Tödliche Keime

Legionellen lauern in der Wasserleitung

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Dusche womöglich unbrauchbar: Angelika Mieske ist stinksauer, weil ihr nach ihrer Aussage niemand sagt, ob schon etwas gegen die Legionellen unternommen wurde.

Region Rhein-Main –Die Legionellen-Plage hält die Region in Atem. Seit das Wasser in Wohnblocks getestet werden muss, werden die Bakterien offenbar häufiger nachgewiesen. Mancher Mieter fühlt sich mit der tödlichen Gefahr alleine gelassen. Ein Legionellen-Opfer berichtet. Von Christian Reinartz 

Weil Legionellen in ihrer Wasserleitung lauern, lebt Angelika Mieske aus Rodgau seit zwei Wochen in Angst vor den tödlichen Keimen. Gesundheitsamt und Hausverwaltung beteuern, es werde etwas unternommen. „Aber bisher hat hier keiner Entwarnung gegeben“, sagt Mieske. Bei ihr wurden die gefährlichen Bakterienstämme schon vor etwa zwei Wochen festgestellt – der 17-fache des erlaubten Wertes. „Seitdem telefoniere ich mir hier die Finger wund“, sagt Mieske. Mittlerweile ist die resolute Frau stinksauer auf Hausverwaltung und Gesundheitsamt. „Die haben hier einen Zettel ans Schwarze Brett gehängt, und seitdem hab ich nix mehr gehört.“

In der Tat ist das, was auf dem Schreiben der Hausverwaltung mitgeteilt wird, für viele Hausbewohner verstörend. Darin ist die Rede von einem „hohen Befall“ und es wird geraten, ohne Duschkopf zu duschen, um die Bakterien nicht über Tröpfchen einzuatmen. „Ich hab jetzt richtig Angst und mich kribbelt es am ganzen Körper“, sagt Mieske. „Das alles ist wirklich unheimlich.“

Wasserqualität muss kontrolliert werden

Und Mieske ist nicht alleine. Weil nach einer Verordnung neuerdings in Wohnblocks die Wasserqualität kontrolliert werden muss, hagelt es seit einiger Zeit solche Warnbescheide. Viele Mieter sind erstmal verunsichert. Zwar sind sich Experten offenbar einig, dass der Befall mit Legionellen keinesfalls auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Aber die positiven Befunde deuteten nicht unbedingt auf eine insgesamt häufigere Belastung hin. Es würde einfach öfter kontrolliert und deswegen auch mehr gefunden, heißt es bei zuständigen Behörden in der Region.

In ihrer Verzweiflung wendet sich Mieske an das Gesundheitsamt des Kreises Offenbach. „Die haben mir zwar gesagt, dass sie von dem Vorfall wissen und ich mich beruhigen soll. Was sie aber konkret unternehmen, konnten sie mir auch nicht sagen“, sagt Mieske. Auch ein Anruf bei der Hausverwaltung mit Sitz in Mannheim bringt sie nicht weiter.

Leben in Unwissenheit

Als der EXTRA TIPP dort anruft, wird schon nach wenigen Sätzen der Hörer aufgelegt. Eine erneute, schriftliche Nachfrage wird beantwortet. Von einer Erhöhung der Wassertemperatur ist die Rede. Ob aber schon Maßnahmen getroffen wurden, bleibt unklar. Lediglich wird darauf verwiesen, dass sich „alle Beteiligten korrekt verhalten und alle gesetzlich vorgeschriebenen Dinge strikt eingehalten werden“. Zum Schluss droht man noch mit dem Anwalt. Für Angelika Mieske ist das Verhalten der Hausverwaltung unverständlich: „Ich weiß bis heute nicht, ob irgendwas unternommen wurde. Stattdessen lässt man mich hilflos mit meiner Angst sitzen.“

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Beim Kreis Offenbach teilt Sprecherin Kordula Egenolf mit, dass bei einem Ortstermin unter anderem mit Hausverwalter, Hausmeister und Verwaltungsbeirat darauf hingewiesen wurde, neben den üblichen Maßnahmen auch die Betroffene noch einmal darüber zu unterrichten, aus Sicherheitsgründen regelmäßig heißes Wasser laufen zu lassen.Mieske hat davon nichts mitbekommen: „Mir hat das bis zu diesem Zeitpunkt niemand gesagt.“

Infos zu Legionellen

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die dort vorkommen, wo warmes Wasser optimale Bedingungen für ihre Vermehrung bietet. Etwa in Warmwasserleitungen, die aus Energiespargründen dauerhaft unter 60 Grad gehalten werden. Eine Übertragung von Legionellen ist durch Kontakt mit Leitungswasser möglich, wenn die Legionellen in die Lungen gelangen. Nicht jeder Kontakt führt zu einer Gefährdung. Besonders das Einatmen belasteten Wassers, etwa beim Duschen, kann zu einer Infektion führen. Besonders gefährdet sind alte Menschen und alle mit einem schwachen Immunsystem. Laut Robert Koch-Institut erkranken in Deutschland etwa 15.000 bis 30.000 Menschen pro Jahr an Legionellose. Trotz Behandlung liegt die Sterblichkeit bei bis zu 15 Prozent.

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