Neue Gebühren für Wirtsleute

Gier-TV bittet zur Kasse

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Die Zukunft ihres Terrassencafes steht auf dem Spiel: Burkhard und Silvia Lange wissen nicht, ob sie die Preissteigerung des Bezahlsenders Sky mitmachen.

Langen – Wie lange wird hier noch nach Eintracht-Toren gejubelt? Burkhard und Sylvia Lange haben eine Kneipe in der exklusiv Live-Fußball übertragen wird. Bezahlsender Sky hat angekündigt, seine Gebühren neu zu berechnen. Die Existenz der Langes ist dadurch bedroht. Von Dirk Beutel

Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Er begeistert, verbindet, enttäuscht. Und er sorgt für handfesten Ärger. Seit über sieben Jahren betreiben Burkhard und Sylvia Lange das Terrassencafe in Langen. Als Sky-Gaststätte für Fußballfreunde und Fans der Frankfurter Eintracht. „Wir haben unsere Wirtschaft auf sportinteressierte Kundschaft gelegt und von Anfang an auf Sky gesetzt“, sagt Burkhard Lange.

Saftige Preiserhöhungen drohen

Doch das könnte den Langes den Boden unter den Füßen wegziehen. Denn im September droht der Bezahl-Sender mit einer saftigen Preiserhöhung. Dann soll das Gastwirt-Pärchen über 530 Euro im Monat für das Programm bezahlen. Im Vergleich: Noch im Februar 2012 betrug die Gebühr rund 197 Euro. Dann drehte der Sender im März 2012 erneut an der Preisschraube, diesmal auf über 360 Euro. Die nächste Erhöhung kam diesen März. Monatlicher Beitrag: 403 Euro. Jetzt also die nächste Anstiegswelle, die der Anwalt der Langes überprüft hat. Ohne Erfolg.

Grund ist ein neues Preisstaffelungskonzept das solche Faktoren wie die Größe der Gaststätte, die Kaufkraft und Bevölkerungsdichte am Standort sowie die Nähe zu einem Profi-Fußballverein miteinberechnet. „Wir haben intensive Marktforschung betrieben und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir unsere Preisgestaltung ausdifferenzieren. Sport generiert ganz andere Umsätze in der Stadt als auf dem Land. Wir sind überzeugt, dass die neue Preisstruktur funktioniert“, sagt eine Sky-Sprecherin. Demnach fallen einheitliche Preise weg. Jeder Gastwirt, je nach Lage und Größe der Wirtschaft, zahlt einen anderen Beitrag.

Reine Abzocke

Für die Langes ist das Abzocke. „Es kommt auch ein bisschen auf die Kreativität des Wirtes an, wie er sein Sky-Angebot bewirbt“, heißt es vom Unternehmen. „Die reden sich das doch nur selber schön“, sagt Burkhard Lange. Er macht eine ganz andere Rechnung auf. Seine Kneipe hat keine Laufkundschaft. „Hier kommen die Leute hin, um Fußball zu sehen. Also haben wir nur so lange Zeit richtig Geld zu verdienen, so lange ein Spiel läuft. Da muss ich mit zwei bis drei Bedienungen zusätzlich arbeiten“, sagt Burkhard Lange. Doch die werden überflüssig, wenn kein Fußball läuft. Und um die drohende Preiserhöhung in den Griff zu bekommen, müsste er mindestens zwei 400 Euro Mitarbeiter kündigen. „Und die sind auch auf ihren Job angewiesen“, sagt Lange.

Jeder Wirt muss selbst entscheiden

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband zeigt sich zu diesem Problem wie ein zahnloser Tiger: „Unser Verband ist sehr besorgt darüber, dass immer mehr Gebühren auf die Gastronomen abgewälzt werden und die aber auch nicht alles an die Kundschaft weitergeben wollen. Fußball in der Gemeinschaft zu schauen ist eine wertvolle Sache, aber jeder Gastwirt muss selbst entscheiden, wie lange sich dieses Angebot noch lohnt“, sagt Sprecher Sebastian Maier.

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Und das können Burkhard und Sylvia Lange noch nicht abschätzen. Sie überlegen die Preiserhöhung auf die Gäste umzulegen. Dann würde das Bier und das Schnitzel im Terrassencafe teurer werden. Bis zum 31. Juli wollen die Gastwirte ausharren. Bis dahin können sie noch ihr außerordentliches Kündigungsrecht geltend machen.

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