Jede Hure hat mittlerweile ihren Aufpasser

Mehr Zuhälter am Straßenstrich - Stadt Frankfurt schweigt

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Auch im Winter nur knapp bekleidet, weil die Zuhälter Druck machen. Den widrigen Zustände auf dem Frankfurter Straßenstrich an der Messe und in den Bordellen hat der Verein FIM den Kampf angesagt.

Frankfurt – Die Zeiten der Zuhälter sind vorbei? Von wegen. Am Frankfurter Straßenstrich boomt das Geschäft. Jede Hure hat dort mittlerweile ihren Aufpasser. Die Streetworker schlagen Alarm, doch die Stadt scheint sich mit dem Thema lieber nicht abgeben zu wollen. Von Christian Reinartz

Es sind grauenvolle Zustände, die auf dem Straßenstrich an der Theodor-Heuss-Allee in Frankfurt herrschen. Dort sind nach Einbruch der Dunkelheit Prostituierte anzutreffen. Sie warten in Haltebuchten, um in die Autos der Freier zu steigen. Die Allee liegt in einer Toleranzzone. Alles ganz legal. Doch die Bedingungen unter denen die Huren dort arbeiten haben sich seit der zweiten EU-Osterweiterung immer weiter verschlechtert. „Eigentlich war die Zahl der Zuhälter geringer. Doch seitdem sind es mehr geworden“, sagt Elvira Niesner. Sie ist Chefin des Vereins „FIM – Frauenrecht ist Menschenrecht“ und kümmert sich um Prostituierte, bietet Beratungen an und vermittelt Hilfen, etwa wenn sie aus der Szene aussteigen wollen.

Bulgarische Frauen haben Straßenstrich in der Hand

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„Mittlerweile haben bulgarische Frauen den Straßenstrich in ihrer Hand“, sagt Niesner. Und mit ihnen seien die Probleme der Zuhälter verstärkt aufgetaucht: „Die Frauen haben kein Geld, weil sie alles sofort abliefern müssen. Zudem arbeiten sie auch wenn sie krank sind, weil sie dazu gezwungen werden.“ Dadurch achteten die Prostituierten nicht auf ihre Gesundheit, stünden etwa bei Minusgraden spärlich bekleidet am Straßenrand. „Außerdem werden unsere Beraterinnen vor Ort manchmal nach Essen gefragt, weil die Frauen hungrig sind.“ Krankheiten würden folglich auch nicht behandelt. Und durch den Freierdruck arbeiteten viele der Prostituierten sogar ohne Kondom. „Aber auch die Situation in den Bordellen im Rhein-Main-Gebiet ist nicht viel anders“, weiß Niesner. „Auch dort habe die Zahl der Zuhälter mit der Armutsprostitution zugenommen.“ Jetzt fordert Niesner konkrete Maßnahmen von der Stadt und den zuständigen Behörden: „Ein kommunales Fachgremium aus Stadt, Polizei und Beratungsstellen sollte die Umsetzung des kommenden Prostituiertenschutzgesetzes zeitnah vorbereiten und begleiten.

Stadt meldet sich nicht zu Wort

Erforderlich ist zudem eine Gesundheitsberatung kombiniert mit einer muttersprachlichen Sozialberatung für die Frauen. Außerdem muss für Streetworkerinnen der Zugang zu allen Bordellen und bordellähnlichen Betrieben möglich sein.“ Forderungen mit denen Niesner bei der Stadt Frankfurt bisher auf taube Ohren stößt. Und wirklich: Im Dezernat von Markus Frank (CDU) schweigt man das Thema „Straßenprostitution“ offenbar lieber tot. Trotz zahlreichen Versuchen mit einem Verantwortlichen zu sprechen, gibt es seitens der Stadt keine Rückmeldung. Für Niesner liegt genau dort das Problem: „Diese Frauen haben einfach keine Lobby. Also will sich auch niemand um ihre Probleme kümmern.

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