Über 1.300 Einbrüche in unserer Region

Raubserie auf Kleingärten der Region

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Schraubenzieher und Hammer langen, um in die schlecht gesicherten Hütten einzubrechen.

Region Rhein-Main – Balkan-Banden haben es offenbar auf die Kleingärtner im Rhein-Main-Gebiet abgesehen. Hunderte Gartenhütten sind schon aufgebrochen und ausgeräumt worden. Die Beute: Teichpumpen, Spaten und Rasenmäher. Von Christian Reinartz

Es geht schon längst nicht mehr um ein paar Einbrüche in Kleingartenkolonien. Mittlerweile sind weit über 1300 Gartenhütten in der Region aufgebrochen worden. Allein 2013 waren es in Frankfurt 841. Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei den Tätern oft um regelrechte Banden handelt, die die leicht aufzubrechenden Gartenhütten gezielt ansteuern, ausräumen und das Diebesgut dann gewinnbringend verschachern. Ob die Beute ins Heimatland gebracht oder hier auf dem Flohmarkt verkauft wird, weiß man bei der Polizei bisher nicht.

Außergewöhnliche Beute

Das Kuriose: Die Beute, die die Serien-Knacker machen, ist meistens nur sehr gering. „Aber für jemanden aus Südosteuropa ist das eine Menge Geld“, sagt der stellvertretende Leiter der Polizeistation Maintal, Andreas Jäger. Schon mehrfach habe die Polizei Täter in Lieferwagen angehalten. „Die waren bis unters Dach mit benutztem Gartenwerkzeug, Rasenmähern und Teichpumpen voll.“

Auch Hannelore Dörr, die Vorsitzende der Frankfurter Stadtgruppe der Kleingärtner, ist schon Opfer geworden. „Bei mir haben sie sogar die Metallgewichte einer Pendelleuchte und Messingknäufe vom Schrank abgeschraubt“, sagt Dörr. „Die machen alles zu Geld, was sie kriegen können.“ Dass viele der Einbrecher aus Rumänien und Bulgarien kommen ist für sie klar. „Wir haben sogar schonmal einen dingfest gemacht“, sagt sie. „Den hat die Polizei dann gleich wieder laufen gelassen.“

Schwierige Verfolgung der Täter

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Denn den Tätern die Einbrüche nachzuweisen, ist offenbar extrem schwierig. „Erstens geht es dabei meistens nur um sehr kleine Werte“, sagt Andreas Jäger. „Zweitens lässt sich die Beute nur sehr schwer den Taten zuordnen.“ Was klar ist: Die Einbrecher kommen mit ihren Lieferwagen offenbar entlang der Autobahnen des Rhein-Main-Gebiets. Allen voran der A66. „Zumindest ist diese Strecke auffällig. Denn hier entlang haben wir von Bergen-Enkheim über Maintal bis nach Hanau die meisten Aufbrüche in unserem Einzugsgebiet gehabt“, sagt Jäger. In Frankfurt sind zur Zeit etwa Goldstein, aber auch Griesheim, betroffen. „Schon im ersten Quartal 2014 haben wir schon wieder 200 Einbrüche gemeldet bekommen“, heißt es bei der Stadtgruppe. Hannelore Dörr: „Im letzten Jahr kamen beim KGV Goldstein auf 60 Gärten 100 Einbrüche. Das ist Wahnsinn.“

Regionale Unterschiede der Einbruchraten

Die Polizei in Frankfurt hat auch immer wieder mit den Einbruchserien zu tun. „Wir haben hier immer wieder Fälle, bei denen gleich 20 Hütten in einer Kolonie aufgebrochen werden“, räumt Polizeipressesprecher Rüdiger Reges vom Frankfurter Polizeipräsidium ein.

Lediglich im Taunus scheinen die Täter bisher nicht angekommen zu sein. „Gartenhütten werden hier zwar auch aufgebrochen“, sagt der Sprecher der Hochtaunus-Polizei, Michael Greulich. „Aber wir konnten das bisher meistens lokalen Tätern zuordnen.“

Bei der Polizei geht man aber längst davon aus, dass die Balkan-Banden bald auch dort zuschlagen könnten.

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