Kabelklauer stehen vor allem auf Kupfer

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Nur Kupfer ist das Wahre: Metalldiebe wissen genau, wo sie fündig werden. Foto: dapd

Region Rhein-Main - Sie tauchen urplötzlich auf und verschwinden wieder, wie die Tautropfen am Morgen: Metalldiebe. Weil sich Preis und Nachfrage für Kupfer, Aluminium, Zink und Co. weiterhin auf hohem Niveau befinden, schrecken die Gauner vor nichts zurück, um an die wertvolle Ware zu kommen. Von Dirk Beutel

Sie klauen Wasserleitungen aus leer stehenden Häusern, plündern Grabmäler auf Friedhöfen, demontieren Oberleitungen oder reißen sich gleich ganze Kabelrollen unter den Nagel: Metalldiebe überziehen mit ihren Raubzügen das Land, weil sie an das wertvolle Kupfer gelangen wollen. „Eine Tonne davon kostet etwa 8000 Dollar“, sagt Ralf Schmitz, Geschäftsführer im Verband Deutscher Metallhändler (VDM). Das Problem sei zwar nicht neu, allerdings habe sich die Zahl der Diebstähle in den vergangenen sechs Jahren extrem erhöht. Aber: Wo setzen die Diebe ihre Ware ab? „Das ist eine Frage der Menge. Bei ein paar Kilo Schrott fragt kein Händler um die Ecke nach, woher das stammt“, sagt Schmitz. Auch mehrere Tonnen Diebesgut können nur schwer in Deutschland zu Geld gemacht werden. Grund: Etwa 90 Prozent der deutschen „Nicht-Eisen-Metall-Unternehmen“ sind im VDM organisiert und damit an ein internes Warnsystem angeschlossen. Ein Rundschreibendienst warnt vor den Kabelklauern. Trotzdem sind auch im Rhein-Main-Gebiet vor allem Diebe aus Osteuropa tätig. „Wir verzeichnen zwar immer wieder solche Straftaten. Sie sind aber recht selten“, sagt Henry Faltin, Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen. Weil die Metalldiebe ohne ein erkennbares Muster zuschlagen, fehlt der Polizei oftmals ein Fahndungsansatz.

Polizei ist auf aufmerksame Bürger angewiesen

Vor allem dank aufmerksamer Bürger, kann die Polizei die Langfinger aber immer öfter schnappen: Wie im Taunus am 8. März: In Hofheim-Langenhain wurden vier Rumänen festgenommen, die gerade vier Metallgitterboxen im Wert von etwa 200 Euro klauen wollten. Doch meist können die Diebe ungestört plündern und unbemerkt verschwinden: Wie die Einbrecher bei der Selbsthilfe im Taunus (SiT) in Hattersheim. Unbekannte stahlen von dort 20 Metallgitterboxen, dazu noch und etwa 800 Kilo Bleigelbatterien. Das Diebesgut hat laut Polizei einen Gesamtwert von etwa 3400 Euro. Gelohnt hat sich auch der Diebstahl auf einer Baustelle in Kelkheim Ende Februar: Die Gauner stahlen drei jeweils 50 Meter lange Verlängerungskabel. Beutewert über 1100 Euro. Oder wie die Einbrecher einer Firma in Dreieich. Die Gauner stahlen etwa 600 Kilo Kupferkabelstücke sowie zirka 400 Kilo Messing-Armaturen. Wert: Mehrere tausend Euro.

Besonders dreist waren Metalldiebe Ende Februar in Offenbach: Auf einem städtischen Areal in der Nähe des Kaiserleis entleerten die Täter etwa 30 Feuerlöscher, um an die Steigrohre zu gelangen. Diese bestehen zum Teil aus Kupfer. Auch die Verschlüsse, große Messingmuttern, dürften von Interesse gewesen sein. Weil es sich nicht gerade um leichte Beute handelt, brauchen die Täter zum Abtransport einen Lkw oder zumindest einen Kleintransporter. „Wer also nachts Unbekannte auf einer Baustelle, in einem leeren Haus oder auf Bahngleisen antrifft, sollte etwas genauer hinschauen oder gleich die Polizei rufen“, sagt Manfred Füllhardt, Sprecher der Polizei Frankfurt. Vor allem, wenn in der Nähe ein Fahrzeug mit Ausfuhr- oder Kurzzeitkennzeichen steht.

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