Migranten schlagen doppelt so häufig zu

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Fälle von häuslicher Gewalt kommen im Main-Taunus-Kreis immer öfter vor.

Taunus – Häusliche Gewalt nimmt im Main-Taunus Kreis immer mehr zu. Auch unter Migranten. Deshalb kümmert sich ab sofort ein Konfliktberater um diese Zielgruppe. Von Dirk Beutel

Solange es geht schlucken sie ihren Schmerz runter und ertragen die Demütigung, die sie von einem einst geliebten Menschen spüren mussten: Opfer von häuslicher Gewalt. Wo man sonst Geborgenheit findet, herrscht Angst – und das in immer mehr Haushalten. Da macht auch der Main-Taunus Kreis keine Ausnahme: Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei 293 Fälle, das sind 78 mehr als im Vorjahr. Eine Steigerung um 36,3 Prozent. Auch unter Migranten. „Setzt man alle Zahlen ins Verhältnis, kommt häusliche Gewalt bei Migranten doppelt so häufig vor wie in deutschen Familien“, sagt Marion Friedrich-Metzler vom Büro für Familie, Frauen und Gleichberechtigung.

Sozialarbeiter und Konfliktberater Haluk Kaya will sich künftig um gewalttätige Migranten kümmern.

Etwa ein Drittel der 292 Frauen, die im Frauenhaus aufgenommen wurden, waren Migrantinnen. Die Kreisbeigeordnete Ingrid Haase betont: „Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Das ist nur die Spitze des Eisbergs.“ Der traurige Höhepunkt: Als eine Türkin im November in Hofheim mit 18 Messerstichen schwer verletzt wurde. Von ihrem Mann und vor den Augen der beiden Kinder.Haluk Kaya kennt die Familie und deren Problem: „Für eine Familienzusammenführung war der Mann nach Hofheim gekommen.“ Gerade in solchen Situationen stecke enormes Gewaltpotenzial, weiß der 50-jährige Diplom-Sozialarbeiter und Konfliktberater. Die Eheleute seien unterschiedlich sozialisiert und kennen sich oft nicht richtig. Die Folge: Es kommt zu Konflikten und Gewalt. Gewalt, die etwa Frauen oftmals still und demütig ertragen. Aus Angst vor den Behörden, wie Kaya weiß: „Wenn die Frau sich irgendwo meldet und Hilfe sucht, droht ihr die Gefahr der Abschiebung. Erst nach drei Jahren der Zusammenführung bekommt sie eine Aufenthaltsgenehmigung.“

Haluk Kaya ist ein idealer Ansprechpartner für die Betroffenen. Er spricht neben deutsch auch türkisch und arabisch und kennt die kulturellen Hintergründe. Im Auftrag des Landkreises bietet er ab sofort eine Beratung für gewalttätige ausländische Männer an. Kostenlos und anonym. Erstmal nur einmal im Monat, für zwei Stunden. Ein Probelauf sozusagen, um festzustellen, wie das Angebot angenommen werde.

Kayas Konzept zielt deshalb zunächst auf Prävention. Ehrenamtlich will er in Moscheen, Kaffeehäusern, Geschäften, Dönerläden und Vereinen auf sich und die neue Beratungsmöglichkeit aufmerksam machen. Auch zu den Ausländerbeiräten will er Kontakt aufnehmen. Er weiß, dass sich so ein neues Angebot schnell herumsprechen wird. Wenn sich die Nachfrage tatsächlich im Laufe der Zeit steigern würde, sei es laut Ingrid Haase kein Problem, das Angebot zu erweitern.

Die erste Sprechstunde mit Haluk Kaya findet im Landratsamt am Donnerstag, 24. Mai, von 16 bis 18 Uhr statt. Hierfür ist eine Anmeldung unter Telefon (0172) 8273154 nötig.

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