Milchpreis ist das reinste Glücksspiel

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Wolfram Meyer bei seinen Kühen im Stall.

Kronberg – „Das ist eine Katastrophe“, kommentiert Wolfram Meyer die Meldung, dass es den großen Handelskonzernen in einem Ausschreibungsverfahren unter Molkereien gelungen ist, den Milchpreis um vier bis 4,5 Cent zu senken. Der Kronberger Milchbauer befürchtet sogar ein weiteres Fallen der Preise. Von Norman Körtge

Schon in den vergangenen Monaten ist der Preis, den Meyer und das von ihm bewirtschaftete Kronberger Hofgut Hohenwald von der Molkerei bekommt, kontinuierlich gesunken. Zirka 31,5 Cent bekam er zuletzt. Dabei war der Milchpreis nach dem Tiefststand 2009 – wo er bei knapp über 20 Cent lag – wieder auf über 40 Cent gestiegen. Mit dem jetzt angekündigten weiteren Preissturz wäre die Milchproduktion in Kronberg wieder nur ein Nullsummenspiel. An Gewinn ist nicht zu denken. Produziert wird nur, um die Kosten zu decken.

Wolfram Meyer gönnt sich ein Glas von seiner eigenen Milch.

„Diese extremen Preisschwankungen machen das Geschäft unkalkulierbar. Das ist wie reinstes Glücksspiel in einer Spielbank“, berichtet Meyer über die Unwägbarkeiten. Das Ganze werde noch dadurch verschärft, dass Landwirte wie er nicht so kurzfristig handeln können wie es etwa an den Börsen mit den Spekulationen mit Lebensmitteln passiert. „Wir rechnen in Generationen“, macht der 62-Jährige deutlich. Seine 100 Milchkühe produzieren im Jahr etwa 600.000 Liter Milch. Etwa fünf Prozent davon kann er im Direktvertrieb über den Hofladen oder zum Beispiel über die sogenannten Landmärkte in einigen Rewe-Filialen in der Region verkaufen. Der Großteil geht in die Molkerei nach Bad Schwalbach. 41 oder 42 Cent pro Liter von der Molkerei – das wäre nach Meinung von Wolfram Meyer ein wirklich fairer Preis.

Doch daran glaubt der Kronberger angesichts des Preisdiktats der Discounter nicht. Deshalb versucht er es auch mit Verbraucher-Aufklärung. Es sei ja nicht so, dass man einfach eine Kuh kaufe, sie in den Stall stelle und diese dann lebenslang Milch produziere. Vielmehr müssen eine Kühe erst einmal zirka 2,5 Jahre aufgezogen und dann besamt werden, damit sie kalbt. „Denn erst dann gibt sie Milch“, erzählt Meyer von dem natürlichen Prozess, der vielen beim Griff zur Milchpackung im Kühlregal aber gar nicht mehr bewusst ist. Hinzu kommen stetig steigende Kosten für Futtermittel und nicht zuletzt machen Vorschriften und Auflagen ihm das Leben schwer. Lohnender als die Milchproduktion sei auf jeden Fall das Ei-Geschäft, sagt Meyer. „Da ist der Verbraucher sensibilisiert worden“, meint der Landwirt. Zirka 7000 Eier legen seine 8000 in Bodenhaltung lebenden Hühner pro Tag. Als bestes Verkaufsargument gilt hier die Frische: Morgens gelegt und teilweise schon nachmittags auf der Landmarkt-Verkaufsfläche.

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