Kreis erwägt Schadensersatz-Forderung

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Gründen-Fraktionschef Reimund Butz hat‘s schon immer gewusst: Die Immobiliengeschäfte von Ex-Landrat Peter Walter haben den Kreis nur Verluste eingebracht. Seine Fraktion erwägt, ebenso wie Landrat Oliver Quilling, eine Klage.

Kreis Offenbach – Der Ex-Landrat des Kreises Offenbach, Peter Walter, hat öffentliche Gelder in Ost-Immobilien gesteckt. Jetzt ist das Geld futsch. Die Grünen fordern Schadensersatz für diese Misswirtschaft und Aufklärung zum Vorwurf der Vetternwirtschaft. Von Christian Reinartz

Keiner kann den Grünen vorwerfen, sie hätten nicht früh genug vor der Katastrophe gewarnt. Zehn Jahre lang prangerten sie Walters Investitionen an, stellten eine Parlamentsanfrage nach der anderen. Erfolglos. „Die große Koalition hat das immer abgeblockt“, sagt Butz: „Die haben Walter machen lassen und ihm blind vertraut.“ Im Jahr 2000 hatte Peter Walter dann 21 Millionen Euro aus dem Verkauf der Kreisanteile an der Energieversorgung Offenbach auf dem Tisch. Das Geld investierte er in zwei Anlagen im Osten. Ein finanzieller Totalschaden, wie sich jetzt herausstellt.

Die beiden Immobilienkomplexe, um die sich alles dreht, heißen „Ferienanlage Fleesensee“ und „Sonnengarten Glienicke“. Allein acht Millionen Euro investierte Walter in Fleesensee. Heute beläuft sich dessen Wert auf einen Euro. In Glienicke ist wenigstens ein Restwert geblieben. Von den ursprünglich investierten 18 Millionen Euro sind noch etwa 9,5 Millionen übrig. Mehr sind die dort gebauten Wohnungen nicht wert. Zusammengerechnet ergibt sich ein Verlust von 17 Millionen Euro.

Das will Reimund Butz, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag nicht akzeptieren. „Walter hat trotz aller Warnungen unser Geld verspekuliert. Dafür soll er jetzt auch gerade stehen.“

Klage rückt in greifbare Nähe

Und das könnte den Ex-Landrat empfindlich treffen. Offenbar fühlt der sich aber sicher. Sein Anwalt, Ingo-Endrick Lankau, der Walter in zwei weiteren Fällen in Zusammenhang mit seiner Amtszeit vertritt, wurde mit der Sache bisher nicht betraut. Anders als von vielen Beteiligten vermutet, geschah die Investition zu einer Zeit, in der die Verjährungsfrist noch bei 30 Jahren lag. Eine Klage rückt damit in greifbare Nähe. Er will zudem untersuchen lassen, was es mit „seltsamen personellen Zufällen“ auf sich hat. Zum Zeitpunkt von Walters Millionen-Investition soll der den Kreis beratende Steuerberater Schwerber und Partner gleichzeitig Oberaufseher des Glienicke-Fonds gewesen sein. Dazu war Walters Parteifreund, der Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Steiger aus Rödermark, im Steuerbüro Personalleiter, so die Grünen.

Nach Recherchen des EXTRA TIPPs hat allerdings das Steuerbüro erst im Folgejahr der Fehlinvestition die Aufsicht über den Fond übernommen. Und auch Wolfgang Steiger ist erst Mitte 2002 in die Firma eingestiegen.

Landrat Oliver Quilling will trotzdem handeln: „Wir lassen derzeit über die Anwaltskanzlei Dr. Winterstein extern prüfen, ob und welche Schadensersatzansprüche im Rahmen der Zeichnung der Immobilienfonds geltend gemacht werden können. Schon seit Beginn meiner Amtszeit halte ich es für eine dringende Aufgabe, Transparenz in die Vorgänge zu bringen.“

Butz freut sich über so viel Rückenwind: „Wir werden das bis zum Ende ausfechten.“

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