In Offenbach, Frankfurt und im Main-Taunus-Kreis

Kindeswohl in Gefahr! Jugendämter melden mehr Fälle

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Jugendämter der Region verzeichnen mehr Fälle – Nachbarn und Mitmenschen sind heute aufmerksamer.

Region Rhein-Main – Die Jugendämter in Offenbach, Frankfurt und im Main-Taunus-Kreis melden immer mehr Fälle von vernachlässigten oder misshandelten Kindern. Von Angelika Pöppel

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Immer häufiger scheinen Kinder vernachlässigt, körperlich oder psychisch misshandelt, oder Opfer sexueller Gewalt zu werden. Denn die Jugendämter der Region haben immer mehr zu tun. Insgesamt musste 2013 das Jugend- und Sozialamt Frankfurt bei 1719 Fällen 538 Mal eingreifen. 2012 waren es dagegen 233 akute Gefährdungen. Damit ist die Zahl der Fälle um etwa 18 Prozent gestiegen.

„Tendenz steigend“, sagt Ulrike Petry vom Offenbacher Jugendamt. Sie kann zwar keine belegbaren Zahlen vorweisen, aber nach Einschätzung sind auch die Fälle  in Offenbach angestiegen. Gleiches auch im Main-Taunus-Kreis: „Die Meldungen wegen Kindeswohlgefährdungen haben auch nach Beobachtungen unserer Jugendamts-Mitarbeiter zugenommen“, bestätigt Pressesprecher Johannes Latsch. Bundesweit nahm die Zahl der Fälle um zehn Prozent zu. Hauptproblem: Vernachlässigung.

„Vernachlässigung reicht von unangemessener Kleidung bis zu wenig Kommunikation mit dem Kind bis hin zu Knochenbrüchen“, sagt Petry. Die Zahl von psychischen Krankheiten nehme in allen Bevölkerungsschichten zu: „Davor sind auch Eltern nicht geschützt“, sagt Petry. Probleme wie gestiegener Arbeitsdruck und wenig Geld lasten dann auch auf den Schultern der Kinder. Doch wenn das Jugendamt eingreifen müsse, spiele oft die Kombination aus mehreren Problemen die entscheidende Rolle.

Mitmenschen sind aufmerksamer

Ein Grund für die gestiegenen Zahlen sei aber auch die große gesellschaftliche Aufmerksamkeit, die auf Kindern liegt. „Krasse Fälle von misshandelten Kindern, aber auch die Medien haben zu einer Sensibilisierung des Themas beigetragen“, sagt Petry und fügt hinzu: „Alle schauen genauer hin“. Auch Main-Taunus-Kreis-Sprecher Latsch bestätigt: „Manches wird nicht mehr toleriert, was früher toleriert worden wäre. Kurz gesagt: Es passiert nicht mehr als früher, es wird nur mehr als früher gemeldet.“

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Auch Hermann Dorenburg, Leiter des Offenbacher Jugendamts bestätigt, dass die Meldungen hinsichtlich möglicher Kindeswohlgefährdungen zugenommen haben, da Bürger sensibilisiert seien. „Über das tatsächliche Ausmaß von Kindeswohlgefährdungen geben diese Zahlen jedoch keine Auskunft. Sie sind eher ein Indikator für den erhöhten Arbeitsaufwand der Jugendämter“, sagt der Leiter.

Anders im Hochtaunuskreis: Hier sind die Zahlen sogar leicht zurückgegangen, sagt Pressesprecherin Pamela Ruppert. Und fügt hinzu: „Eine Gefährdungsmeldung bedingt nicht zwangsläufig einen Eingriff. Jeder dieser Meldungen wird zwar nachgegangen, aber nicht immer ist es notwendig einzugreifen.“ Mit einem Eingriff ist die Herausnahme des Kindes, dauerhaft oder vorrübergehend, gemeint. Im Jahr 2012 gab es im Hochtaunuskreis 46 Inobhutnahmen und im Jahr 2013 waren es 39. Eine akute Inobhutnahme musste auch das Frankfurt Jugendamt 2013 seltener veranlassen: 173 mal und damit sechs Mal wenig als 2012.

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