Mietnomaden: Jetzt treiben sie als Ladenbesitzer ihr Unwesen

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Die meisten Schäden hat er schon beseitigt: Georg Knöpfel zeigt auf einen der großen Rostflecke, den die Mietnomaden in seinem vermieteten Laden hinterlassen haben.

Neu-Isenburg – Mietnomaden sind leider ein gewohntes Übel der Gesellschaft geworden. Bisher bereitete diese Spezies nur Vermietern von Wohnungen Probleme. Georg Knöpfel machte eine leidvolle Bekanntschaft mit der Evolution dieser Gattung – den gewerblichen Mietnomaden. Von Andreas Einbock

Bisher dachte Georg Knöpfel, als Vermieter von drei Häusern mit insgesamt 180 Mietern schon alles gesehen zu haben. Doch die Frechheit der Mieter, denen er seinen 40-Quadratmeter-Laden in der Friedhofstraße 13 vermietet, macht ihn wütend. „Solche Leute gehören in den Knast“, sagt der Inhaber des Reifengeschäfts, das er direkt daneben betreibt.

Im November 2007 schloss der 58-Jährige einen Mietvertrag für eine Reinigungsannahme ab. Ein Jahr lief alles ruhig. Dann stockten die Mietzahlungen. Stattdessen flatterte Knöpfel eine Mängelanzeige auf den Tisch. Den Laden hatten die Mieter inzwischen zur Wäscherei umgebaut.

Ohne Knöpfels Zustimmung wurden Waschmaschinen und Dampfbügelstationen betrieben sowie verbotenerweise ein Starkstromkabel und ein Wasserschlauch verlegt. „Die hatten tatsächlich die Frechheit, einen Mietmangel anzuzeigen, als denen wegen der Feuchtigkeit die Decke fast auf den Kopf fiel“, sagt Knöpfel. Sein Widerspruch verhallte. Stattdessen bekam er keine Miete mehr.

Anfang Februar kündigte Knöpfel den Mietern fristlos. Die weigerten sich auszuziehen und bedienten ihre Kunden weiter ohne eine Gewerbezulassung zu haben. Weder im Handelsregister noch bei der Handwerkskammer oder dem Gewerbeamt war das Geschäft registriert.

Selbst der Anwalt konnte nicht helfen

Als Knöpfel herausfand, dass der Mann der Mieterin, der in der Wäscherei arbeitete, vorbestraft sei und beide Hartz-IV-Leistungen beziehen würden, suchte er mit einem Anwalt Unterstützung beim Kreis Offenbach. Vergeblich. Selbst eine Dienstaufsichtsbeschwerde blieb bis heute unbeantwortet. „Nicht eine Rückmeldung, keinen einzigen Anruf habe ich vom Amt bekommen“, bringt Knöpfel seinen Unmut zum Ausdruck.

Ralf Geratz-Krambs, Pressesprecher vom Kreis Offenbach kann den Frust nachvollziehen, verweist aber auf den Datenschutz und die Gesetzeslage: „Das Mietverhältnis eines Geschäfts hängt nicht mit einem möglichen Leistungsbezug für eine Wohnung zusammen. Dennoch sind wir in diesem Fall bereits aktiv geworden.

Mitte Mai hatte der Spuk der Mietnomaden ein Ende. In einer Nacht- und Nebelaktion verschwanden Knöpfels Mietpreller. Zurück blieben ein verdreckter Laden, defekte Lampen, kaputte Steckdosen und 10.000 Euro Schulden. Aufwändig lässt Georg Knöpfel derzeit die Geschäftsräume renovieren und hofft, bald neue, zuverlässige Mieter zu finden.

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