Anleinpflicht: Ein Leserbrief und die Reaktionen darauf

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So titelte der EXTRA TIPP im Taunus.

Der Leserbrief von Niels Pockrandt zum Artikel „Jäger fordern Anleinpflicht für Hunde“ vom 18. Juni hat zahlreiche Reaktionen ausgelöst.

Jäger im Rhein-Main-Gebiet fordern nach Beiß-Attacken auf Rehe eine gesetzliche Anleinpflicht für Hunde. Der EXTRA TIPP berichete darüber und schilderte Fälle aus dem Taunus und dem Kreis Offenbach. Der Leserbrief von Niels Pockrandt dazu hat wiederrum zahlreiche Reaktionen ausgelöst, die Sie hier nachlesen könne.

Der Leserbrief von Niels Pockrandt aus Mörfelden:

Hier der EXTRA-TIPP-Bericht über die Forderung der Jäger.

Das Privileg der Jäger über Teile einer Gebietskörperschaft zu „herrschen“ und „hoheitliche“ Sanktionen zu erteilen, stammt aus einer absolutistischen Zeit, in der es noch keine Handy-Gesellschaft gab. Der Ballungsraum Rhein-Main beherbergt zirka 3,6 Millionen Menschen, die mehrheitlich im Job gemobbt und durch die „neue, soziale Marktwirtschaft“ schikaniert werden. Aber diese gepeinigten Menschen, die für wenige Stunden im Wald mit Hund Erholung in Form von „befreiender Toleranz“ suchen, werden schon wieder mit der sozialen Kontrolle konfrontiert.

Jeder Wildunfall – ob toter Motorradfahrer zwischen Mörfelden und Langen oder Wildschweinüberfall in der Innenstadt – sollte der Jägerschaft in Rechnung gestellt werden. Den Hundehalter, der sich zudem in der Pflicht zu einer artgerechten Tierhaltung genötigt sieht und schon deshalb dem Hund Freilauf gönnen muss, hier für ursächlich zu erklären, ist wahrlich eine perfide Verzerrung der Dinge. Seit Jahrzehnten gedeiht der Wildbestand trotz vermeintlicher Stressfaktoren einer Industriegesellschaft überüppig, da ihm die natürlichen Feinde fehlen, zu deren Kompensation die Jäger in der Pflicht wären. Aber sie kommen ihr nur unzureichend nach. Also, wenn der eine oder andere Hundebesitzer durch „Leinen los – natürlicher Feindersatz“ für das überbordende Wild organisiert und zudem krankes Wild gen Himmel schickt, so ist das zwar keine Ideallösung, aber doch eines Dankes wert.

Arnold Mende aus Hattersheim:

Von dem Artikel des Hr. Pockrandt bin ich stark irritiert. Knapp zusammengefasst steht für mich dort die Botschaft: Weil es mir in der Marktwirtschaft schlecht geht, lasse ich meinen Frust an der „Obrigkeit“ den Jäger/innen und speziell „deren Wild“ aus. Das schlimmste daran ist, dass er dazu aufruft, es ihm nachzumachen.

Ich denke, gerade wegen solcher verantwortungslosen Hundehalter/innen kommt ja der Ruf nach einer Anleinpflicht auf. Und leider bringt hier wieder mal eine Minderheit die Mehrheit in Verruf. Aus meiner Sicht muss ein gut erzogener Hund nicht angeleint werden. Der hört auf seinen Besitzer/in. So ein Hund kann auch problemlos Auslauf bekommen. Das erlebe ich es bei meinen Spaziergängen. Und wie gesagt, Gott sei dank ist das die Mehrheit.

Wenn ich aber ein Tier scharf mache, ihn auf das Wildern trainiere und nicht erziehe ist nach dem Tier die nächste Bissattacke auf Menschen vorprogrammiert. Wer sagt mir denn, dass so ein Tier im Wald in seinem ungebremsten Jagdfieber (Das Herrchen ist ja sehr weit weg.) nicht mein Kind als potenzielle Beute sieht? Muss erst wieder ein Unfall zwischen Mensch und Hund passieren, um das besser zu verstehen?

Im übrigen bezweifle ich sehr stark, dass unsere Wälder besser und gesünder werden, wenn durch Bisse geschwächte Tiere dort herumvegetieren. Und dann gibt es nicht umsonst Schonzeiten für das Wild. Da wird dann durch den Hund das Reh und durch das Verhungern das Kitz getötet.

Ich möchte damit schließen, dass ich weder Jäger noch Hundehalter bin, allerdings hatte ich schon mal einen Hund in meinem Arm. Und so was muss sich nicht wiederholen, wenn wir verantwortungsbewusst miteinander umgehen.

Günter Trippel aus Langen:

So titelte der EXTRA TIPP in der Offenbach-Ausgabe.

Der Leserbrief von Herrn Niels Pockrandt ruft geradezu den Protest hervor. Ich bin kein Jäger und auch kein Hundehalter aber der Jäger ist nicht der Hunde Feind sondern steckt Unsummen in die Erziehung seiner Hunde und das tun verantwortungsbewusste Hundehalter auch. Der Feind des Hundes sind jene Gutmenschen die aus eingefangen, der in den entsprechenden Rudeln nach dem Recht des Stärkeren unterlegenen Tieren, aus mediterranen Tierheimen importieren: „Motto ich vermittle dem armen Kerl eine gute Zukunft“. Ich bin weit davon entfernt in diesen Hunden „Ungeheuer“ zu sehen und weiß auch, dass die meisten davon durchaus zu gutmütigen Freunden in den Familien werden. Aber die wenigsten Hundehalter gehen mit diesen Tieren in ein Hundetraining. Wenn dann ein Rehkitz angefallen, verletzt elend verreckt „hat mein Hund so etwas noch nie getan“.

Wenn z.B,. die Vorlage einer „Ausbildungsbescheinigung“ der Stadt Langen es sogar eine beträchtlicher Senkung des Hundesteuersatzes wert ist, steht dahinter kein Jäger sondern die Erfahrung, dass es auf den Hundehalter und nicht den Hund ankommt. Da besteht z.T. sogar in Feld und Flur Leinenzwang obwohl Katzen streunen und Bodenbrüter dezimieren dürfen. Der Satz „also Leinen los um den in unserer Umgebung zu starken Wildbesatz „gen Himmel zu schicken“ ist keineswegs eines Dankes sondern eine Strafanzeige wegen Aufforderung zum Wildern wert. Man schaue Herrn Niels Pockrandt besser auf die Finger denn auf den Mund. Am Besten setzen sich wohl mit dieser Denkungsweise einmal die „Extrem-Tierschützer“ in Verbindung die Zwecks Verhinderung des Abschusses Schusskanzeln in den Revieren im Dutzend zerstören.

Michael May aus Offenbach:

Ohne weiter auf den Inhalt des veröffentlichen Beitrages eingehen zu müssen, ist es leider auch aus meiner Praxis als engagierter Naturschützer ein großes Problem mit wildernden, unbeaufsichtigten Hunden. Auch im Niederwildbereich sind die verursachten Leiden und Schäden leider sehr groß. Es ist natürlich ein Unding, dass ein Hetzen der Wildtiere billigend aus Gründen und der „grenzenlosen Freiheit“ in Kauf genommen wird. Diese Rücksichtslosigkeiten gegen Wildtiere und auch gegen Mitmenschen wird nur durch einen kleinen - aber leider sehr uneinsichtigen Kreis von Hundeführer verursacht. Wer seinen Hund aufrichtig gern hat und es gut mit Ihm meint, der sollte auf Ihn aufpassen - wie es eigentlich normal ist. Was viele Hundebesitzer vielleicht nicht wissen ist, dass ein Zusammentreffen mit Wildtieren für unsere Haustiere nicht ganz ungefährlich ist. Ein provoziertes Wildschein kann auch große Hund schwer verletzen und unter Umständen sogar töten. Auch ist eine Übertragung von Wildtierkrankheiten möglich - welche sich in Form von einer Zoonose auch auf den Mensch übertragen können. Zusätzliche weitere Informationen können für Interessierte zu diesem Thema bei Tierärzten einholen.

Herbert Bach aus Langen:

Natürlich gehören Hunde im Wald an die Leine. In der Gefahrenabwehrverordnung des Landes Hessen (HundeVO) über das Halten und Führen von Hunden vom 22.01.2003, zuletzt geändert am 15.10.2010 ist klar festgehalten: Hunde, auch ungefährliche, sind so zu halten und zu führen, dass von ihnen keine Gefahren ausgehen. Das bedeutet, im Wald ist der Hund anzuleinen!

Wenn auch speziell kein Gesetz oder eine Verordnung dies regelt, ist es schon eine Sache des gesunden Menschenverstandes Hunde außerhalb der häuslichen Einfriedung anzuleinen. Wie kann ich als Hundebesitzer begrüßen, das mein Hund Wild jagt und hetzt wie dies der Leserbriefschreiber Herr Pockrandt ausführt? Aber auch aus anderen Gründen gebietet sich die Anleinung des Hundes, nämlich aus Rücksicht auf Spaziergänger und Radfahrer im Wald; insbesondere aber auch aus Rücksicht auf andere Hundebesitzer, die ihren Hund ordnungsgemäß an der Leine führen. Viele Hundebesitzer glauben ihr Hund hört, wenn er gerufen wird, bricht jedoch der Beutetrieb durch, hilft kein Rufen und Pfeifen. Nur bei wirklich exzellent ausgebildeten Hunden werden Kommandos aufs Wort befolgt, das aber ist die absolute Ausnahme.

Die Forderung des Dreieicher Jagdpächters entspricht schon lange meinen Vorstellungen per Gesetz die Anleinpflicht durchzusetzen. Ich bin selbst seit 1975 Besitzer von Rassehunden, nämlich Boxern, denen kein Jagdtrieb nachgesagt wird.

Und auch das Argument des Leserbriefschreibers hinsichtlich der in Rechnung stellen von Kosten bei Wildunfällen gegenüber den Jägern ist ja wohl barer Unsinn! Richtig ist das zwischen Langen und Mörfelden Wildunfälle nicht ungewöhnlich sind. Besonders tragisch sicherlich der tödliche Unfall eines Motorradfahrers nach der Kollision mit einem Wildschwein, den der Leserbriefschreiber aufführt. Aber hier fehlt nach meiner Meinung in südlicher und nördlich Richtung ein Wildzaun sowie Wildgatter. Was zwischen Mörfelden und Rüsselsheim machbar ist, sollte doch auch -insbesondere nach einem 4spurigen Ausbau der B 486- möglich sein, die Errichtung von Wildzäunen, die zwar den Lebensraum des Wildes einschränken, andererseits aber Menschenleben schützen.

Zum Schluss noch ein Hinweis zur Leinenpflicht, es gibt heute wunderbare Feldleinen und Flexileinen bis 20 m Länge die dem Hund genügend Freiraum im Wald bieten. Ansonsten bin ich sowieso der Ansicht, Hunde sollte nur der halten, der dem Tier innerhalb seines Wohnbereiches genügend Auslauf bietet, rum toben kann er im eigenen Garten. Deshalb Herr Niels Pockrandt: Leinen los im Wald? Nein Danke!

Götze Funke aus Mühlheim:

Selten habe ich deratig unsinniges Zeug betreffend Jagd und Anleinpflicht für Hunde gelesen. Der Herr Pockrandt will also Hunde auf Rehe, Wildschweine etc. einsetzen. Bei dem Aufeinandertreffen Ihres Hundes mit einer Rotte Wildschweine wäre ich gerne dabei, um Ihr dümmliches Gesicht zu sehen, wenn ihr Hund fürchterlich verwundet und niedergemacht wird.

Die Jagd dient der Erhaltung und Pflege des Wildes. Und dieses Wild, dessen Lebensraum mehr und mehr eingeengt wird, ist nicht nur schützenswert, sondern der Mensch hat diese Geschöpfe genauso zu respektieren wie die uns von Gott gegebene Natur.

Martina Junge aus Offenbach:

Dem Standpunkt von Herrn Pockrandt kann ich mich nur bedingt anschließen, denn ich lehne es grundsätzlich ab, dass Hunde Wild erlegen. Denn es dient nicht der Nahrungsbeschaffung, wie zum Beispiel bei einem Fuchs oder Wolf.

Für mich persönlich ist die Anleinpflicht für Hunde der absolut falsche Weg. Der Hund ist stets ein Spiegelbild seines Herrchens oder Frauchens. Hier muss sich in den Köpfen der Menschen etwas ändern. Ich lebe seit 14 Jahren mit Hunden zusammen und wir unternehmen im Offenbacher Staatswald täglich unsere Spaziergänge in einem großen Rudel. Die Hunde sind gut sozialisiert, haben Spaß am Toben udn haben noch nie Wild erlegt. Oft treffen wir auf kurz angeleinte Hunde, meistens Schäferhunde, die sehr aggressiv reagieren und keinen Kontakt zu anderen Hunden haben dürfen.

Warum wohl?

Mir tun solche Hunde sehr leid, diese sind an einen schlechten Halter ohne Fachkompetenz und Geduld geraten. Hier muss die Problemlösung erfolgen. Im Übrigen gehören so manche egoistische Jogger oder Raser von Radfahrern an die Leine. Ihr Verhalten ist oft rücksichtslos. Der Wald ist ein Naherholungsgebiet für alle und keine Rennstrecke.

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