Main-Taunus-Kreis: Alte werden immer ärmer

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Sorgen im Alter: Immer mehr Rentner, vor allem Frauen, sind auf Sozialleistungen angewiesen.

Taunus – Immer mehr Senioren im Main-Taunus-Kreis reicht ihre Rente nicht mehr zum Leben. Das geht aus dem diese Woche vorgestellten Sozialbericht 2010 hervor. Erster Kreisbeigeordneter Hans-Jürgen Hielscher schlägt Alarm. Von Norman Körtge

Die Statistiken, die Hans-Jürgen Hielscher und Joachim Werle, Leiter des Arbeits- und Sozialamtes, am Dienstag in Hofheim präsentierten, sind eindeutig. Im Vergleich zu 2009 ist 2010 die Zahl der Senioren, die mit ihrer Rente nicht auskommen und auf zusätzliche Unterstützung angewiesen sind, um zwölf Prozent gestiegen. Hinter dieser Prozentzahl verbergen sich 97 Einzelschicksale – insgesamt waren es im vergangenen Jahr damit 903 Menschen im Main-Taunus-Kreis, die mit ihrer Rente nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten.

„Das ist schon kein Trend mehr, sondern ein massives, latentes Problem“, sagte Hielscher. Erschwerend kommt für die Rentner im Kreis wie im ganzen Rhein-Main-Gebiet hinzu, dass es sich um ein „Hochpreisgebiet“ handelt, in dem etwa die Mieten relativ hoch sind. Betroffen sind vor allem ältere Frauen, die in ihrem Arbeitsleben oft nicht viel Rentenbeiträge einbezahlt haben.

Dass die Altersarmut weiter ansteigen wird, wenn nicht mehr in die private finanzielle Absicherung investiert wird, geht für Hielscher aus der demografischen Entwicklung hervor. Denn die Vorausberechnungen besagen, dass im Jahr 2030 der Anteil der über 64-Jährigen von derzeit 20,7 auf 26,1 Prozent steigen wird.

Viele Rentner sind auf die Tafel angewiesen

Augenscheinlich wird die Altersarmut unter anderem an den Lebensmittel-Ausgabestellen der Tafeln in Hattersheim, Hofheim und Schwalbach. Dort sei ein nicht unerheblicher Teil der Kunden im Rentenalter, heißt es etwa aus Schwalbach. Gerade für Alleinstehende bedeute es eine große Überwindung, zur Tafel zu gehen. „Ich mache es für die Kinder“, würden oft Mütter oder Väter sagen. Witwen etwa fehle oft diese „Motivation“. „Wir reden jetzt nicht mehr über mathematische Rentenformeln, sondern über die betroffenen Personen“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete. Allerdings könne der Kreis diese „riesige sozialpolitische Aufgabe“ nicht alleine stemmen.

Die Wichtigkeit von Hielschers Forderung bestätigt auch Philipp Stielow vom Sozialverband Vdk Hessen-Thüringen: „Die Rente hat in den vergangenen zehn Jahren stark an Wert verloren.“ Er befürchtet, dass zum einen durch die Entwertung der Rente und zum anderen dadurch, dass immer mehr Menschen im Niedriglohnsektor arbeiten und dadurch wenig in die Rentenkasse zahlen, es zu einer regelrechten Massenarmut unter alten Menschen kommen wird.

In diesem Zusammenhang sei eine Senkung der Rentenbeiträge, wie von der Bundesregierung angekündigt, der falsche Weg. Die Überschüsse aus den Rentenkassen sollten lieber in die Bekämpfung und Vermeidung der Altersarmut investiert werden, heißt es von Seiten des VdK. Ein wichtiger politischer Schritt sei außerdem die Einführung von branchenübergreifenden Mindestlöhnen. Denn von Hungerlöhnen ließe sich keine armutsvermeidende Altersversorgung aufbauen.

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