Mann ohne Magen darf wieder arbeiten

Von Christian ReinartzDreieich/Mühlheim - Frank Abels Leben war bisher ein einziges Martyrium: Erst zerbrach bei einem Unfall vor 13 Jahren seine Wirbelsäule, dann faulte ein Hüftknochen durch und Ärzte durchtrennten auch noch unabsichtlich seinen Magen-Nerv.

Schon Ende November berichtete der EXTRA TIPP. Damals blieb Abels anonym, weil er auf eine außergerichtliche Einigung mit der Langener Asklepiosklinik hoffte. Vergeblich. Jetzt zeigt Frank Abels sein Gesicht. Aus tiefen Augenhöhlen starren resignierende, trübe Augen. Weil er in Armut lebt. Weil er nicht mehr weiter weiß.

Abels bekommt keine Rente mehr, weil er laut Rentenversicherung (LVA) arbeitsfähig ist. Aber die Arbeitsagentur bietet ihm keinen Job an. Kein Arbeitgeber wollte ihn bisher mit seinem Leiden einstellen. Dazu hat er Angst, dass wenn er arbeitet, Ansprüche an die Krankenversicherung verliert. Schon einmal habe ihn eine Krankenkasse einen Strick aus seinen Bemühungen gedreht.

"Dabei könnte ich einen Arbeitsvertrag in der Tasche haben", erklärt Abels. "Das stimmt", bestätigt Stefan Klotz, Geschäftsführer der Käferstation in Mühlheim, einem KFZ-Betrieb für Oldtimer: "Wir würden Frank Abels sofort nehmen, denn er ist ein guter Mann." Auch der zweite Stations-Chef, Marcus Jung, ist sich sicher: "Wir wollen Frank eine Chance geben, damit er wieder auf die Beine kommt."

Doch bisher scheiterten alle Bemühungen. "Keiner kann mir sagen, ob ich den Job annehmen darf, ohne meine Rente oder meinen Versicherungsschutz zu gefährden." Stattdessen kämpft Abels seit Monaten und Jahren mit den Ämtern, hat sogar Klage eingereicht. "Aber da bewegt sich nichts. Und die Zeit rennt mir davon." Denn in drei Monaten bekommt er kein Arbeitslosengeld mehr, würde in Hartz IV rutschen. "Davor habe ich große Angst. Schon jetzt habe ich nicht genug Kohle für die Zuzahlungen zu meinen Schmerzmitteln."

Doch die Zeit des Bangens ist für Frank Abels vorbei. Nachdem der EXTRA TIPP mit den zuständigen Abteilungsleitern bei der LVA, der Arbeitsagentur und der Hessischen Innungkrankenkasse (IKK) gesprochen hat, ist auf einmal alles ganz einfach.

"Herr Abels darf jede Arbeit annehmen, die er möchte", sagt Scarlet Anderson-Hauth von der LVA: "Und ich versichere, dass er, sollte er wieder arbeitsunfähig werden, von uns ohne Probleme seine Rente erhalten wird." Sie bietet nun ein Gespräch mit Abels, seiner Anwältin und seinem neuen Arbeitgeber an, um Details zu klären.

Roland Weiskopf, Leiter des Kundencenters Rheinmain der IKK zeigt sich ebenfalls kooperativ: "Wir werden ihm sicher nicht verbieten, Arbeit aufzunehmen. Herr Abels wird deswegen bei uns keinen Nachteil haben." Und auch bei der Arbeitsagentur in Langen ist man plötzlich über das Jobangebot erfreut und will Abels keine Steine in den Weg legen.

"Ich kann das noch gar nicht richtig glauben", sagt Abels. In seinen Augen blitzt jetzt Hoffnung. Schon in den nächsten Tagen will er einen Gesprächstermin ausmachen und dann endlich seinen Arbeitsvertrag unterschrieben.

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