Mies: Hausbesitzer dreht ihnen den Hahn ab

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Sitzen seit mehr als vier Wochen auf dem Trockenen: Dzezair Halimi zusammen mit seiner Tochter und seiner Frau.

Offenbach – Seit mehr als vier Wochen ohne fließend Wasser – so lebt Familie Halimi in der Hospitalstraße 12 in Offenbach. Sie sind die Opfer eines offensichtlich in die Länge gezogenen und nach wie vor nicht abgeschlossenen Eigentümerwechsels. Von Norman Körtge

Ein Haushalt ohne fließend Wasser – und das mitten in der Offenbacher Innenstadt. Kaum zu glauben, aber für Familie Halimi in der Hospitalstraße 12 ist Wasser seit vier Wochen zu einem knappen Gut geworden. In gekauften Flaschen oder in Kanistern transportieren die vier Familienmitglieder das Wasser zum Kochen und Waschen in den dritten Stock. Duschen können Dzezair Halimi, seine Frau und seine beiden Kinder nur noch bei seinem Vater Jamin Halimi, der selbst jahrelang in der Hospitalstraße 12 wohnte, bevor er der Familie Platz machte und in die Luisenstraße zog.

Keine Kündigung erhalten

Dass die Familie seit Wochen auf dem Trockenen sitzt, liegt daran, dass das ansonsten leer stehende Wohnhaus komplett saniert wird und in dabei auch die Wasserleitungen entfernt worden sind. „Es wurde weder eine ordentliche Kündigung ausgesprochen, noch gab es eine Ankündigung, dass die Wasserleitungen entfernt werden“, sagt Jamin Halimi, der den Offenbacher Anwalt Klaus Weyer eingeschaltet hat.

„In diesem Ausmaß habe ich so etwas noch nicht erlebt“, sagt Weyer. Das große Problem an dem Fall sei, dass es offensichtlich einen Eigentümerwechsel geben hat, der aber noch nicht ins Grundbuch eingetragen worden ist. So sind noch zwei Frankfurter als Besitzer angegeben. Eine gegen diese beiden Männer vor dem Amtsgericht erwirkte einstweillige Verfügung, die Wasserversorgung wieder herzustellen, blieb bislang ohne Erfolg.

Wasserleitung fehlt

Blick vom Innenhof auf das Haus in der Hospitalstraße.

Ob es damit zu erklären ist, dass diese das Anwesen bereits an einen Bad Sodener verkauft haben und sich deshalb nicht mehr kümmern, ist zwar reine Spekulation. Doch Fakt ist, dass der Bad Sodener bereits kräftig mitmischt. Er ließ über seinen Frankfurter Anwalt Ingo Ley der Familie Halimi bereits Anfang September mitteilen, dass, wenn sie die Wohnung bis 15. September räumen, er ihnen 20.000 Euro bezahlen wird. Hintergrund ist, dass das Haus umfassend saniert werde und dies zu erheblich höheren Mieten führe. „Wie sollten wir denn innerhalb weniger Tage eine neue Wohnung finden“, fragt Jamin Halimi.

Dass trotz des Angebotes seines Mandanten dieser für die fehlende Wasserzufuhr zuständig ist, bestreitet Ley. Das sind die nach wie vor im Grundbuch eingetragenen Frankfurter. Wenn sein Mandant der Eigentümer bereits wäre, würde er sich selbstverständlich um die Mieter kümmern. Ob sich der Bad Sodener wirklich so einfach aus der Affäre ziehen kann, prüft derzeit noch Rechtsanwalt Weyer.

Für Familie Halimi ist klar, dass sie aus ihrer günstigen 80-Quadratmeter-Wohnung herausgeekelt werden sollen. Bleiben will die Familie dort auch gar nicht mehr, in der sie 35 Jahre eine Heimat hatte. Sie ist auf der Suche nach einer neuen Wohnung. Aber sie wollen diese schreiende Ungerechtigkeit öffentlich machen. „So darf man doch nicht mit Menschen umgehen“, sagt Jamin Halimi.

Der EXTRA TIPP wird die Sache weiter verfolgen.

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