Zu kleine Wohnung für zu viele Mieter?

Mieter in der Frankfurter Hafenstraße prangern Überbelegung an

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Blick aus dem Hinterhof: Das Mietshaus in der Hafenstraße 27 im Frankfurter Gutleutviertel.

Frankfurt  - Hinter der Fassade bröckelt es in der Hafenstraße 27: Das Mietshaus  ist nicht nur an vielen Stellen sanierungsbedürftig, Mieter prangern Überbelegung einzelner Wohnungen an. Angeblich leben hier Bauarbeiter aus Osteuropa in zu kleinen Wohnungen. Von Angelika Pöppel

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Die Fassade des Mietshauses in der Hafenstraße 27 in Frankfurt wirkt recht gepflegt. Doch schon der Gang durch das Treppenhaus zum Hinterhaus verrät: Hier wurde lange nichts mehr gemacht. Überall bröckelt die Farbe und der Putz. Doch ein Blick auf die Briefkästen lässt noch viel mehr erahnen: An einem sind gleich acht Namen aufgeklebt, auf einem anderen sind es fünf – alle Namen klingen osteuropäisch.
Für Mieter Harald Schuhmann (Name geändert) ein klarer Beweis dafür, dass diese Wohnungen überbelegt sind. Außerdem vermutet der Rentner, dass es sich bei den Bewohnern um Bauarbeiter handelt. Sobald eine Wohnung frei werde, werde sie mehrfach belegt, hat der 70-Jährige beobachtet. Erst vor einem Jahr zog eine junge Studentin aus – jetzt leben, so vermutet er, sechs Bauarbeiter in der kleinen Wohnung im Hinterhaus. „Nachdem die Wohnung renoviert wurde, habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen, dass sechs Matratzen auf dem Boden lagen“, sagt er.

Eigentümer weist Vorwürfe von sich

Acht Namen (unkenntlich gemacht) sind am Briefkasten angebracht.

Dabei handelt es sich bei der Wohnung um zwei Zimmer mit nur 30 Quadratmetern. Der Eigentümer weist die Vorwürfe komplett von sich: „Wir bewegen uns zu 100 Prozent im rechtlichen Rahmen und haben definitiv keine Überbelegung“, sagt er.
Er gebe zwar zu, dass die Fassade und andere Teile des Hauses erneuert werden müssen, dafür fehle derezeit aber das Geld. „In dem Haus wohnen teilweise Mieter seit bis zu 60 Jahren, und sie zahlen eine sehr geringe Miete“. Das Vorderhaus sei erst saniert worden sowie einzelne Wohnungen. „Solange sie drin wohnen, kann ich nicht viel machen“, sagt der Eigentümer. Bei der Stadt ist das generelle Problem der Überbelegung und auch der gewerblichen Nutzung ein Dauerbrenner, bestätigt Marc Gellert vom Planungsamt. Beides ist verboten und wird hart bestraft. Denn die zeitweise Vermietung von Wohnungen an Bauunternehmen, die ihre Arbeiter aus Osteuropa in kleine Wohnungen zusammenpferchen, ist günstiger. Und lukrativ für den Vermieter.

Planungsamt rät zur Anzeige

Gesetzlich stehen jedem Bewohner neun Quadratmeter Wohnfläche zu – Küche und Bad abgezogen. Gellert vom Planungsamt rät den Mietern im Gutleutviertel  zur Anzeige: „Die Mieter müssen ihre Vermutungen schriftlich an das Amt für Wohnungswesen  schicken“. Für den Vermieter bleibt diese Anzeige anonym. Im Fall der Überbelegung können sich die Ermittlungen allerdings in die Länge ziehen. „Am schwierigsten ist es dabei den wirklichen Verantwortlichen ausfindig zu machen“, erklärt Gellert. Es habe schon Fälle gegeben, die erst nach zwei Jahren überhaupt vor Gericht landeten. Ein weiterer Grund dafür: Das Personal reicht für die zahlreichen Fälle nicht mehr aus. Dennoch müsse gegen das skrupellose Geschäft vorgegangen werden. „Da werden meistens Menschen aus Osteuropa  ausgenutzt, die eh schon nichts haben und die leider auch oft ihre Rechte nicht kennen“, sagt Gellert.

Viele Fälle bleiben unentdeckt

Aus Angst bleiben aber auch viele Verstöße unentdeckt. Auch Harald Schuhmann will keine Probleme mit der Hausverwaltung und trotz der wirdrigen Umstände bleiben. „Ich wohne hier seit knapp 40 Jahren und einen Umzug kann ich mir einfach nicht leisten.“ Genauso geht es den anderen wenigen Mietern, die überhaupt noch in den veralteten Wohnungen leben. Weil sie keine Alternative haben, ertragen sie die Situation: Die Stufen des Treppenhauses im Hinterhaus sind abgetreten, die Fenster sind nur einfach verglast, Schimmel  kommt teilweise durch die dünnen Wände. In das komplette Haus im Gutleutviertel  scheint kaum noch Geld gesteckt zu werden. Schuhmann: „Vor 20 Jahren wurde mal das Treppenhaus renoviert, danach ist nie wieder irgendetwas gemacht worden."

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