Kurios: Kein Job wegen feuchter Hände

"Ich habe keine feuchten Händen", sagt Ali Sahin und blickt dabei immer wieder kopfschüttelnd auf das Formblatt der Bundesagentur für Arbeit. Er mag auch einige Tage nach dem Vorstellungsgespräch immer noch nicht glauben, was dort Schwarz auf Weiß steht.

"Bewerber wird nicht eingestellt, weil er aus folgenden Gründen für nicht geeigneten gehalten wird", steht auf dem Vordruck. Und dahinter ist handschriftlich vermerkt: "Feuchte Hände" (siehe Ausriss auf dieser Seite).14 Jahre lang hat Sahin in einer metallverarbeitenden Firma gearbeitet. Aber dann zog die Firma 2006 nach Thüringen um, ihm wurde gekündigt, bekam ein tadelloses Zeugnis. Befristet für ein Jahr arbeitete der dreifache Vater anschließend in der Bettenzentrale des Offenbacher Stadtkrankenhauses.Mehr als 40 Bewerbungen hat der 41-Jährige bereits geschrieben. Nur wenige Firmen haben überhaupt geantwortet. Umso glücklicher war er über den Vermittlungsvorschlag der Bundesagentur für Arbeit. Gesucht wurde ein Eisen- und Metallerzeugerhelfer in Rödermark. "Perfekt", dachte Sahin. Ganz in der Nähe und endlich wieder in seinem alten Beruf arbeiten."Ich habe mich mit dem Firmenbesitzer 15 Minuten lang ungezwungen unterhalten und mich dann mit einem normalen Händedruck verabschiedet", berichtet Sahin von dem Vorstellungstermin Mitte September. Daraufhin habe sein Gegenüber gesagt, dass er die Stelle wegen feuchter Hände nicht bekommt. "Aber ich neige doch gar nicht zu feuchten Händen. Und wenn, dann war es wegen der Aufregung", argumentiert er. Außerdem würden bei der Arbeit üblicherweise Handschuhe getragen. Doch auch diesen Einwand ließ der Firmeninhaber nicht gelten. Das Zusammenspiel zwischen feuchter Haut und den Handschuhen kann Allergien auslösen. Damit war das Vorstellungsgespräch beendet. "Als ich das meinen Freunden erzählte, haben die nur gelacht und gemeint, dass kann nicht wahr sein."Kann es doch, denn auf EXTRA-TIPP-Nachfrage bestätigte die Firma die Begründung. In der Vergangenheit sei es schon öfters passiert, dass bei eingestellten Mitarbeitern Allergien oder Unverträglichkeiten aufgetreten sind. Mittlerweile achte man sehr genau auf die Hände. "Uns ist bewusst, dass Bewerber bei Vorstellungsgesprächen für Aufregung feuchte Hände haben können", heißt es von Seiten des Unternehmens. Deshalb sei auch nicht der erste Händedruck entscheidend. Die Offenbacher Arbeitsagentur bestätigte, dass die Firma bereits Bewerber aus dem gleiche Grund abgelehnt hat. Für Ali Sahin nur ein schwacher Trost.

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