Bei Erntehelfern wird stärker auf die Leistung geachtet

Mindestlohn: Gemüse teurer, Konkurrenz wird noch härter

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Ein polnischer Erntehelfer erntet Spargel. Auch er bekommt in diesem Jahr mehr Geld. Doch damit steigt der Leistungsdruck.

Region Rhein-Main – Der Mindestlohn ist bei den Bauern angekommen. Die Spargelernte offenbart: Das Gemüse wird teurer, der Druck auf die Erntehelfer wächst und das deutsche Gemüse muss sich im Supermarkt neu beweisen. Experten sind sich einig: Der Spargel ist erst der Anfang. Von Axel Grysczyk

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Das deutsche Gemüse kriegt die Krise. Der Beginn der Spargelsaison offenbart durch den Mindestlohn neue Probleme für die Bauern. Es geht um Qualität, Geld und bei manchen Bauern um die Existenz. Mit 150.000 Euro Mehrkosten rechnet Spargelbauer Rolf Meinhardt. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen rechnet vor:
Für einen Hektar Spargelfläche muss er zur Bearbeitung 1500 Stunden aufwänden, der Stundenlohn ist von zirka 6,40 Euro im Vorjahr auf 7,40 Euro gestiegen. Das macht zirka 1500 Euro mehr, die er zahlen muss. Da er 100 Hektar unter seinen Fittichen hat, kommt er auf 150.000 Euro. In den Folgejahren soll der Stundenlohn dann weiter über 8,10 auf 8,50 Euro steigen. Meinhardt: „Der Spargel wird teurer werden und einige Betriebe werden in Zukunft zu kämpfen haben.“

Es soll noch effizienter geerntet werden

Der Spargel-Fachmann prophezeit, dass die Anbaumethodik weiter überarbeitet, das Erntesystem noch effizienter gestaltet wird und noch mehr Leistungsanreize bei den Spargelstechern gesetzt werden. Meinhardt: „Auch wenn’s bitter ist: Wer nicht genug sticht, wird aussortiert. Es wird knallhart nur noch nach Leistung gezahlt. Klar ist aber: Auch das hat Grenzen.“

Eine Entwicklung, die auch Willi Billau, Vorsitzender des südhessischen Regionalbauernverbandes Starkenburgring, bestätigt. „Wir haben hier Leute, die sind schon 25, 30 Jahre für uns tätig. Denen müsste ich dann sagen, ihr seid zu langsam.“

Sorge um die Vielfalt

Doch nicht nur, dass der Leistungsdruck zunimmt, in deutschen Supermärkten könnte es auch demnächst zu einem Qualitäts-Gerangel kommen. Meinhardt: „Wir hatten es durch einen angemessenen Preis und vor allem eine überzeugende Qualität geschafft, dass der ausländische Spargel in deutschen Supermärkten weniger vertreten war. Jetzt steigen unsere Preise und daher könnte sich das ändern.“ Nun entscheide der Kunde. „Jetzt wird sich zeigen, ob die Kunden dem jetzt teuren deutschen Spargel die Stange halten.“ Billau sieht eine weitere Herausforderung.

„Die Franzosen haben den Mindestlohn schon seit 15 Jahren. Damals war das Elsass der Gemüsegarten Frankreichs, jetzt gibt es dort immer weniger Sonderkulturen. Der Mix wird geringer, der Einheitsbrei regiert, weil viele Betriebe aufgegeben haben.“

Probleme werden sich bei anderen Gemüsesorten fortsetzen

Für viele Bauern in Südhessen steht fest: Die jetzigen Probleme beim Spargel sind erst der Anfang. Sie werden sich im weiteren Verlauf des Jahres bei den anderen Gemüsearten fortsetzen, beispielsweise beim Salat. Der profitable Gemüseanbau wird generell schwieriger, viele Betriebe werden ums Überleben kämpfen müssen.

Billau bleibt aber optimistisch: „Es wird schwieriger, aber trotzdem bin ich davon überzeugt, dass wir gute Betriebe haben. Die sind für die Zukunft aufgestellt und werden die Herausforderungen meistern.“

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