Tippen bis zum Crash

Mehr Unfälle wegen Smartphone und Co.

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Jeder kennt´s: Wegen Unfällen müssen Autofahrer immer öfter im Stau stehen.

Region Rhein-Main – Immer häufiger kracht es auf unseren Straßen und eine Besserung ist nicht in Sicht, weiß Verkehrs-Experte Johannes Hübner. Schuld daran sind Handy und Co. Von Angelika Pöppel 

Allein auf dem Weg von Darmstadt nach Frankfurt-Oberrad muss Pendler Martin Stein an drei Unfällen auf der Autobahn vorbeischleichen: Ein Crash am Nordwestkreuz, ein Unfall und die Baustelle auf der A3 und ein weiterer Zusammenstoß am Kaiserlei auf der A661 kosten Zeit. Ganze 80 Minuten ist er unterwegs. Dabei handelt es sich um einen gewöhnlichen Donnerstagmorgen. Dieses Bild kommt sicherlich vielen Autofahrern bekannt vor.

Und auch die Zahlen vom Statistischen Bundesamt bestätigen: Es kracht immer öfter. Von Januar bis August gab es in Hessen 4,5 Prozent mehr Unfälle mit Personenschaden als im gleichen Zeitraum 2013. Und auch im Kreis und der Stadt Offenbach hat sich der Trend durchgesetzt: Um fünf Prozent sind die Unfälle in der Stadt gestiegen, im Kreis nur leicht um 0,2 Prozent. „Obwohl mit dem leichten Frühling das Wetterchaos ausblieb“, sagt Susanne Went, Verkehrs-Expertin von der Polizei Südosthessen.

Raser-Unfälle nicht mehr auf Platz Eins

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Doch warum kracht es immer häufiger? Darauf hat Verkehrs-Experte Johannes Hübner vom Automobilclub von Deutschland  (AvD) in Frankfurt eine klare Antwort: „Der Hauptunfallgrund ist Ablenkung.“ Denn: Die Raser-Unfälle sind nicht mehr auf Platz Eins. Abgelöst wurden sie durch Unfälle, die völlig ohne ersichtlichen Grund passieren. Sie verzeichnen die größte Zunahme. Nicht etwa Unfälle wegen Missachtung der Vorfahrt, wegen schlechten Wetters oder Wildtieren. Für Hübner eine klare Sache: „Schuld daran ist die Benutzung von Smartphones und Navigationsgeräten am Steuer.“

Meldungen über Autofahrer, die ihrem Navi gefolgt sind und so im Fluss oder in der Baustellengrube gelandet sind, erheitern, sind aber Realität. „Die Autofahrer folgen strickt den Ansagen des Navis, ohne dabei auf den Verkehr zu achten“, sagt Hübner. Deshalb fordern er und die Bundesanstalt für Straßenwesen  (Bast) neue Techniken. Die neuen Systeme sollen Zebrastreifen, Kreuzungen mit „rechts vor links“-Regelung und Ampeln anzeigen.

Nach Unfall prüft Polizei Handynutzung

Auch das Smartphone lenkt Autofahrer massiv ab. Zwar gebe es bisher noch keine Studienergebnisse zu dem Zusammenhang zwischen Unfall und Handynutzung, aber „die Bast arbeitet derzeit an einer Untersuchung“, sagt der Verkehrs-Experte. Fest steht: Auch die Polizei hat bereits auf die Entwicklung reagiert. „Bei schweren Unfällen wird das Funknetz abgescannt. So kann festgestellt werden, ob einer der Beteiligten das Handy kurz vor dem Unfall benutzt hat“, erklärt Hübner. Wenn ja, kann der Smartphone-Benutzer komplett verantwortlich gemacht werden.

Denn: Schon bei einem Blick auf das Handy bei Tempo 60, legt der Fahrer über 16 Meter – eine Lastwagenlänge – blind zurück. Auf der Autobahn wird es demnach noch gefährlicher. Und auch hier sind die Unfälle gestiegen: Speziell auf der A661 und der A3 hat es sogar knapp zehn Prozent mehr gekracht als 2013. Die Folge sind kilometerlange Staus und genervte Autofahrer. Hinzu kommt die Dauer-Baustelle auf der A3. Doch hier ist ein Ende zumindest in Sicht: In Richtung Würzburg sind die Bauarbeiten bereits abgeschlossen, die Standstreifen sollen ab dem 15. November auch leergeräumt sein. In Richtung Köln sind vier schmale Fahrspuren befahrbar. Eine Fahrbahn wird noch für den Gegenverkehr genutzt. Mitte November soll die komplette Baustelle zurück gebaut sein.

In den nächsten zehn Jahren sollen 85 Prozent mehr LKWs auf die Straßen

Dennoch ist für die Unfallzahlen keine Besserung in Sicht. „Die Unfälle werden in den nächsten Jahren weiter steigen“, sagt der Verkehrs-Experte. Denn auch die Verkehrsdichte steigt von Jahr zu Jahr und macht die Straßen voller. Zusätzlich habe die Bundesregierung vorausgesagt, dass in den nächsten zehn Jahren 85 Prozent mehr LKW auf den Straßen unterwegs sein werden. Und Hübner weiß: „Das wird das Unfallrisiko wieder deutlich erhöhen.“

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