Kreis Offenbach

Wildunfälle: Jäger darf keine Warnschilder aufstellen

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Wenn Wildschweine oder andere Waldbewohner Straßen überqueren, kommt es häufig zu Unfällen.

Region Rhein Main – Es ist das Horror-Szenario jedes Autofahrers: Man fährt nachts auf einer dunklen Straße am Waldrand, als plötzlich ein Reh die Straße überquert. Nur selten gehen diese Situationen glimpflich für Mensch und Tier aus. Von Fabienne Seibel

Jäger Christian Peter aus Dietzenbach zeigt Eigeninitiative und will Warnschilder an der Landstraße L3301 aufstellen, um dort die Wildunfälle zu reduzieren. Doch die Behörden legen ihm Steine in den Weg. Sollten ihm die Schilder untersagt werden, wird Peter die angefahrenen Tiere künftig nicht mehr abtransportieren.

Jäger will die toten Tiere künftig nicht mehr beseitigen

Polizei und Jäger schlagen Alarm: Die Wildunfälle auf Deutschlands Straßen sind in den vergangenen Jahren markant gestiegen. Immer häufiger kommt es zu schweren Unfällen, bei denen Menschen und die Tiere ihr Leben lassen.

Jäger Christian Peter aus Dietzenbach kennt den Anblick verletzter und getöteter Tiere, die von einem Auto erfasst wurden. Laut seiner Aussage transportiert er nach Unfällen auf der L3301 jährlich 120 bis 150 tote Tiere ab. Peter sagt: „Diese Straße ist eine Gefahr für Mensch und Tier. Mich wundert es, dass bisher dort noch kein Mensch ums Leben gekommen ist.“

Seit vier Jahren kämpft Christian Peter

Bereits seit vier Jahren setzt sich der Dietzenbacher dafür ein, die Autofahrer auf der betroffenen Landstraße zwischen Dietzenbach und Offenthal auf die Gefahr der Wildüberquerung aufmerksam zu machen. Auf eigene Kosten brachte er schon Pfosten, Wildwarnreflektoren und einen Duftzaun am Straßenrand an. Als all die Mühe nichts half und es auf der Landstraße immer wieder zu Wildunfällen kam, entschied sich Peter, gelb leuchtende Warnschilder anfertigen zu lassen. Diese will er nun am Straßenrand anbringen, doch die Behörden stellen sich ihm in den Weg. Die Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach hat wegen der Schilder Bedenken, da es sich um Landschaftsschutzgebiet handelt. Zwar ist Peters Antrag noch nicht endgültig abgelehnt, doch es heißt bereits, dass die Schilder nicht gemäß der hessischen Verordnung angefertigt seien. Peter sagt dazu: „Ich finde es traurig, dass einem Steine in den Weg gelegt werden, wenn man Eigeninitiative zeigt.“

Polizei: Erhöhte Unfallzahlen, wegen großer Population der Wildtiere

Alexander König, leitender Polizeidirektor des Polizeipräsidiums Südost-Hessen hat für den Anstieg der Wildunfälle folgende Erklärung: „Sicherlich hängt das alles mit überhöhten Geschwindigkeiten auf unseren Straßen zusammen, aber ein weiterer Grund dürfte auch die Population der Tiere sein.“

Anton Wild, Vorsitzender des Jagdclubs Main-Taunus weiß: „Die Wildunfälle nehmen zu, weil es auf den Straßen immer mehr Autos gibt, die meistens auch zu schnell fahren. Das hat mit den Tier-Populationen nichts zu tun, denn die werden durch die Jäger kontrolliert.“ Erst am vergangenen Donnerstag kam es auf der L3057 bei Friedrichsdorf wieder zu einem Wildunfall, als ein Reh die Fahrbahn überquerte und mit einem Pkw kollidierte.

Unfälle nehmen zu, weil es mehr Autos gibt

Christian Peter sieht die Schuld für die häufigen Unfälle beim Menschen: „Die Autos werden immer leiser und können so von den Tieren nicht gehört werden. Außerdem wird der Lebensraum der Tiere durch uns immer kleiner, so dass sie oft Straßen überqueren müssen, um ungestört leben zu können.“ Falls es Peter tatsächlich untersagt wird, seine Warnschilder aufzustellen, ist der Dietzenbacher zukünftig nicht mehr bereit, angefahrenes Wild nach Unfällen abzutransportieren. „Laut Gesetz bin ich nicht dazu verpflichtet, die Tiere nach einem Unfall wegzubringen. Da zeigt man mal guten Willen und es wird nicht gewürdigt.“

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