Maloche mit 70: „Da verzichte ich lieber aufs Essen!“

Offenbach – Beine hochlegen, Urlaub machen: Nach einem arbeitsreichen Leben wartet mit spätestens 65 der Ruhestand. Doch allein in Stadt und Kreis Offenbach haben, so das Arbeitsministerium, etwa 20.000 Senioren einen Nebenjob. Die meisten, weil ihre Rente nicht zum Leben reicht. Von Christian Reinartz

Wenn Laszlo Balogh aus Offenbach seine Knochen spürt, dann weiß der 70-Jährige, dass er als Metallarbeiter einen harten Job hinter sich hat. Eigentlich wollte er sich im Rentenalter ausruhen, sich ohne Geldsorgen zurücklehnen, sich vom anstrengenden Arbeitsleben erholen.

Doch das funktioniert mit seiner Rente nicht. Balogh bekommt nur etwas über 700 Euro. Davon muss er auch Miete und Nebenkosten zahlen. Balogh steht deswegen ständig unter Strom, spart, damit am Ende des Monats noch etwas Geld für Essen übrig ist. Sein Altenteil hatte er sich anders vorgestellt. „Das ist einfach ungerecht“, sagt der Rentner verärgert: „Ich komme gerade so mit Hilfe der Tafel über die Runden.“ Wenn ich mir auch nur eine Kleinigkeit außer der Reihe leisten will, müsste ich einen Nebenjob annehmen.“ Aber das will Balogh auf keinen Fall.„Ich will endlich nicht mehr arbeiten müssen. Lieber schränke ich mich ein und verzichte aufs Essen, damit ich der Familie was zu Weihnachten schenken kann.“

Arbeiten bis zum Tod

Beim Frankfurter Verband, der zahlreiche Senioren-Einrichtungen betreibt, bestätigt man die Entwicklung. Sozialarbeiterin Barbara Choisi:„Die Rentner fragen sogar bei uns nach, ob es für sie einen Job gibt, in dem sie etwas dazuverdienen können.“ Ihre Chefin, Gabriele Müller-Friderichs, Regionalleiterin Offene Seniorendienste und Wohnen, ergänzt: „Oft merken wir schon zur Monatsmitte bei uns in den Einrichtungen, dass nicht mal mehr genug Geld für einen Tasse Kaffee da ist.“

Doch selbst, wenn Rentner Ralf Müller am Kaffee sparen würde, es würde immer noch nicht reichen. Er hat weniger Rente als Balogh, geht deshalb zehn Stunden pro Woche „malochen“, wie er sagt. Obwohl er schon 74 ist. „Ich hab das so verdammt satt“, klagt der Senior: „Aber ohne den Job, müssten meine Frau und ich aus unserer Wohnung raus, in der wir seit 30 Jahren wohnen.“ Das seine ohnehin schon lädierte Bandscheibe irgendwann komplett den Dienst quittieren könnte, verdrängt er. „Dann arbeite ich halt, bis ich in die Kiste springe.“

Sind auch Sie Rentern und auf einen Nebenjob angewiesen? Melden Sie sich unter redaktion@extratipp.com oder unter Telefon (069) 85008 7902.

Kommentare