Rentnerin vermutet kriminellen Akt

Wurde in Oberursel ein Ginkgo-Baum mit Chemie zerstört?

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Rentnerin Inge Nolte mit einem Bild ihres Ginkgos, als er ein Jahr alt war. Hinter ihr zu sehen: Der traurige Ist-Zustand des Baumes vor ihrem Wohnhaus, in dem sie den Naturschänder vermutet. 
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Oberursel – Für Inge Nolte aus Oberursel bricht eine Welt zusammen. Ihr zwölf Jahre liebevoll gezüchteter Gingkobaum bekam innerhalb von zwei Tagen plötzlich braune Blätter. Sie vermutet: Das war ein krimineller Akt! Von Oliver Haas

Rentnerin Inge Nolte mit einem Bild ihres Ginkgos, als er ein Jahr alt war. Hinter ihr zu sehen: Der traurige Ist-Zustand des Baumes vor ihrem Wohnhaus, in dem sie den Naturschänder vermutet. 

Sie kann ihre Tränen kaum unterdrücken, wenn sie davon spricht. Vor dem Hochhaus ihres Apartments in der Danziger Straße in Oberursel pflanzte Rentnerin Inge Nolte einen Ginkgo-Baum an den Fahrrad- und Fußgängerweg. Zwölf Jahre kümmerte sich die 75-jährige Rentnerin fast täglich um das exotische Bäumchen. Trug unzählige Male die schwere Gießkanne aus dem vierten Stock herunter. Der Gingko wuchs bis zu einer Größe von zweieinhalb Metern mit dichtem Blätterkleid. Im Juni dieses Jahres kam dann der Schock: Quasi über Nacht bekamen die Blätter einen braunen Rand und ein Tag später war vom einst saftigen Grün des chinesischen Baumes nichts mehr zu sehen. Nolte ist überzeugt: „Das war ein krimineller Akt! Der Baum ist mit Sicherheit nicht eines natürlichen Todes gestorben. Mir wurde damit großer Schmerz angetan. Der Baum gehörte zu meiner Familie.“

Expertin: Braune Blätter nach zwei Tagen nicht normal

Der EXTRA TIPP fragt in der Tropica Raritätengärtnerei in Kriftel nach. Diplom-Landschaftgärtnerin Karin Langendorf runzelt die Stirn beim Anblick der braunen, toten Ginkgo-Blätter: „Es ist ungewöhnlich. Die Blätter fühlen sich sehr ledrig an. Wenn sie durch die Trockenheit ausgetrocknet wären, dann würden sie mehr zerbrechen.“ Außerdem sei es nicht normal, dass nach zwei Tagen das Grün der Blätter verschwindet. Der Austrocknungsprozess würde länger dauern. Trotzdem will die Expertin nicht definitiv sagen, dass der Baum mit Chemikalien vernichtet wurde. „Manchmal tritt so etwas auch durch falsches Düngen oder Bewässern ein.“

Für Rentnerin Nolte steht indes fest, dass jemand aus ihrer Nachbarschaft im Hochhaus ihr eins auswischen wollte. Sie hängte einen Zettel an den Baum mit dem Spruch: „Mein Freund der Baum ist tot, er fiel nicht im Morgenrot, er wurde heimlich in der Nacht hinterhältig totgemacht, wohl mit der chemischen Keule. So einer hat am Ei ‘ne Beule!“ Am nächsten Tag fand sie den Zettel zerrissen auf dem Boden. Nolte ist sicher: „Das war der Täter!“ Sie habe zwar jemanden in Verdacht, aber ohne Beweise könne sie den Namen nicht sagen. Sauer ist sie auf die Stadt. Mit dem Baum habe sie für eine Aufwertung gesorgt. „Als ich den Fall schilderte, hat man sich gar nicht dafür interessiert.“ In der Nachbarschaft scheint sie auf Verständnis zu stoßen. Am Altkleider-Container vor dem Baum stehen auf Zetteln Sprüche wie: „Fassungslos steht man vor dem ruinierten, ermordeten Bäumchen“ und es ist zu lesen vom „perversen Naturschänder“.

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Oliver Haas

Oliver Haas

E-Mail:oliver.haas@extratipp.com

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