Mängelmelder zeigt Wirkung

Leben neben der Müllstadt Offenbach: Weniger Abfall in Frankfurt

Frankfurt – Frankfurt liegt direkt neben der Müll-Hauptstadt des Rhein-Main-Gebiets: Offenbach hat vergangenes Jahr 7000 Müll-Meldungen erhalten. Obwohl Frankfurt sechsmal mehr Einwohner hat, sind es dort nur 1300 Meldungen. Von Janine Drusche

Versinkt die Stadt, die direkt neben Frankfurt liegt, bald im Müll? Die Offenbacher Mülldetektive rückten 2015 rund 900 mal aus. 7000 Müllmeldungen gingen bei der Stadt ein, 87 Verfahren wurden eingeleitet und 23.000 Euro Bußgeld für die Vermüllung verhängt, sagt Frank Weber, Abteilungsleiter für Kommunale Prävention, Sauberkeit und Ordnung beim Ordnungsamt Offenbach. Achtlos werde Abfall in Grünanlagen, im Wald oder sogar auf der Straße entsorgt.

Das sind im Durchschnitt fast 20 Müllmeldungen am Tag. Und das, obwohl kostenlose Sperrmülltermine vom städtischen Entsorger ESO angeboten werden. Trotz etwa sechsmal so hoher Einwohnerzahl wie in Offenbach hat die Stadt Frankfurt im vergangenen Jahr nur 1306 Meldungen zu illegalem Müll erhalten. Auf die Einwohner gerechnet müssten es bei Offenbacher Verhältnissen in Frankfurt rund 42.000 Müllmeldungen sein, 115 am Tag. 240 Verfahren wurden eingeleitet. Zahlen zu der Bußgeld-Summe und Verurteilungen liegen der Stadt nicht vor. Die Meldungen über herumliegende Müllansammlungen seien aber in Frankfurt zurückgegangen, sagt Michael Jenisch, Ordnungsamt Frankfurt. Weniger als vier Meldungen sind es durchschnittlich am Tag.

Rhein-Main: Hier liegt der Müll am Straßenrand

Der Mängelmelder und die Stabstelle Sauberes Frankfurt werden als Grund dafür gehandelt. Doch auch die Stadt Offenbach hat die Müll-Ermittler-Hotline und den Mängelmelder. Trotzdem wird die Stadt weiter vermüllt – auch wenn man strikt hinter den Abfallsündern her ist: „Wir sind sehr rege, was die Müllbekämpfung angeht“, sagt Weber: „Die Kommunikation mit Bürgern, die uns mitteilen, wo illegale Ablagerungen zu finden sind, läuft gut. Dann kann der ESO schneller handeln. Was wir tun können, das tun wir. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Bürgern und ihrer Hilfe.“

Bußgelder werden teuer

Die Bußgelder bewegen sich zwischen drei- und vierstelligen Beträgen. „Eine Strafe kann höher ausfallen bei Umweltgefahren, sogar zu einer Erzwingungshaft führen“, sagt Weber. „Das Quartiersmanagement veranstaltet Stadtteilrundgänge und achtet auf Auffälligkeiten auf den Straßen“, sagt Weber. Trotzdem gehen Menschen verantwortungslos mit Müll und der Entsorgung. „Wahrscheinlich sind hier Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit die Triebfeder“, sagt Ordnungsamt-Sprecher Jenisch in Frankfurt.

In Hofheim im Taunus gab es im gesamten Jahr 2015 nur 100 Meldungen über illegale Müllablagerungen wie Bauschutt oder alte Reifen. „Bußgeld wurde einmal erhoben“, sagt Pressesprecherin Miriam Block. Offenbach findet Erklärungen für die Situation. „Mehr Meldungen bedeuten nicht mehr Müll. Die Meldungen zeigen das Bestreben der Menschen, die Umgebung sauber zu halten und Verantwortung zu übernehmen, sind positiv zu werten“, sagt Weber. Er sieht keinen Unterschied zu Frankfurt: „Viel Müll entsteht da, wo Fluktuation ist. Die gibt es in Frankfurt und Offenbach.“

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