Ein Mann, ohne Hemmschwelle: "Knaller" flüchtig

Von Axel GrysczykOffenbach - Die Polizei bezeichnet ihn als "den Ausbrecherkönig". In Offenbach nennen sie ihn den "Knaller".

Er hat weit über 100 Straftaten auf dem Kerbholz, hat bereits mehrere Jahre im Knast gesessen, ist um zu flüchten an Händen und Füßen gefesselt aus dem zweiten Stock des Offenbacher Amtsgerichtes gesprungen und hat wohl jegliche Hemmschwelle verloren. Am vergangenen Sonntag hat der 41-jährige Offenbacher wieder zugeschlagen: Brutal und mit extrem hohen Risiko. Eine Kick-Box-Veranstaltung endet daraufhin in einer Massenschlägerei. Alle gegen ihn. Jetzt ist er wieder auf der Flucht.

Sonntagabend, Turnhalle der Offenbacher Edith-Stein-Schule: Der "Knaller" taucht bei einer Kick-Box-Veranstaltung auf. Rund 400 Zuschauer verfolgen zu dieser Zeit die sportlich hochwertigen und spannenden Kämpfe. Er geht schnurstracks auf einen der Veranstalter, einen 31-Jährige, zu. Bevor es zu einem Handgemenge kommt, fordert der 31-Jährige den "Knaller" auf, rauszugehen, um die Angelegenheit zu besprechen. Nach Polizei-Informationen sei zwischen den beiden "eine Rechnung offen" gewesen. Auf dem Weg nach draußen dreht sich der voraus gehende "Knaller" unvermittelt um und schlägt den 31-Jährigen mit einem Gegenstand ins Gesicht. Blut fließt. "Knaller" flüchtet nach draußen vor die Halle.

Nach Polizei-Angaben springen sofort rund 40 Zuschauer auf und verfolgen den Angreifer. Nach unterschiedlichen Angaben hat es vor der Halle dann eine wüste Schlägerei gegeben. Alle gegen "Knaller"! Von der Polizei bestätigt ist das Ende der Auseinandersetzung.

Plötzlich sei ein Mazda aufgetaucht, in die prügelnde Gruppe gefahren. Zum Glück habe es bei dieser Aktion keine Verletzten gegeben. "Knaller" habe die Verwirrung genutzt, sich losgerissen und sei in den Wagen gesprungen, der daraufhin mit quietschenden Reifen verschwunden ist.

Eine Szene wie in einem Action-Film. Ist der "Knaller" beteiligt, ist das anscheinend normal. Polizeisprecher Henry Faltin: "Dieser Mann hat keine Hemmschwelle mehr. Gewisse Ängste sind bei dem ausgeschaltet. Er begibt sich auf ein Kick-Box-Turnier, bei dem ihm hunderte Besucher entgegen stehen, um den Veranstalter aufs Maul zu schlagen. Der Mann geht ein sehr, sehr hohes Risiko ein."

Die Gefahr dabei verletzt zu werden, ignoriert der Mann, der seit 1981 bei der Polizei aktenkundig ist. Faltin berichtet von dem Sprung aus dem Amtsgericht mit Handschellen an Händen und Füßen, von "Knaller"-Festnahmen, bei denen auch sollte er sich in mehrstöckigen Häusern aufhalten, die Rückseite gesichert wird. "Der Ausbrecherkönig springt in jedem Fall. Knochenbrüche interessieren den nicht", sagt Faltin. Einige seiner "dreistelligen Zahl an Straftaten" (Faltin): Diebstahl, schwere Körperverletzung, Einbruch, Bankraub, Fälschung, Heroin-Handel, mehrfacher Ausbruch aus dem Gefängnis und im Jahr 1998 sogar Gefangenen-Meuterei.

Die Fahndungsgruppe der Polizei kümmert sich jetzt mal wieder um ihn. Denn nach dem Vorfall vergangene Woche ist er flüchtig. Faltin: "Unsere Aufgabe ist ihn zu fassen und der Staatsanwaltschaft zu übergeben. Was dann passiert, ist nicht unsere Aufgabe. Seit Anfang der 80er sehen wir ihn regelmäßig. Jeder bei der Offenbacher Polizei kennt diesen Mann."

Den Fahrer des Mazda hat die Polizei sofort ermittelt. Er wisse nicht, wo der "Knaller" abgeblieben ist. Er hätte ihn nur mitgenommen (siehe Seite zwei).

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