Nie mehr: Vollzeit schuften zum Nulltarif

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Mit dem Föhn verschönert Derya Kayaakay die Kunden und verdient damit endlich Geld. F.: pöp

Offenbach – Nach Monaten unbezahlter Arbeit als Praktikantin hat Derya Kayaakay aus Offenbach einen Schlussstrich gezogen. Jetzt ist sie Auszubildende in einem  Friseursalon. Sie ist kein Einzelfall. Viele Unternehmen locken Berufseinsteiger in unbezahlte Praktika. Von Angelika Pöppel

„Ich wurde als unbezahlte Arbeitskraft ausgenutzt“, sagt die 18-jährige Derya Kayaakay aus Offenbach. Sie arbeitete nach ihrem Schulabschluss sechs Monate in einem Friseursalon als Praktikantin – zum Nulltarif. Auch nach einem weiteren Jahr als Aushilfe für fünf Euro in der Stunde bekam sie den versprochenen Ausbildungsvertrag nicht. Sie habe zwar viel gelernt, aber wurde auch voll eingesetzt, nur ohne Bezahlung.

„Unternehmen ersetzen Vollzeit-Arbeitsplätze durch Praktikantenstellen“, bestätigt Susanne Schneider, Vorsitzende von fairwork. Der Verein setzt sich für faire Arbeitsbedingungen und Absolventen ein. Viele Unternehmen wissen, wie schwer es für Berufseinsteiger ist, einen festen Job zu finden, und nutzen das aus, sagt Schneider. Betroffen sind Schüler, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind und Absolventen der Geisteswissenschaften, sagt Jessica Heyser vom Deutschen Gewerkschaftsbund.

Junge Absolventen werden besonders häufig ausgebeutet

Junge Absolventen trauen sich nur selten öffentlich über die Ausbeutung als Praktikant zu sprechen, aus Angst vor beruflichen Konsequenzen. Dennoch sehen sie sich gezwungen, Praktika zu machen. So ergeht es auch Katharina C. aus Frankfurt, die anonym bleiben möchte.

„Wenn ich es nicht mache, stehen da zehn andere, die es machen“, sagt Katharina C. Die 27-Jährige fühlt sich durch ihre monatelangen, unbezahlten Praktika zwar ausgebeutet, dennoch versuche sie es weiter. Die Akademikerin hofft auf eine feste Anstellung. Dafür arbeitete sie Vollzeit in zwei Medienunternehmen als Praktikantin. Für insgesamt acht Monate erhielt sie keinen Cent. Deshalb jobbte sie zusätzlich am Wochenende: „Ich habe gearbeitet, um mir die Arbeit leisten zu können.“

In beiden Unternehmen wurde Katharina C. eine Festanstellung versprochen. Diese hat sie bis heute nicht. „Unternehmen ködern Absolventen mit der Aussicht auf eine Festanstellung“, sagt Schneider. Auch die 18-jährige Derya Kayaakay aus Offenbach hoffte auf eine Übernahme. Stattdessen bekam sie in einem anderen Salon einen Ausbildungsplatz. „Aber ich hätte es auch noch länger mitgemacht“, gibt sie zu. Jetzt ist Kayaakay glücklich. Sie hängt nun nicht mehr als Praktikantin in der Endlosschleife.

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