So machen die Behörden unsere Unternehmer kaputt

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Bald pleite? Dem Familienbetrieb von Giuseppe Di Gabriele droht das Aus, weil die Ämter stur sind. Vater Salvatore (links), Mutter Maria-Rosa können´s nicht fassen.

Offenbach – Obwohl die Wirtschaftskrise mit voller Wucht durchschlägt, macht der Staat den Unternehmern in der Region das Leben schwer. Sie stehen kurz vor der Pleite: Der Offenbacher Pizzabäcker Giuseppe Di Gabriele, weil die Offenbacher Bauaufsicht nach 20 Jahren plötzlich nicht mehr mit seiner Terrasse einverstanden ist. Und der Frankfurter Autohändler Hans-Joachim Schwanzl, der wegen der staatlichen Abwrackprämie Umsatzeinbußen von 70 Prozent verbucht. Von Christian Reinartz

Die machen die Leute einfach kaputt“, sagt Giuseppe Di Gabriele. Der Offenbacher Pizzabäcker steht vor den Scherben seiner Existenz. „Ich würde niemandem mehr empfehlen, in Offenbach ein Restaurant aufzumachen.

Zum Hintergrund: Di Gabriele bewirtschaftet neben seinem Restaurant seit 20 Jahren eine große, vom Ordnungsamt genehmigte Terrasse samt Holz-Pergola. Im Laufe der Jahre hat er zum Regenschutz eine Plane darüber gerollt. Als das Rauchergesetz 2007 in Kraft trat, verwandelte er die Terrasse in einen Raucherbereich samt abnehmbarer Plexiglasscheiben.

Die Pergola von Giuseppe Di Gabriele soll weg.

Doch eine Anwohnerin beschwerte sich. „Auf einmal hat die Bauaufsicht alles bemängelt“, erinnert sich Di Gabriele. Er müsse mehr Parkplätze zur Verfügung stellen, den Abstand zum Nachbarn verringern und eine Brandschutzmauer ziehen. „Aber die letzten 20 Jahre lang war ich gut genug für die Politiker.“ Auch Oberbürgermeister Horst Schneider und Stadtrat Paul-Gerhard Weiß gehörten zu seinen Kunden, so der Wirt.

Trotzdem beharrte das Amt auf seinen Forderungen, schlug jeden Kompromiss aus. Die Hoffnung darauf hat Giuseppe Di Gabriele längst begraben, er rechnet mit der Pleite.

Abwrackprämie ruiniert Frankfurter

Opfer der staatlichen Abwrackprämie: Hans-Joachim Schwanzl steht vor dem Ruin.

Auch der Frankfurter Gebrauchtwagenhändler Hans-Joachim Schwanzl ist ein Behördenopfer. Die Abwrackprämie der Bundesregierung hat ihn in den Ruin getrieben. „Ich hatte natürlich einen Rückgang eingeplant aber gehofft, dass sich die Lage nach ein paar Monaten normalisiert.“ Doch bis heute kämpft er mit Umsatzeinbußen von 70 Prozent. „Die Kunden bleiben weiterhin weg und leisten sich lieber einen Neuwagen. Einige haben sich überschuldet. Ein gepflegter Gebrauchtwagen mit Service wäre für viele besser.

Als der EXTRA TIPP im Pizzeria-Fall im Offenbacher Rathaus nachhakt, kommt Bewegung in den Fall. Auf einmal ist ein Kompromiss möglich. „Dem Oberbürgermeister ist immer daran gelegen, dass man sich im Guten einigt“, beschwichtigt dessen persönlicher Referent Gordon Hadler: „Wir werden gerne auf Herrn Di Gabriele zugehen und mit ihm einen tragbaren Kompromiss finden.“ Laut ihm seien die bemängelten Plexiglasscheiben womöglich sogar legal. Hadler: „Wenn etwas innerhalb kurzer Zeit abgebaut werden kann, könnte das erlaubt werden.“ Jetzt will der Referent die Bauaufsicht anweisen, den Fall erneut auf den Prüfstand zu stellen. „Wir werden sicher eine Lösung finden, mit der alle leben können.

Für Schwanzl gibt es weniger Hoffnung. Die Abwrackprämie ist ausgezahlt. Ein paar Monate will er die Entwicklung noch abwarten. Sollte sich keine Verbesserung am Markt einstellen, könne es schnell gehen. „Dann werde ich mein Geschäft schließen und schöne Reisen machen.

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