Generalüberholung will niemand zahlen

Alt und zu billig: Wie lang schippert die Mühlheimer Fähre noch?

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In die Mühlheimer Fähre wird seit Jahren nur wenig investiert. Die Fahrpreise seien viel zu niedrig.

Mühlheim – Fähren im ganzen Land sind immer noch beliebt und rentabel. Nur im Kreis Offenbach schwächeln die schwimmenden Riesen. Betreiber und Fährenverband sehen die Schuld dabei beim Kreis, der Miteigentümer ist. Von Angelika Pöppel

Eigentlich eine einfache Sache: Die Fähre in Mühlheim bietet den schnellsten Weg nach Maintal – über das Wasser. Genau deshalb ist auch der Andrang groß. Doch in diesem Jahr fiel die Fähre bereits rund fünfmal wegen Reparaturen aus. Der 60-jährigen Pächterin Helga Spiegel sind die Hände gebunden. Denn ihr gehören nur Teile des Schiffes. „Eine völlig einzigartige Situation ist das Eigentümerverhältnis der Fähre im Kreis Offenbach“, erklärt Michael Maul, Vorsitzender des Deutschen Fährverbandes. Das Schiff ist Eigentum des Kreises, aber jegliche Umbauten und Anbauten sowie der Motor gehören der Pächterin. „Dadurch gibt es in Mühlheim seit Jahren einen Investitionsstau“, sagt Maul. Denn die Pächterin muss alle Reparaturen selbst zahlen: „Und mit den Einnahmen sind gerademal die Kosten gedeckt.“ Die Fahrpreise seien viel zu niedrig, sagt Maul. „Eine Fahrt als Radfahrer kostet nur 40 Cent, das ist weniger als ein Eisbällchen!“ Dabei sind die Unterhaltskosten enorm hoch.

Generalüberholung würde 100.000 Euro kosten

Und so schippert die Fähre auch nach 53 Jahren ohne große Generalüberholung über den Main. Diese würde bis zu 100.000 Euro kosten, verrät Fahrer Sebastian Krunka. Eine Investitionssumme, die niemand leisten will. Und so sieht die Zukunft der Fähre in Mühlheim trüb aus. „Wenn wir das nicht mehr machen, wird das keiner weiterführen“, ist Spiegel, die selbst die Fähre bedient, überzeugt. Denn die Mitarbeiter haben sehr wenig Urlaub, müssen selbst mit anpacken und werden zum Dank regelmäßig beschimpft. Spiegel: „Wir wollen die Preise ab Oktober ein wenig erhöhen, da rechnen wir mit viel Gegenwind. Die Menschen sind teilweise richtig unverschämt.“

Obwohl der Kreis um die Notwendigkeit der Fähre weiß, beteiligt er sich lediglich an den Kosten für die regelmäßigen Prüfungen. „Generell besteht mangels adäquater Alternative nicht die Absicht, den Fährbetrieb einzustellen“, sagt Pressesprecherin Ursula Luh. Doch der Vertrag läuft 2016 aus. „Ich weiß nicht, ob ich ihn nochmal verlängere“, sagt Spiegel.

In ganz Deutschland sieht die Situation der Fähren völlig anders aus: „In den vergangenen vier bis fünf Jahren wurden viele Stationen neu gebaut“, weiß Maul. Der Bedarf sei ganz klar da.

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