Die meisten Tiere brauchen keine Hilfsmittel

Mäntelchen und mehr: Überflüssige Tierliebe im Winter

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Hunde lieben es, im Schnee zu toben – auch ohne Mäntelchen

Region Rhein-Main – Meisenknödel, Hundekleidung, Wärmekissen: Bei Kälte und Schnee neigt mancher Tierfreund zu übertriebener Fürsorge. Von Franziska Jäger

Sinken die Temperaturen, steigt in den Supermärkten und Zoohandlungen das Angebot an Meisenknödeln und warmen Mäntelchen fürs Haustier: Im Winter, so scheint es, sollte Mensch sich ganz besonders um die Tierwelt kümmern. Dabei ist die meist von Natur aus bestens ausgestattet, um der Kälte zu trotzen.

Bei einem Schäferhund macht ein Mantel wenig Sinn

„Bei einem Schäferhund mit dichtem Fell macht so ein Mantel wenig Sinn“, sagt Sabine Urbainsky, Tierheimleiterin des Tierschutzvereins Frankfurt. Alten und kranken Tieren, die zum Beispiel an Arthrose leiden, könne Wärme aber gut tun. „Da muss man sich nicht schämen, ein Jäckchen anzuziehen. Auch extrem kurzhaarige Rassen wie Französische Bulldoggen könnten im Winter frieren – dafür muss es dann aber schon Minusgrade haben.“ Freigängerkatzen entscheiden selbst, was sie wollen: Ist es ihnen draußen zu ungemütlich, ziehen sie das heimische Sofa vor. Die Pfoten sollte man nach Winterspaziergängen säubern, wenn die Gehwege gestreut wurden. Dringt das Salz in die feinen Risse der Ballen ein, kann das schmerzhaft für das Tier werden.

Meerschweinchen und Kaninchen müssen bei Kälte nicht zwangsläufig ins stickige Kinderzimmer verfrachtet werden – sofern sie frühzeitig und über das ganze Jahr an die Außentemperaturen gewöhnt wurden. Dann genügt ihnen ein geschütztes Schlafhaus und eine trockene Polsterung aus viel Heu und Stroh, in die sie sich verkriechen können. „Das ist die beste Isolierung“, sagt Tierschützerin Urbainsky. Spezielle Wärmekissen aus der Tierhandlung, die in der Mikrowelle erhitzt und den Nagern zum Kuscheln in die Käfige gelegt werden können, hält sie für Blödsinn.

Aquarien sollten nicht zufrieren

Ein Bündel Stroh kann bei Minusgraden auch Besitzern von Gartenteichen mit Fischern nützlich sein: das vollständige Zufrieren der Wasseroberfläche sollte unbedingt verhindert werden. Empfindliche Exoten sollten ohnehin im Aquarium überwintern.

Streitthema beim Artenschutz ist Jahr für Jahr die Vogelfütterung. Die Fülle an fetthaltigen Meisenknödeln und Kernen in den Supermärkten hält Maik Sommerhage, Vogelschutzreferent beim Nabu Hessen, vor allem für einen lukrativen Wirtschaftszweig. „Sinnvoll ist eine Zufütterung höchstens bei geschlossener Schneedecke“, sagt er.

Das Futter im heimischen Garten kommt vor allem Vögeln wie Blaumeisen und Kleibern zugute, deren Bestand als gesichert gilt. „Die gefährdeten Tiere auf offener Feldflur wie die Goldammer erreicht man dadurch aber nicht“, sagt Sommerhage. Er begrüßt dennoch den lehrreichen Aspekt der Fütterung: „In einer Welt, in der die Menschen glauben, es gäbe lila Kühe, kann so eine Vogelbetrachtung aus der Nähe nicht schaden.“

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