Armes Würstchen!

Keine Chance, Frankfurter Würstchen schützen zu lassen

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Gref-Völsing-Chefin Anna Satvary findet es schlimm, dass das Frankfurter Würstchen nicht geschützt werden kann.
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Frankfurt – Rückschlag für die Frankfurter Würstchen-Kämpfer! EU-Beamte haben den Vorstoß der Frankfurter Metzger, die Würstchen vom Main schützen zu lassen, abgeblockt. Von Christian Reinartz

Die Frankfurter seien schon eine „Wurstgattung“ heißt es in Brüssel. Jetzt darf jeder das Würstchen kopieren und behaupten, es wären echte Frankfurter.

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Den Frankfurtern schmeckts Würstchen nicht mehr

Wir sind zu spät“, sagt der Bornheimer Bio-Metzger Michael Spahn frustriert. Er hatte nach dem EXTRA-TIPP-Bericht „Frankfurtern schmeckt‘s Würstchen nicht mehr“ die Initiative ins Rollen gebracht. „Jetzt dürfen sie sogar im Ausland unser Würstchen herstellen und können sich dabei auf europäisches Recht berufen.“ Zwar war die Hoffnung bei der Metzgerei-Innung vergangene Woche noch groß gewesen, in Brüssel einen Namensschutz für die Frankfurter Wurstspezialität durchzubekommen.
Doch nun ereilt das Frankfurter Würstchen dasselbe Schicksal wie auch schon die Münchner Weißwurst. Auch die gilt nach Ansicht der Euro-Beamten als Wurstgattung und nicht als regional geschütztes Produkt. Für die Münchner ein Desaster.

Anna Satvary, Juniorchefin der Frankfurter Traditionsmetzgerei Gref-Völsings, ist von dem Rückschlag überrascht: „Es ist wirklich schade, dass das einfach so festgelegt wird.“ Michael Spahn: „Wir könnten dagegen jetzt natürlich klagen. Aber dieser Gang wäre viel zu teuer und aufwendig.“

Ein Contest soll dem Würstchen auf die Beine helfen

Stattdessen wollen sich die wenigen verblieben Würstel-Metzger darauf konzentrieren, dem Frankfurter Würstchen aus der Krise zu helfen. Innungs-Obermeister Thomas Reichert verrät: „Wir planen, einen Würstchen-Contest auf die Beine zu stellen.“ Ziel sei es, mehr Stadt-Metzger dazu zu bringen, die Frankfurter wieder auf traditionelle handwerkliche Weise herzustellen. „In der Jury würden dann sicherlich einige prominente Frankfurter, aber auch Wurstkenner sitzen, um das beste Würstchen zu küren.“ Diese Pläne will Reichert nun mit seinem Innungsvorstand besprechen. Auf dass schon bald wieder in den meisten Frankfurter Metzgertheken selbstgemachte Frankfurter Würstchen liegen.

Ein winziger Trost bleibt den Frankfurter Metzgern trotz EU-Rückschlag im Kampf ums echte Würstchen. Michael Spahn: „Wenigstens den Titel ,Original Frankfurter Würstchen‘ dürfen weiterhin nur heimische Produkte tragen.“

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Christian Reinartz

Christian Reinartz

E-Mail:christian.reinartz@extratipp.com

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