestplatten, Hausmüllsäcke, Fahrräder und sogar eine verrostete Tiefkühltruhe – „Das ist hier eine einzige Mülldeponie“, sagt Anwohnerin Karin Gärtner. Die 54-Jährige führt täglich ihren Schäferhund auf dem Gelände am Ortsrand von Eckenheim Gassi. Eigentlich ist das Areal malerisch gelegen. „Aber diese Müllhaufen verschandeln hier alles.“ Zudem stellen die Ablagerungen eine ernste Gefahr für Hunde dar. „Meiner hat sich schon öfter an den Pfoten verletzt“, sagt Gärtner. Sie fordert nun: „Der Müll muss ein für allemal weg.“ Doch das ist einfacher gesagt als getan. Denn abtransportiert wurde der Müll schon ein paar Mal. „Aber am nächsten Tag geht das schon wieder von Neuem los.“

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Frankfurts oberster Müll-Sheriff kennt die Ecke. „Es ist sehr schwer, diese Ablagerungen zu verhindern“, sagt Peter Postleb. Denn der Bereich ist nicht leicht einzusehen. Wer seinen Wagen gar durch die Autobahnunterführung durchsteuert, bleibt ganz und gar unentdeckt. Den Weg sperren kann man laut Postleb nicht: „Da gibt es Anlieger und Gartengrundstücke.“ Er selbst beobachtet hin und wieder Lieferwagen, die dort im Feld herumfahren. „Aber von der Autobahn aus, kann man natürlich nichts Genaues erkennen.“

Müll-Gangster warten bis die Luft rein ist

Dafür hat Karin Gärtner schon die Täter bei ihrem dreckigen Geschäft beobachtet. „Die fahren da frech vor und warten in den Autos, bis Spaziergänger außer Sicht sind“, sagt Gärtner. „Einmal hat einer von denen bemerkt, dass ich ihn beobachte“, sagt Gärtner. „Am nächsten Tag war der Müll verschwunden.“

Die Dreistigkeit der Müll-Gangster ist offenbar kaum noch zu überbieten. Für Peter Postleb Grund genug, härtere Saiten aufzuziehen. „Ich werde meine Müll-Ermittler dorthinschicken“, sagt Postleb. „Dann kommt das Zeug auf unseren Seziertisch und wird auseinandergenommen.“ Laut ihm würden die meisten Müllsünder irgendeinen Hinweis im Müll übersehen, der im ersten Moment gar nicht wie ein Hinweis aussehe.

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Darüber hinaus ruft Postleb die Anwohner zur Wachsamkeit auf. „Beobachtungen sollten uns sofort samt Autokennzeichen gemeldet werden.“ Und Postleb hat noch eine weitere mächtige Waffe in der Hinterhand. „Wir setzen vielleicht auch echte Mülldetektive ein, die die Gegend observieren und die Täter bei ihrem Treiben fotografieren.“

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